Volkswagen: Was muss ich als Halter von VW-Diesel wissen?

Abgasskandal : Was Halter von VW-Diesel-Autos wissen müssen

Alle Besitzer von Fahrzeugen mit manipulierter Software müssen ihre Wagen umrüsten lassen. Das erzwingt das Kraftfahrtbundesamt. Dabei zeigen Tests aus den USA, dass der Spritverbrauch nach der Umrüstung steigen kann.

Seit gestern steht fest, dass Volkwagen mit seinem Plan einer freiwilligen Rückrufaktion für die manipulierten VW-Diesel in Deutschland gescheitert ist. Ausnahmslos müssen alle betroffenen Autos umgerüstet werden, ordnete das Kraftfahrtbundesamt gestern an. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu der Aktion.

Darf ich meinen Wagen weiter fahren? Ja. Alle Fahrer von betroffenen Autos dürfen ihre Wagen weiterhin uneingeschränkt nutzen. "Die Fahrzeuge sind verkehrssicher und können deshalb ganz normal gefahren werden", sagt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Warum dann der Zwangsrückruf? Der vom Staat vorgegebene Rückruf sei notwendig, weil es sich mit 2,4 Millionen Autos um eine besonders umfangreiche Reparaturaktion handele, erklärt Dobrindt. Ebenso wichtig sind zwei weitere Gründe: Bei der Software handelt es sich nach Auffassung des Kraftfahrtbundesamtes um eine illegale Manipulation am Wagen, die ja im realen Betrieb einen Teil der Abgasreinigung aus dem Testbetrieb ausschaltet - der Staat hat also keine Alternative, als den Ausbau der Software vorzuschreiben. Und der Staat kann darum auch nicht riskieren, dass zehntausende Autofahrer bei einem freiwilligen Rückruf erst verspätet oder gar nicht reagieren.

Wie sieht der Zeitplan aus? Starten sollen die ersten Umrüstungen Anfang 2016. Bei manchen Wagen dauert es aber noch länger. Für Modelle mit 1,6-Liter-Motor dürfte die technische Lösung erst in rund einem Jahr einbaureif sein. Dabei geht es um eine zusätzliche Abgasreinigung. Bei weiteren Dieseln in Euro-5-Norm mit 2,0 Litern Hubraum soll ein Tausch der manipulierten Software reichen. Die Wagen müssen also nur an den Rechner in der Werkstatt. Unklar blieb zunächst die genaue Lösung für die dritte Gruppe der Diesel mit 1,2 Litern Hubraum. Womöglich reicht auch dort ein Software-Update.

Wie erfahre ich, ob mein Auto betroffen ist? Auf der Website www.volkswagen.de/info kann jeder Volkswagen-Kunde seine Fahrgestellnummer eingeben und sich informieren, ob sein Fahrzeug betroffen ist. Für die Marken Audi, Seat und Skoda und in den übrigen EU-Staaten sind vergleichbare Kunden-Websites aktiv.

Wer zahlt die Umrüstung? VW. Falls Wagen länger in die Werkstatt müssen, könnte notwendig sein, den Fahrern Mietwagen anzubieten.

Könnte der Wagen nach der Umrüstung schlechtere Werte haben? Sicher ist zwar, dass die Autos nach der Reparatur bessere Abgaswerte haben werden als bisher - denn bestimmte Filtermechanismen werden ja nicht mehr heimlich abgeschaltet. Aber der bessere Umweltschutz könnte dann zu schlechteren Motorenleistungen führen: Bei neuen Tests des US-Verbrauchermagazins "Consumer Reports" stieg der Spritverbrauch eines VW-Jetta von 4,7 auf 5,1 Liter je 100 Kilometer Fahrleistung, nachdem die illegale Software abgeschaltet worden war. Und der Wagen brauchte mehr als eine halbe Sekunde länger, um auf knapp 100 Stundenkilometer zu beschleunigen.

Erhalten Autofahrer eine Entschädigung, falls der Wagen nach der Umrüstung weniger flott oder mit höherem Spritverbrauch fährt? VW will sich zu diesem Thema nicht äußern. Ein Sprecher hält schlechtere Leistungswerte aber für sehr unwahrscheinlich, obwohl das Unternehmen dem Kraftfahrtbundesamt noch nicht einmal mitgeteilt hat, wie die Nachrüstungen laufen sollen.

Die Autoexpertin Marion Jungbluth vom Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert dagegen von VW schon jetzt eine Festlegung auf eine Entschädigung: "Wenn sich nach der Reparatur, wie zu erwarten ist, herausstellt, dass die Wagen beispielsweise einen höheren Spritverbrauch haben oder weniger gut beschleunigen, sollte Volkswagen maximale Kulanz gewähren, also eine Entschädigung zahlen." Als Alternative solle VW "die Autos zu einem angemessenen Preis zurücknehmen".

Hier geht es zur Infostrecke: Die großen Skandale der Auto-Industrie

(RP)
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