Welche Diesel sind vom Fahrverbot betroffen? Alle Infos

Fragen und Antworten: Welche Diesel sind vom Fahrverbot betroffen?

Das Bundesverwaltungsgericht hat Fahrverbote für Diesel-Autos ermöglicht. Doch was heißt das konkret für die Diesel-Fahrer? Dürfen sie nicht mehr in die Stadt? Viele Besitzer fragen sich nun "Ist mein Diesel betroffen?". Einschätzungen eines Experten auf wichtige Fragen.

Fahrverbote betreffen alle Diesel mit der Abgasnorm Euro-5 und älter, zunächst aber nur Halter von Euro-4-Fahrzeugen und älter. Das Gericht hat speziell für Stuttgart eine Übergangsfrist festgelegt: Fahrverbote sollen für Euro-5-Diesel erst ab 1. September 2019 möglich sein. Da es sich um ein Grundsatzurteil handelt, könnten diese Fristen auch für andere Kommunen gelten. Ob softwaremäßig nachgerüstete Autos ausgenommen bleiben, dürfte laut Anja Smetanin vom ACE Auto Club Europa davon abhängig sein, welche Verbesserungen hier tatsächlich zu erwarten sind. "Sollte sich in der Realität herausstellen, dass lediglich zehn Prozent Reduzierung erreicht werden können, wird dies sicher nicht ausreichen."

Am Stichtag 1. Januar 2018 waren in der Landeshauptstadt Düsseldorf insgesamt 112.286 Diesel-Pkw zugelassen. Nach Angaben der Stadt erfüllen davon 42.286 Fahrzeuge die Euro-6-Norm und 36.438 die Euro-5-Norm, die übrigen Fahrzeuge Euro 4 und darunter.

Selbst hier ist noch einiges unklar. Das hat auch mit den Abgastricksereien der Hersteller zu tun. "Sollte ein modernes Dieselfahrzeug im Realbetrieb trotz guter Messwerte deutlich zu hohe NOx-Werte haben, wäre auch theoretisch ein Fahrverbot für solche Fahrzeuge nicht auszuschließen", sagt Smetanin, der das allerdings für unwahrscheinlich hält. Für die Praxis hieße das wohl, dass Euro-6-Fahrzeuge und auch ältere mit Katalysatoren nachgerüstete Diesel vermutlich nicht von Fahrverboten betroffen wären.

Ein gesetzliches "Muss" gebe es hier nicht. Der ACE schätzt aber, dass die Städte die Fahrverbote angemessen ankündigen würden. "Da sie im Sinne der Bürger auch Ausweichlösungen beispielsweise einen verbesserten oder vergünstigten öffentlichen Nahverkehr anbieten möchten."

Zum einen ist eine entsprechende Plakette denkbar. Ein andere Möglichkeit wäre, über das Autokennzeichen zu gehen. "Zumindest deutsche Autos könnten dann auch über eine automatische Kennzeichenerfassung kontrolliert werden", sagt Smetanin. Eine manuelle Erfassung sei bei der hohen Autoanzahl in der Stadt kaum denkbar. "Ein Steuerungsinstrument wie die "Blaue Plakette" könnte es aber ermöglichen, dass Fahrverbote nicht in der ganzen Stadt, sondern nur eingeschränkt für bestimmte sehr stark belastete Straßen möglich wären."

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Grundsätzlich kann sich das der ACE etwa für Notärzte und andere wichtige Fahrzeuge vorstellen. Das werde aber sicher sehr streng gehandhabt. "Eine zu weiche Ausnahmeregelung würde dazu führen, dass die Ziele des Verbotes nicht erreicht werden."

Wer ausgerechnet jetzt ein neues Dieselauto kaufen möchte, greift besser zu einem Modell mit der neuen Abgasnorm Euro 6d, um auf der sicheren Seite zu sein. Das rät der ACE. Einige Hersteller hätten bereits Modelle im Programm, die diese Norm erfüllen.

Auch für gebrauchte Diesel gibt der Club eindeutige Empfehlungen: Wer uneingeschränkt in Städten fahren will, verzichtet aktuell besser darauf, Autos mit Euro-5-Norm oder niedriger zu kaufen. Zwar stünden hier bei geläufigen Modellen die Chancen für Nachrüstungen gut. Dennoch könnte es sein, dass es keine gibt, die Euro 6 oder Euro 6 light, auch 5.5 genannt, ermöglichen. Doch genau davon könne dann später abhängen, ob man eine blaue Plakette oder eine vergleichbare Kennzeichnung erhält, mit der Autos in Fahrverbotszonen fahren können.

Technisch sei es möglich, zu Kosten von zurzeit etwa 1500 bis 2000 Euro SCR-Katalysatoren nachzurüsten. Diese sind für Autos ab Euro 4 oder teils schlechter verfügbar und können die Norm Euro 6 oder besser möglich machen.

Vorsichtig müsse man auch beim Gebrauchtkauf mancher Euro-6-Diesel sein. Denn bei einigen haben die Hersteller die Software der Abgasreinigung manipuliert. Hier müssen die Hersteller kostenlos nachbessern, so der ACE.

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(csr)