Marken im Vergleich: VW macht in Genf das Rennen

Marken im Vergleich: VW macht in Genf das Rennen

Genf (RP). Auf der wichtigsten Automesse des Jahres zeigt der Volkswagen-Konzern, wie gut er auf der Klaviatur seiner zehn Marken zu spielen versteht. Toyota sieht dagegen ziemlich blass aus. BMW punktet mit einem neuen Fünfer.

Beim Genfer Autosalon, der am Donnerstag beginnt, geht es nur vordergründig um 108 Premieren. In diesem Jahr wird die Schau aus Stahl, Lack und Gummi von drei Themen überlagert: Kommt die Automobilwirtschaft schneller als gedacht aus der Krise? Wie lange brauchen Autos noch Benzin? Und: Hat Toyota nach dem Rückruf von fast zehn Millionen Autos die Vorherrschaft schon an VW verloren?

Nach überraschend positiven Verkaufszahlen der vergangenen Wochen wittert die Branche Morgenluft. Was die wichtigste Automesse des Jahres auch abbildet: Im Gegensatz zu den jüngsten Messen in Frankfurt und Tokio sind in Genf wieder alle großen Hersteller dabei. 78.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind ausgebucht, als hätte es keine Wirtschaftskrise gegeben. Das dokumentiert den Optimismus der Branche, der hierzulande angesichts der Opel-Debatte und der Milliardenverluste bei Daimler kaum wahrgenommen wird.

Um das Thema "alternative Antriebe" (Elektro-, Hybrid-, Erdgas- und Brennstoffzellenantrieb) zusammenzufassen: Mit 16 Fahrzeugen sind über zehn Prozent der in Genf präsentierten Neuvorstellungen damit ausgestattet. Eine vor fünf Jahren noch undenkbare Quote, die aber auch zeigt, dass die neuen Antriebe bei ihrem Sprung vom Showcar in den Showroom noch in der Luft hängen. Die landläufige Expertenschätzung, dass der Verbrennungsmotor noch mindestens 15 Jahre den Standard markiert, stellt Genf nicht infrage.

Toyota in der Krise?

Eingeklemmt zwischen Chrysler und Opel versucht Toyota an seinem Stand alles, um nicht über kaputte Gaspedale reden zu müssen. Was angesichts der eher bescheidenen Neuheiten kaum gelingen wird: Ein Auris Hybrid, ein halbherziges Facelift für den RAVV4. Die spannendste Toyota-Vision ist eine Studie unter dem Tarnnamen F8-86. Die sehr gelungenen Formen könnten eines Tages als neuer Celica mit dem Langeweiler-Image von Toyota aufräumt.

  • Fotos : Die Stars des Genfer Salon 2010

Ganz anders Erzrivale VW, der Toyota bis 2018 als weltgrößter Autobauer ablösen will. Auf der Volumenseite punktet der Konzern mit dem neuen Audi A1. Deutschlands erster Premium-Kleinwagen kommt im August ab 16.000 Euro in den Handel. Für die gegenteilige Kundschaft präsentiert Audi einen neuen A8.

VW im Aufwind

Die bodenständigen Fans der Marke VW holt der Konzern mit zwei neuen Polo-Modellen und einer Neuauflage der Familiensänfte Sharan ab ­– was nach 15 Jahren auch Zeit wurde. Neuzugang Porsche glänzt mit der zweiten Generation des Cayenne ­ neuerdings auch mit Hybridantrieb.

BMW präsentiert den neuen Fünfer erstmals vor großem Publikum. Die Bayern haben die sechste Generation ihres Brot-und-Butter-Autos sehr sorgfältig gestaltet und üppig ausgestattet ­ schon jetzt übersteigen die Bestellungen alle Erwartungen.

Was die Konkurrenz aus Stuttgart ärgert: Mercedes hat nicht nur einen Milliardenverlust zu verkraften, sondern auch ein veritables Image-Problem: Ausgerechnet die neue E-Klasse bockte im vergangenen Jahr wegen Einspritz-Problemen. Die sind inzwischen angeblich behoben, weshalb man in Genf mit einer Cabrio-Version der Geschäftswagen-Ikone zu glänzen versucht.