So entsteht der Neuwagengeruch

So entsteht der Neuwagengeruch

Im Geruchslabor von Ford in Köln werden Bauteile auf ihren Duft und ihre Inhaltsstoffe hin untersucht. Denn Kunststoff, Leder & Co. sorgen für den ganz eigenen Geruch der Autos.

Im Geruchslabor von Ford in Köln werden Bauteile auf ihren Duft und ihre Inhaltsstoffe hin untersucht. Denn Kunststoff, Leder & Co. sorgen für den ganz eigenen Geruch der Autos.

Riecht es fruchtig, ranzig, süß, nach verbranntem Gummi oder gar nach dreckigen Socken? Der Prüfer öffnet kurz das Drei-Liter-Einmachglas, riecht an der Probe und macht sich Notizen. 24 verschiedene Optionen hat der Tester zur Auswahl, um einen Geruch zu beschreiben. Zudem muss er die Intensität nach dem Schulnotensystem bestimmen - von "nicht wahrnehmbar" bis "unerträglich". Was stärker riecht als Note 3 ("deutlich wahrnehmbar, aber nicht störend"), fällt durch die Prüfung. Sitzbezüge, Kunststoffe, Teppiche, Schäume: Alles, was in einem Auto von Ford verbaut wird, muss sich dem Geruchstest im Labor des Kölner Autoherstellers unterziehen.

Jeder, der schon mal in einen Neuwagen gestiegen ist, kennt ihn: den unverwechselbaren Geruch. Zwar immer ein bisschen anders, mal etwas mehr nach dem Leder der Sitze oder dem Kunststoff der Armaturen, aber doch unverkennbar. Stefan Riewer, Leiter chemische Analyse in der Materialentwicklung bei Ford Europa, sorgt mit seinem Team dafür, dass ein Neuwagen genau so riecht, wie es sich die Kunden vorstellen und wünschen. "Wenn wir neue Materialien bekommen, unterziehen wir sie im Labor verschiedenen Prüfungen. Eine davon ist der Geruchstest", erläutert Riewer. Dazu gibt es Vorgaben vom Verband der Automobilindustrie (VDA), denn auch andere Hersteller testen ihre Materialien, bevor sie verbaut werden.

Mindestens fünf Personen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen nehmen bei Ford an den Tests teil. "Wir schließen nur Raucher und geruchsblinde Mitarbeiter aus. Außerdem sollten sie an dem Tag auf Rasierwasser und Parfüm verzichten. Wir wollen den Eigengeruch ausklammern", beschreibt Riewer den zwar nicht wissenschaftlichen, aber kundennahen Ansatz der Geruchsprobe. Die Ergebnisse werden dann an die Zulieferer der Werkstoffe zurückgemeldet. Wurde ein störender Geruch festgestellt, kann der Lieferant zum Beispiel für das Leder ein anderes Fett oder für den Lack ein anderes Lösemittel verwenden, um den Geruch positiv zu verändern.

Anfangs testete das Team in Köln auch Fahrzeuge für den chinesischen Markt. "Von dort haben wir allerdings negatives Feedback bekommen, zum Beispiel zum Leder, das nicht mit unseren Ergebnissen übereinstimmte", sagt Riewer. Schnell wurde klar, dass die kulturelle Prägung der Neuwagenkunden für die unterschiedliche Wahrnehmung ausschlaggebend war. "Ob wir einen Geruch als angenehm oder unangenehm einstufen, ist tief in uns verwurzelt. Unbekannte Gerüche sind für den Menschen ein Zeichen für Gefahr." Deshalb werden die Tests mittlerweile von Angestellten vor Ort durchgeführt.

Im Kölner Ford-Werk werden Materialien aber nicht nur auf ihren Geruch hin getestet. Beim sogenannten Fogging werden durch Erwärmung der Stoffe die Ausdünstungen überprüft. "Die Emissionen sammeln sich auf einer kleinen Glasplatte. Kommt es dort etwa zu Tropfen- oder Kristallbildung, sind die Ausdünstungen zu stark und das Produkt ist durchgefallen", beschreibt Riewer den Messverlauf.

Zudem sammelt Ford Luftproben aus seinen Fahrzeugen, die dann mittels Gaschromatographie auf ihre Inhaltsstoffe untersucht werden. Auch Kunststoffproben können durch die Gaschromatographie getestet werden. Dabei werden die flüchtigen Substanzen, also die Ausdünstungen, untersucht. Dies dient zur Unterstützung der subjektiven Geruchsmessung. So können eventuell auffällige Gerüche eines Fahrzeugs oder Materials den Substanzen zugeordnet werden.

Doch wie schafft man es nun, dass der typische Neuwagengeruch möglichst lange im Fahrzeug erhalten bleibt? "Das hängt natürlich stark von der Nutzung ab. Wenn ich zum Beispiel im Auto rauche, einen Hund dabei habe oder mit starker Lüftung fahre, geht der Geruch natürlich wesentlich schneller verloren", erklärt Riewer. Bei Hilfsmitteln ist er aber skeptisch. "Bei Duftbäumchen mit ,Neuwagengeruch', weiß ich überhaupt nicht, was da drin ist", sagt er. "Ich würde mir sowas niemals ins Auto hängen."

(RP)