Mieter müssen mit hoher Nachzahlung für 2023 rechnen Böse Überraschung bei Heizkosten-Abrechnung

Düsseldorf · Viele Mieter erhalten derzeit die Abrechnung für 2023 und müssen kräftig nachzahlen. Besonders teuer wird es für Fernwärme- und Gas-Kunden. Zudem sparen Bürger nicht mehr: Nur eine von 20 Großstädten verbraucht weniger.

 Fernwärme oder Gasheizung: Viele Mieter müssen kräftig nachzahlen.

Fernwärme oder Gasheizung: Viele Mieter müssen kräftig nachzahlen.

Foto: dpa/Jens Büttner

Die Börsenpreise für Strom und Gas, die nach Russlands Angriff auf die Ukraine hochgeschnellt waren, haben sich wieder beruhigt. Doch bei vielen Mietern kommt der Heizkostenschock erst jetzt, wenn sie vom Vermieter ihre Abrechnung für 2023 erhalten.

Was müssen Mieter nachzahlen?

„Viele Mieterinnen und Mieter werden für die Heizung ihrer Wohnung mehr zahlen müssen als je zuvor“, sagt Hagen Lessing, Chef des Abrechnungsdienstleisters Ista, unter Verweis auf Ablesedaten. Für eine 70 Quadratmeter große Wohnung mit Gasheizung oder Fernwärme müssten Mieter mit Heizkosten von mehr als 800 Euro für 2023 rechnen. Bei Ölheizungen werden 1100 Euro fällig. Bei geringen Abschlägen fällt die Nachzahlung entsprechend hoch aus. „Mieter müssen mit hohen Nachzahlungen rechnen. Zahlreiche Betroffene melden sich bei uns wegen nicht nachvollziehbarer Abrechnungen“, bestätigt Stephan Herpertz, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW. „Das gilt für Gas- und Ölheizungen, das gilt aber besonders für Fernwärme.“ Aber auch bei Gas kann es teuer werden: Wer jetzt einen Vertrag für eine Gasheizung abschließt, muss zwar oft nur acht bis neun Cent brutto je Kilowattstunde zahlen. „Doch in der Abrechnung schlagen sich noch die hohen Preise aus 2023 durch, damals waren 12 bis 14 Cent fällig“, so Herpertz.

Sparen Bürger weiter Energie?

Nein. Im Winter 2022/2023, als eine Gasmangellage drohte, waren viele noch sparsam. Das ist nun vorbei. Die Deutschen haben laut Ista witterungsbereinigt fünf Prozent mehr geheizt als im Vorjahr – außer in Stuttgart, die Schwaben haben weiter gespart. Ista hat sich das Heizverhalten in 20 Metropolen angeschaut: Nur etwas mehr Kilowattstunden je Quadratmeter verbraucht haben Haushalte in Bonn (plus drei Prozent). Mehr sind es schon in Berlin (fünf Prozent) und Düsseldorf (sechs Prozent). Beim Heizen geprasst haben ausgerechnet Haushalte im armen Duisburg (plus zehn Prozent), aber auch im reichen Münster (plus elf Prozent).

Was kann man gegen eine überhöhte Abrechnung tun?

Klar: Wer mehr heizt, muss mehr zahlen. Höhere Beschaffungspreise schlagen ohnehin durch. Dennoch: „Mieter sollten die Abrechnung des Vermieters genau prüfen. Sie haben ab Eingang der Abrechnung ein Jahr Zeit dazu, sollten aber rasch handeln“, rät Herpertz und nennt typische Fallen: Die Kosten für Warmwasser sollten nicht mehr als 25 bis 35 Prozent der Energierechnung betragen. Die Betriebsstromkosten für die Heizung sollten nicht mehr als fünf Prozent der Energierechnung betragen. Das Wirtschaftlichkeitsgebot verpflichte den Vermieter dazu, nicht beliebig teuer einzukaufen. „Hat man Zweifel, sollte man mit einem Mietrechtsanwalt prüfen. was die nächsten Schritte sind.“ Diese könnten Unterlagen-Einsicht, Kürzung oder Neuerstellung der Abrechnung sein.

Wie teilen sich Mieter und Vermieter die CO2-Abgabe?

Diese hat der Bund eingeführt, um die Belastung des Klimas mit einem Preis zu versehen und zum Sparen anzuregen. Sie steigt von Jahr zu Jahr. „Der Vermieter muss die Kosten der CO2-Abgabe ausweisen und darf auch nur einen Teil an den Mieter weitergeben“, betont Herpertz. Das Wirtschaftsministerium bietet einen Rechner an, der für jeden Haustyp ausweist, wie viel Prozent wer tragen muss (https://co2kostenaufteilung.bmwk.de) Ein Beispiel: Bei einem Ende der 70er-/Anfang der 80er-Jahre gebauten Mehrfamilienhaus mit einem Verbrauch von 150 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr muss der Mieter 60 Prozent der CO2-Kosten tragen, der Vermieter 40 Prozent.

Was bringt die EU-Strommarktreform für Verbraucher?

Der Großhandelspreis hat sich entspannt. Das Problem sind die hohen Abgaben, vor allem für den Netzausbau. Die Versorger geben die steigenden Netzentgelte an die Kunden weiter, da der Bund die zunächst geplante Entlastung von fünf Milliarden Euro nach dem Klimafonds-Urteil zurückgezogen hat. Nun will die EU mit ihrer Strommarktreform wenigstens für mehr Transparenz sorgen: Stromanbieter dürfen die Vertragsbedingungen nicht mehr einseitig ändern. Verbraucher sollen künftig ein Recht auf Festpreisverträge und auf Verträge mit dynamischen Preisen haben. So können risikoaverse Verbraucher sich für langfristig stabile Preise entscheiden. Wer dagegen ein Elektroauto hat, will vielleicht Preisschwankungen nutzen, um bei günstigen Preisen sein Elektroauto zu laden. Künftig sollen Staaten ihren Versorgern verbieten dürfen, säumige Zahler mit Stromsperren zu belegen.