Kennzeichen geklaut: Was tun, wenn das Nummernschild gestohlen wird?

Tankbetrug in NRW nimmt zu : Das hilft gegen Kennzeichen-Klau

Kennzeichen sind eine heiße Ware bei Tankbetrügern und Autoschiebern. Jahr für Jahr werden in Deutschland tausende Nummernschilder gestohlen. Häufig sind sie nur eingehängt und nicht angeschraubt - das macht sie zu einer leichten Beute.

Am 19. Juli heißt es für viele Kinder: letzter Schultag, ab in den Urlaub. Pünktlich zur Reisezeit steigen allerdings auch die Spritpreise - und immer häufiger wird an der Kasse nicht bezahlt. Der Tankbetrug in NRW ist laut einer Studie drastisch angestiegen. Zur Tarnung nutzen die Täter vermehrt gestohlene Kennzeichen, das macht die Aufklärungsquote der Polizei gering. "Wenn eine Person auf einer Videoaufzeichnung gut zu erkennen ist, dann ist die Chance auf einen Fahndungserfolg trotz falscher Kennzeichen gegeben", sagt Ramon van der Maat, Sprecher der Polizei in Duisburg. "Wenn der Täter aber eine Kappe oder eine Kapuze trägt, wird es schwierig." Erst recht, wenn falsche Kennzeichen nach einer Straftat wieder durch Original-Kennzeichen ersetzt werden.

Leichtes Spiel für Kriminelle

Grundsätzlich "lässt sich ein Kennzeichen-Diebstahl nur schwer verhindern", sagt van der Maat. Nicht angeschraubte Nummernschilder sind in wenigen Sekunden vom Auto entfernt. Ein kurzer Ruck oder eine Hebelbewegung mit einem Schraubendreher und schon ist das Kennzeichen ab. Leichtes Spiel für Kriminelle, die mit geklauten Kennzeichen tanken, gestohlene Autos verschieben oder eine gültige TÜV-Plakette benötigen.

Autobesitzer können dem Kennzeichen-Klau jedoch vorbeugen. Statt das Nummernschild nur in die Halterung einzuhängen, kann es am Fahrzeug selbst festgeschraubt werden. Im besten Fall mit einer Schraube, die hinter der Front- und Heckschürze eines Autos mit einer sich selbst sichernden Mutter befestigt wird. So müssten Kriminelle - das richtige Werkzeug vorausgesetzt - unter das Auto greifen, die Mutter fixieren und die Schraube lösen. Aufwand, auf den Diebe gerne verzichten wenn es schnell und unauffällig gehen soll.

Ähnlich kompliziert wird es, wenn Schrauben verwendet werden, die nicht alltäglich sind. Sogenannte "Torxschrauben" setzen zum Beispiel einen speziellen Torx-Schraubenschlüssel voraus. Noch exotischer wird es bei "Tri-Wing" oder "Torq-Set"-Schrauben, die in der Industrie häufig als Sicherheitsschrauben eingesetzt werden. In den meisten Fällen sind Diebe jedoch nur auf gängige Schrauben wie Schlitz- oder Kreuzschrauben vorbereitet. Eine weitere Methode ist die Befestigung mit Nieten oder Klebstoff. In solchen Fällen müssten Diebe schon rohe Gewalt anwenden, um Kennzeichen zu lösen. Der Nachteil: Auch für den Autobesitzer wird es schwer seine Kennzeichen wieder zu lösen.

"Sofort Strafanzeige erstatten"

Wenn es doch zum Diebstahl kommt, sollte der Geschädigte "sofort Strafanzeige bei der Polizei erstatten", sagt Marcel Fiebig, Sprecher der Polizei in Düsseldorf. "Ein gestohlenes Kennzeichen dient in den meisten Fällen dazu, eine Straftat zu verdecken". Das reiche vom Tankbetrug bis hin zum Raubüberfall. Nicht selten werden geklaute Nummernschilder noch am selben Tag oder kurze Zeit nach dem Diebstahl missbraucht.

Für den Geschädigten gilt es, mit der Verlusterklärung, einem Personalausweis, dem HU-Bericht und der Fahrzeug-Zulassung zur Zulassungsstelle zu gehen. Dabei fallen für die Ausstellung neuer Kennzeichen bis zu 100 Euro und mehr an. Die Kosten für eine Prägung unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. Die gestohlenen Nummernschilder werden bis zu zehn Jahre gesperrt. Das heißt auch, dass Kennzeichen mit einer persönlichen Bedeutung, wie etwa den eigenen Initialen oder einem bestimmten Datum, auf Eis gelegt sind.

Die Behördengänge sollten in keinem Fall mit einem Auto ohne gültige Kennzeichen erledigt werden. Auch Behelfslösungen wie etwa ein Pappschild hinter der Scheibe sind verboten. "Das ist rein rechtlich nicht gestattet", sagt van der Maat. In vielen Fällen zeige die Polizei vor Ort jedoch das nötige Fingerspitzengefühl — vorausgesetzt der Kennzeichen-Diebstahl wurde bereits gemeldet und der Geschädigte ist auf dem Weg zur Zulassungsstelle. Besser sei es in jedem Fall, das Auto stehen zu lassen und eine andere Möglichkeit zu nutzen, um zur Zulassungsstelle zu kommen.

(sgo)