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Autos reparieren: Selber schrauben kann auch teuer werden

Autos reparieren : Selber schrauben kann auch teuer werden

Wer sich über hohe Werkstattkosten ärgert, denkt beim nächsten Mal vielleicht auch über eine Kfz-Selbsthilfewerkstatt nach. Was erst einmal nach einer günstigen Alternative klingt, kann aber auch richtig teuer werden.

Früher waren es vor allem Bücher mit dem Titel "So wird's gemacht", heute hält das Internet alle Informationen zum Öl-, Bremsen- oder Glühlampenwechsel bereit.

Am Prinzip jedoch hat sich nichts geändert: Geld sparen durchs Selberschrauben. Allerdings ist das bei modernen Autos gar nicht mehr so einfach. "Schon eine Glühlampe zu wechseln, ist bei vielen Modellen ohne größeren Aufwand kaum noch möglich", sagt Marion-Maxi Hartung vom ADAC.

Doch auch Besitzer neuerer Automodelle lassen sich davon offenbar nicht abschrecken. "Bei uns werden nicht nur alte Autos repariert, sondern auch viele neuere", bestätigt Hakim Rahimi von der Auto Selbsthilfe Ahrensburg. Die Reparaturpalette reiche von Bremsen über den Auspuff bis zum Tuning.

Die Elektronik sei dabei keine große Hürde, denn die Werkstatt mit den vier Miethebebühnen ist auch mit einem Diagnosegerät ausgestattet. Benötige der Kunde Hilfe oder Werkzeug, sei immer ein qualifizierter Mitarbeiter ansprechbar.

 Auch zum Plausch unter Gleichgesinnten bietet eine Selbsthilfewerkstatt oft Gelegenheit.
Auch zum Plausch unter Gleichgesinnten bietet eine Selbsthilfewerkstatt oft Gelegenheit. Foto: dpa, dil

Auch Kfz-Meister Kai Brunnemann aus Hamburg hat auf seinen zehn Hebebühnen ein gemischtes Publikum und Autos aller Preis- und Altersklassen. "Es wird alles gemacht, vom kompletten Motorwechsel bis zum neuen Fahrwerk."

Die Werkstatt verfügt über einen Bremsenprüfstand, hat jede Woche den TÜV im Haus und hält in einem Ersatzteillager Keilriemen, Bremsbeläge oder Motoröl vor. Brunnemann ist seit 15 Jahren im Geschäft und selbst erstaunt, dass nach wie vor so viel in Eigenregie geschraubt wird.

Allerdings: Nicht alle Selbsthilfewerkstätten sind gleich gut ausgestattet und bieten denselben Service. "Die Qualität ist sehr unterschiedlich und hängt maßgeblich von der Qualifikation und dem Engagement des Betreibers ab", sagt Johannes Hübner vom Automobilclub von Deutschland (AvD).

Denn Selbsthilfewerkstätten müssen nicht zwangsläufig an einen Kfz-Betrieb angeschlossen sein. "Man muss auch keinen Meisterbrief besitzen, um so eine Werkstatt zu betreiben", erklärt Ansgar Klein vom Bundesverband Freier Kfz-Händler (BVFK).

Zudem sollte der Vermieter von Hebebühne und Werkzeug wissen, wo sein Service endet, denn sonst gerät er schnell selbst in die Haftung. Kfz-Meister Brunnemann zieht hier eine klare Grenze: "Ich stelle lediglich Werkzeug und Bühne zur Verfügung, lege aber nicht selbst Hand an." Für ihn sei wichtig, dass die Arbeitsmaterialien in einwandfreiem Zustand seien.

 Hilfe zur Selbsthilfe: Hakim Rahimi, Geschäftsführer der Autoselbsthilfewerkstatt Ahrensburg, wirft einen prüfenden Blick unter das Auto eines Kunden.
Hilfe zur Selbsthilfe: Hakim Rahimi, Geschäftsführer der Autoselbsthilfewerkstatt Ahrensburg, wirft einen prüfenden Blick unter das Auto eines Kunden. Foto: dpa, dil
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Was der Kunde aber mit seinem Auto mache, liege nicht in seiner Verantwortung. Allerdings sei er mitunter durchaus erstaunt, was sich Autobesitzer alles zutrauten. "Es gibt Kunden, die haben zwei Jahre eine Autozeitung gelesen und meinen dann, alles zu wissen und zu können."

Eine Einstellung, die teuer werden kann. Denn wer selbst an seinem Auto schraubt, ist selbst verantwortlich und wird sich im Nachhinein nicht auf den Rat des Werkstattbetreibers berufen können. "Grundsätzlich dürfte eine Selbsthilfewerkstatt in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen die Haftung weitgehend ausgeschlossen haben", sagt Eva Maria Holst, Fachanwältin für Verkehrsrecht in Hamburg.

Entstehe ein Schaden durch eine mangelhafte Bühne oder ein defektes Mietwerkzeug, hafte der Vermieter. "Baut der Nutzer aber trotz richtiger Empfehlung etwas falsch ein, kann er die Werkstatt nicht in die Verantwortung nehmen", erklärt Juristin Holst.

Gibt der Betreiber nicht nur Tipps, komme es darauf an, inwieweit die Werkstatt auch mit Tat zur Seite gestanden hat. "Liefert der Betreiber Ersatzteile, haftet er zwar für Schäden am verkauften Teil, nicht aber für Schäden, die durch einen fehlerhaften Einbau entstanden sind."

Die können durchaus gravierend sein, wenn etwa infolge einer mangelhaften Reparatur ein Unfall passiert. "Dann übernimmt die Haftpflicht zwar den Schaden am gegnerischen Fahrzeug, die Kasko aber wird nicht bezahlen", warnt ADAC-Expertin Hartung. "Wenn jemand sein Fahrzeug selbst repariert, trägt er in aller Regel auch für alle aus dieser Reparatur resultierenden Schäden selbst die Verantwortung", bringt es Holst auf den Punkt.

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sieht die Hobby-Schrauberei naturgemäß kritisch. "Fahrzeugreparaturen sollten im Sinne der Verkehrssicherheit von dafür ausgebildeten Fachleuten in Kfz-Meisterbetrieben durchgeführt werden", so ZDK-Sprecher Ulrich Köster.

Laut dem aktuellen DAT-Report lag der Do-it-yourself-Anteil bei Verschleißreparaturen im Jahr 2013 bei 14 Prozent, wobei nicht klar ist, welchen Anteil Selbsthilfewerkstätten hierbei haben. Einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Versicherung Cosmosdirekt zufolge greift bei den unter 30-Jährigen immerhin jeder Dritte selbst zum Werkzeug oder holt sich Hilfe bei Freunden.

"Selbsthilfewerkstätten sind etwas für ambitionierte Laien, die bei Reparaturen Geld sparen möchten. Speziell Arbeiten an Motor und Antrieb aber bedürfen einer entsprechenden Diagnosestruktur - hier sollte sogar abgeraten werden", betont AvD-Mann Hübner.

Auch Bremsen und Fahrwerk seien nur etwas für Fachleute. Häufig seien es aber auch Mitarbeiter aus dem Kfz-Gewerbe, Motorsportler und Oldtimer-Fans mit Sachverstand, die Mietbühnen in Anspruch nehmen. "Generell halten wir Selbsthilfewerkstätten für eine nach wie vor wichtige Ergänzung der Reparaturmöglichkeiten."

Das hört Rüdiger Etzold, Autor der Do-it-yourself-Ratgeber "So wird's gemacht" natürlich gerne. Er hat gerade seinen neuen Band über den aktuellen Golf VII fertiggestellt und ist überzeugt davon, dass man mit etwas technischem Geschick auch bei neuen Autos selbst Hand anlegen kann.

(dpa)