Sparsame Drei-Zylinder

Sparsame Drei-Zylinder

Dreizylindermotoren haftete lange Zeit der Makel der ärmlichen Knauser-Alternative zum klassischen "Vierer" an. Doch damit ist jetzt Schluss. Weil die Antriebe mit drei Töpfen besonders sparsam und kaum weniger komfortabel als Motoren mit vier Zylindern sind, haben immer mehr Hersteller Dreizylinderautos im Programm. Neuester Vertreter ist der Kia Picanto, bei dem der 51 kW/69 PS starke Benziner zusätzlich mit einer Start-Stopp-Automatik ausgestattet ist. In den kommenden Monaten startet zudem eine ganze Reihe weiterer Neuheiten mit Dreizylindermotoren: Ford führt ihn im Fiesta ein, Renault im Clio und Peugeot im neuen 208. Bei Herstellern wie Suzuki oder Nissan ist der "Dreier" schon länger im Angebot. Das Ziel ist klar: Die vergleichsweise leichten Motoren sollen den Kraftstoffverbrauch drücken. Gegenüber einem Vierzylindertriebwerk sinkt zudem die innermotorische Reibung – einfach, weil ein Kolben weniger durch einen Zylinder bewegt werden muss.

Vor dem Boom des Dreizylinders mussten zwei Probleme gelöst werden, die den sparsamen Motor vorher unpopulär gemacht hatten. Denn aufgrund seiner Bauweise ist ein Dreitopf-Triebwerk weniger laufruhig als etwa ein Vierzylindermotor, wo sich die Bewegungen der Kolben und Pleuel einfach gesagt gegenseitig ausgleichen. Beim asymmetrischen Dreizylindermotor ist das unmöglich. Dort erzeugen die beiden Enden des Motorblocks im Betrieb hörbare und fühlbare Vibrationen. Eliminiert werden können sie jedoch durch Schwungräder, ultraleichte Kolben und zusätzliche Ausgleichswellen, die immer intelligenter konstruiert und damit auch leistungsfähigersind.

BMW etwa hat sich erst kürzlich eine besonders kurze Ausgleichswelle patentieren lassen, die zusätzlich sehr vibrationshemmend gelagert werden kann. Der Dreizylindermotor, so BMW-Entwickler Theodor Melcher, liege in vielen Eigenschaften sehr nahe am Sechszylinder und habe "nichts zu tun mit jenen Verzichtserklärungen, die viele Menschen mit einem Dreizylindermotor verbinden". Da werden automatisch Erinnerungen an den DKW 3=6 Monza aus den 50er-Jahren wach. DKW postulierte für das Dreizylinder-Modell die Laufruhe eines Sechszylinders – allerdings musste dafür auf die Zweitakt-Technik zurückgegriffen werden.

BMW bleibt hingegen beim Viertakter. Eingesetzt werden soll der mindestens 80 PS starke Motor in einigen Jahren beim BMW 1er und im Mini. Je nach Modell wird er auch von einem Turbo verstärkt.

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Denn die Aufladung löst das zweite klassische Problem der Dreizylindermotoren: die Durchzugsschwäche, die ihren Einsatz im Grunde auf Kleinwagen beschränkt. Zu den Pionieren der Technik gehört Nissan. Im neuen Micra gibt es ausschließlich Dreizylindermotoren. Aktuell als Sauger mit 59 kW/80 PS, ab Spätsommer aber auch mit Kompressor-Aufladung. Dann stehen 72 kW/98 PS zur Verfügung; der Verbrauch soll lediglich 4,0 Liter betragen – ein Top-Wert für einen Ottomotor. Auf die Einführung eines ähnlich sparsamen, aber teureren Dieselmotors verzichten die Japaner vor diesem Hintergrund.

Apropos Diesel: Die Selbstzünder sind die Exoten unter den aktuellen Dreizylindermotoren. Lange war der Smart Fortwo der einzige Vertreter seiner Art. Seit kurzem gibt es jedoch auch den VW Polo mit einem 1,2-Liter-Selbstzünder. Das selbstverständlich per Turbo aufgeladene Triebwerk bringt es auf 55 kW/75 PS und benötigt nur 3,8 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. In der Bluemotion-Version mit Start-Stopp-System und Aerodynamik-Kit sind es sogar nur 3,3 Liter – so viel wie beim deutlich kleineren Smart Fortwo CDI. sp-x

(RP)
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