Sozialwohnungen in Haan und Hilden „Baukosten zu hoch für günstige Mieten“

Serie | Haan/Hilden · In den Städten gibt es immer weniger Sozialwohnungen. Das hängt unter anderem mit den gestiegenen Baukosten zusammen, die Zinslage verschärfe das Problem. Bauvereine wollen außerdem eine breite Schicht bedienen.

An der Flemingstraße in Haan werden nur noch 4 von 14 Sozialwohnungen gebaut.

An der Flemingstraße in Haan werden nur noch 4 von 14 Sozialwohnungen gebaut.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Seit Jahren ist die Zahl der Sozialwohnungen rückläufig. So auch in Haan. Aktuelles Beispiel ist ein Bauvorhaben an der Flemingstraße. Dort wollte die evangelische Kirchengemeinde ursprünglich 14 Sozialwohnungen errichten. Weil der Kirchengemeinde aber die Manpower fehlt, hat der Bauverein das Projekt übernommen und will den Anteil der Wohnungen mit Sozialbindung aber auf 30 Prozent begrenzen.

Sozialwohnungen sind deutlich günstiger als vergleichbare Mietwohnungen und deshalb bei Wohnungssuchenden begehrt. Vermieter erhalten eine Förderung vom Staat. Im Gegenzug dazu verpflichtet er sich, die Wohnung zu einem Preis zu vermieten, der weit unter den marktüblichen Mieten liegt. Zielgruppe sind Menschen mit einem Wohnungsberechtigungsschein (WBS) – dieser wird jeweils vom zuständigen Wohnungs- oder Bezirksamt ausgestellt. Inhaber eines solchen Scheins müssen nachweisen, dass ihr Haushaltseinkommen unter einer vorgeschriebenen Höchstgrenze liegt.

Doch auch wenn es eine Förderung für den Bau von Sozialwohnungen gibt, lohnen sich teurere Wohnungen für private Investoren scheinbar mehr. Ein Beispiel ist das Bauprojekt Flemingstraße 26 in Haan. Ursprünglich hatte die evangelische Kirchengemeinde Haan geplant, ihr altes Gemeindehaus auf dem Grundstück Flemingstraße 26 abzureißen und dort ein Mehrfamilienhaus mit insgesamt 14 Sozialwohnungen für einkommensschwache Familien entstehen zu lassen. Im Rahmen eines Erbbaurecht-Vertrags ist das Grundstück Flemingstraße in Besitz des Bauvereins Haan übergegangen. Der Vertrag sei auf 99 Jahre angelegt. „Als Bauverein bieten wir relativ preiswerte Wohnungen an, im Fall der Flemingstraße wird es eine Startmiete von unter 10 Euro pro Quadratmeter sein“, berichtet Dennis Böttcher, geschäftsführender Vorstand des Bauvereins Haans. Denn die Wohnungen gehen ja nicht auf den freien Markt, sondern seien als Genossenschaftswohnungen preisgünstiger.

Zum Bestand des Haaner Bauvereins gehören aktuell 164 Häuser, 916 Wohnungen, fünf gewerbliche Objekt und 496 Garagen und Stellplätze. Der Bauverein Haan rechnet damit, in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 fertig zu sein. Ein anderes Projekt des Bauvereins entsteht am Langenkamp. Dort werden insgesamt 33 Wohnungen gebaut, elf davon sind öffentlich gefördert. Der Anteil des öffentlich geförderten Wohnungsbaus muss Vorgaben der Stadt zufolge 30 Prozent betragen. Böttcher spricht von einem generellen Problem in der Branche, dass die Baukosten zu hoch seien für günstige Mieten, das Problem habe sich durch die gestiegenen Zinsen verschärft.

Mit ähnlichen Problemen hat auch der Bauverein Hilden zu kämpfen. Von insgesamt 727 Wohnungen sind 121 öffentlich gefördert. In den vergangenen Jahren habe man weniger öffentlich-geförderte Wohnungen gebaut, was unter anderem auf den Kapitalmarkt zurückzuführen ist. „Sozialwohnungen sind auch immer öffentlich bezuschusst, aber daran sind auch Bedienungen geknüpft“, sagt Lars Dedert, geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Doch da der gemeinnützige Bauverein Verantwortung für seine Wohnquartiere übernimmt, will er sich nicht anhand des Belegungsrechts der Kommune nicht vorschreiben lassen, welche Mieter den Zuschuss für die Sozialwohnung erhält. „Hinzukommt, dass wir zwar nicht nur Landes- und Bundesmittel für die Sozialwohnungen erhalten, sondern auch Zinszuschüsse. Doch die werden sukzessive abgebaut“, erläutert Dedert. „Wenn die Verträge dann nach beispielsweise zehn Jahren auslaufen, müssten wir eigentlich Mieterhöhungen weitergeben oder die Kosten bleiben am Bauverein hängen.“ Da die Mieten aber bereits so günstig wie möglich gestaltet werden, würden solche Verzichte wehtun. „Als Genossenschaft setzen wir uns für günstiges Wohnen für eine möglichst breite Schicht der Bevölkerung ein. Unser Ziel ist bezahlbarer Wohnraum für alle.“