Lärm, Dreck, kaputter Aufzug Was aus Hildens „Horror“-Hochhaus geworden ist

Hilden · Der Fernsehsender RTL nannte es „Horror-Hochhaus“, die Bewohner beschwerten sich in der RP über „unhaltbare Zustände“. Was hat sich seit den Berichten an und in dem Gebäude an der Beethovenstraße in Hilden getan?

Horrorhaus in Hilden? Wie es in der Beethovenstraße aussieht
7 Bilder

So sieht es am Hochhaus an der Beethovenstraße in Hilden aus

7 Bilder
Foto: David Grzeschik

Laut tönt vom großen Baugerüst am Hochhaus in der Beethovenstraße der Lärm. So laut, dass man sein eigenes Wort kaum noch versteht. Die Anwohner des Hauses in Hilden wurden über die Arbeiten vor einigen Monaten mit einem Schreiben informiert. Von „umfangreichen Betonsanierungsmaßnahmen“ ist darin die Rede. „Die gesamten Sanierungsmaßnahmen beider Bauabschnitte erstrecken sich inkl. Winterpause auf ca. 10-12 Monate“, heißt es hierzu in dem Schreiben.

Für die Bewohner bedeutet das aber nicht nur Lärm, wie ein Informationsblatt im Aufzug des Hauses verrät. Laut diesem müssten „aufgrund von entstehender Staubentwicklung im Zuge der Baumaßnahmen sämtliche Fenster und Türen auf der Aufzugseite montags bis freitags im Zeitraum von 7 bis 17 Uhr verschlossen sein“. Die Unannehmlichkeiten bitte man zu entschuldigen.

Man kann es positiv sehen und sagen, dass sich in der Beethovenstraße nach vielen Skandalen und Bewohner-Beschwerden offensichtlich etwas tut. Dennoch scheinen längst nicht alle Mieter mit ihrer aktuellen Wohnsituation glücklich zu sein.

Der Gebäudekomplex an der Beethovenstraße 33 war in den letzten Jahren häufig in den Medien – und machte dabei nicht gut von sich reden. Rückblick: Schon im Oktober 2014 berichtet eine Mieterin des Hochhauses in der Beethovenstraße in der Rheinischen Post, dass der Aufzug wochenlang defekt sei. Ein einzelner Störfall scheint dies nicht zu sein – denn die Probleme halten an. 2020 beschweren sich via Facebook Bewohner der Immobilie, dass Beleuchtung fehle, das Treppenhaus verschmutzt und die Hauseingangstür defekt seien. 2021 schafft es das Haus in der Beethovenstraße schließlich als „Hildener Horror-Hochhaus“ ins TV-Boulevardmagazin „RTL Explosiv“. Doch wie ist die Lage aktuell vor Ort?

Der Hauseingang der Beethovenstraße 33 ist wegen des Gerüsts nur eingeschränkt begehbar. Auch der Zustand des Treppenhauses lässt zu wünschen übrig. Eine eingeschlagene Scheibe an einer Glastür, defekte Lichtschalter und Schmierereien an den Wänden finden sich in der Beethovenstraße unverändert vor. Eine Frau, die gebrochenes Deutsch spricht, sagt, dass sie seit drei oder vier Monaten in der Beethovenstraße lebe. Für sie sei das in Ordnung.

Eine andere Bewohnerin mietet seit Sommer eine Wohnung in dem Hochhaus. Sie kommt aus der Ukraine. Wie sie ihre Wohnsituation in der Beethovenstraße bewertet? „Laut und kalt“, sagt die Mieterin, die wie die anderen in der Zeitung lieber anonym bleiben möchte. Fenster und Heizung in ihrer Wohnung würden nicht einwandfrei funktionieren. Darauf habe sie die Hausverwaltung im Oktober hingewiesen. Handwerker sollen aber erst im Dezember vorbeikommen.

Die Hausverwaltung weiß laut eigener Aussage nichts davon. „Der Fall ist uns leider nicht bekannt, und wir haben auch keineswegs solche langen Bearbeitungszeiträume“, erklärt ein Sprecher der Hausverwaltung. Und weiter: „Die Mieterin kann sich gerne an uns wenden, sodass wir dem gerne sofort nachgehen können.“

Ein Dauerthema in der Beethovenstraße scheint derweil der Aufzug zu bleiben. Ein Mann, der seit zwei Jahren in dem Hochhaus wohnt, berichtet, dass seine Frau kürzlich im Aufzug stecken geblieben sei – und erst nach einer Stunde herausgeholt wurde. „Es gab eine Personenbefreiung durch die Feuerwehr“, bestätigt der Sprecher der Hausverwaltung.

Im Nachgang der Befreiung durch die Feuerwehr habe es „Hinweise zu Vandalismuseinwirkungen (verbogene Riegel der Schachttüren)“ gegeben, was laut Unternehmen die Ursache gewesen sein könnte. „Die Aufzugsfirma war vor Ort, und es gibt keine aktuellen Mängel“, bekräftigt der Sprecher. Die Aufzüge seien zudem kürzlich komplett saniert worden. Neben Steuereinheiten und Motoren sollen dabei auch die Fahrzeugkabinen komplett erneuert worden sein.

 Bei RTL wurde das markante Gebäude an der Beethovenstraße in Hilden „Horror-Hochhaus“ genannt. Auch die Rheinische Post hat häufig über die prekären Zustände berichtet. Was hat sich seitdem getan?

Bei RTL wurde das markante Gebäude an der Beethovenstraße in Hilden „Horror-Hochhaus“ genannt. Auch die Rheinische Post hat häufig über die prekären Zustände berichtet. Was hat sich seitdem getan?

Foto: David Grzeschik

Und dennoch, sagt der Mieter, dessen Frau kürzlich aus dem Aufzug befreit wurde: Zur Wahrheit gehöre, dass sich die generellen Zustände in der Beethovenstraße 33 in den letzten beiden Jahren verbessert hätten. Spätestens im August 2023 dürfte für die Bewohner auch wieder etwas mehr Ruhe einkehren: Dann nämlich sollen die Betonsanierungsarbeiten beendet sein und das große Gerüst zurückgebaut werden.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort