Autofahrer im Schneechaos Sieben Fahrtipps für Eisglätte

Düsseldorf · Schnee und Chaos auf den Straßen bleiben den deutschen Autofahrern treu. Die Tortour beginnt mit dem morgendlichen Eiskratzen und mündet auf Glatteis. Wir haben Experten nach ihren wichtigsten Fahrtipps befragt.

Fahren bei Schnee und Glatteis: 10 Tipps für eine sichere Autofahrt
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Zehn Fahrtipps bei Schnee und Glatteis

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Foto: ADAC

Fahrschul-Inhaber Uli Penner aus Neuss empfiehlt als unbedingt notwendige Ausrüstung Winterreifen, Türschlossenteiser und Eiskratzer. "Außerdem sollten Sie vor dem Losfahren das Autodach unbedingt von Schnee befreien, damit herunterfallender Schnee während der Fahrt nicht die Sicht behindert", so Penner weiter. Und noch ein Tipp des Fahrlehrers: Autos mit ABS auch bei glatter Straße kräftig abbremsen. Wer ohne ABS ins Schlittern kommt, sollte vorsichtig gegenlenken.

Überhaupt: Wer glaubt, mit den elektronischen Helfern allein auf der sichereren Seite zu sein, begibt sich schnell aufs Glatteis. "Ob ESP oder ABS — die letzte Kontrolle im Auto hat immer noch der Fahrer selbst", mahnt ADAC-Sprecher Jürgen Grieving.

Speziell solange die Straßen nicht geräumt seien, begebe sich der Autofahrer in besonders große Gefahr, wenn er sich zu sehr auf den Schleuderschutz ESP oder das Antiblockiersystem ABS verlasse. "Sie unterstützen unser Fahren. Aber damit ist man nicht aus dem Schneider", sagt Jürgen Grieving. ESP und ABS nähmen dem Autofahrer nie die Eigenverantwortung. Das heißt: Viel Zeit mitbringen und notfalls Termine absagen, wenn erkennbar sei, dass sie nicht eingehalten werden könnten, empfiehlt der ADAC-Sprecher.

Oberstes Gebot laut der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) ist vorsichtige Fahrweise — insbesondere sanftes Gas geben. Das gelte neben dem Fahren auch für das Anfahren. Bei durchdrehenden Rädern nach zu heftigem Gasgeben könne das Fahrzeug ausbrechen.

Im zweiten Gang anfahren

Auf Schnee ist es laut GTÜ hilfreich, statt im ersten im zweiten Gang anzufahren und rasch in die nächst höheren Gänge zu wechseln. Auch die Lenkbewegungen sollten sanft und nicht abrupt sein, damit das Fahrzeug nicht ins Schleudern gerät. Fahrmanöver und Lenkbewegungen sollten "weich und rund" absolviert werden.

Bei Fahrzeugen ohne ABS sollte laut GTÜ auf schneeglatten Straßen zum Bremsen ausgekuppelt und sanft gebremst werden. Sonst blockieren die Räder, die dann nicht mehr auf Lenkbewegungen reagieren. Zu beachten ist, dass auf schneeglatten Straßen die Bremswege deutlich länger sind als gewohnt. Daher muss zum Vordermann ein mindestens dreimal so großer Sicherheitsabstand gehalten werden.

Im Schnee steckengeblieben?

Ist man im Schnee stecken geblieben, kann der Fahrer versuchen das Auto mit regelmäßigem Gasgeben und Auskuppeln ins Wippen zu bringen. Geschickt muss er dabei die Schaukelstrecke so verlängern, dass das Auto mittels Schwung über den Tiefschnee hinaus entkommt. Bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe muss der Weggerutschte gekonnt zwischen R- und D-Stufe wechseln.

Hilfreich bei beiden Befreiungsversuchen: Eine Fußmatte oder ein spezielles Gitter unter den angetriebenen Reifen gelegt, sorgt für den nötigen Grip. Aber Achtung: Umstehende sollten sich vom Fahrzeug entfernen. Untergelegte Gegenstände können zu Geschossen werden.

Vorfahrt für Räumfahrzeuge

Und noch ein dringender Ratschlag: Räumfahrzeuge im Einsatz werden nicht überholt. Sie haben nach der Straßenverkehrsordnung Vorfahrt. Kommt es zur Kollision, haftet laut Auto Club Europa (ACE) der Autofahrer für jeglichen Schaden. Auch ein langsam auf der linken Autobahnspur fahrender Schneepflug ist nach geltender Rechtsprechung nicht für Unfälle verantwortlich.

Um nicht in die "Salzfontänen" eines Streufahrzeugs zu geraten, sollte ausreichend Abstand eingehalten werden. Außerdem kann auch eine frisch geräumte und gestreute Fahrbahn glatt sein.

(RP/RPO)
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