Die Legende aus Detroit: Ford Mustang - Amerikas "Pony Car" wird 50

Die Legende aus Detroit : Ford Mustang - Amerikas "Pony Car" wird 50

Der US-Sportwagen hat von Beginn an die Herzen der Autofans erobert. Längst ist er eine Legende - und lebendiger denn je.

Wer einen Ford Mustang kauft, will mehr als nur ein Auto. Er will Teil sein der Legende. Nur wenige Fahrzeuge genießen einen vergleichbaren Kultstatus. Ford Mustang, das klingt nicht nur nach sonorem Achtzylinder-Brabbeln, sondern nach Freiheit und Abenteuer, nach Coolness und einem Hauch Hollywood. Nach einem Stück des amerikanischen Traums, gepresst in gefällige Formen. Wenn man einen Amerikaner fragt, was ein Jaguar ist, würde er antworten, eine Raubkatze, heißt es. Fragt man ihn nach einem Mustang, wird er sagen: "Das ist ein Ford." Vor 50 Jahren enthüllte der Autobauer auf der Weltausstellung in New York das erste Modell. Heute wird dort die sechste Generation des Sportwagens präsentiert - die erste, die es ganz offiziell auch in Deutschland zu kaufen geben wird.

Vier Plätze, kompakte Dimensionen und ein Preis deutlich unter 2500 Dollar - so stellte sich Ford-Chef Lee Iacocca den von ihm gewünschten Sportwagen vor. Schon bei der Namensgebung bewies er ein glückliches Händchen: Mustangs heißen die Wildpferde der amerikanischen Prärie, schwer zähmbar wegen ihres Freiheitsdranges, ein Vermächtnis des Wilden Westens. Wer wollte da keinen Mustang auf der heimischen Koppel grasen haben, einen deutlich pflegeleichteren zumal?

Am 17. April 1964 rollte der erste Wagen vom Band, zu einem Grundpreis von 2372 Dollar. Rund 22 000 Stück verkaufte Ford direkt am ersten Tag, nach vier Monaten fuhren schon 100 000 Amerikaner ihren Mustang, im März 1966 war die erste Million perfekt. Der Pony Car, wie ihn die Fans liebevoll nannten, traf mitten ins Automobilisten-Herz. Obwohl er zunächst eigentlich nur ein umgemodelter Ford Falcon war - Schwamm drüber. Der Wagen passte in die Umbruchphase der 60er-Jahre, lieferte den schnittigen Gegenentwurf zu den behäbigen Straßenkreuzern der 50er. Kurz gesagt: Der Mustang war eine rollende Revolution, Flower-Power für den Highway. Ford landete damit bei einer bestimmten Generation, so wie es Apple viele Jahrzehnte später in einem anderen Segment mit dem iPhone wiederholte.

Zur Auswahl standen damals diverse Typen und Motorisierungen: Hardtop, Convertible (Cabrio) und Fastback, mit einem 2,8 Liter Sechszylinder (100 bis 120 PS) als Basis. Der Achtzylinder brachte es auf bis zu 271 PS. Wer mehr Kraft wollte, griff auf die von Rennfahrer Carroll Shelby veredelten Exemplare zurück - der Shelby GT 350 protzte mit 306 PS. Eine noch brachialere Version, einen Shelby GT 390, fuhr Steve McQueen im Thriller "Bullitt" von 1968. Danach wollte jeder einen Shelby besitzen - der Film hat dem ohnehin populären Mustang einen ordentlichen Schub gegeben. Von da an waren Hollywood-Helden, vor allem die Unangepassten, Rebellischen, Junggebliebenen im Mustang unterwegs. Genauso wie Schriftsteller im Saab, Banker im Mercedes und Bösewichte im BMW.

Trotzdem ging es in den 70ern bergab mit dem Publikumsliebling, daran änderten auch die Spitzenmodelle Mustang Grande und Mach 1 nichts. Zwar verschwand Fords Meisterstück nicht aus dem Straßenbild, aber mittelschwere Designverbrechen verhinderten größere Erfolge. So musste ab 1973 die Plattform des biederen Kompaktmodells Pinto herhalten, weil die Ölkrise zur Sparsamkeit zwang. Von 1979 bis 1993 schließlich schwankte das mal kantige, mal rundgeschliffene Design zwischen ideen- und gesichtslos, was sich auch bei der vierten Generation ab 1994 nicht wesentlich änderte. Erst mit dem 2005er Modell besann man sich bei Ford auf die ursprüngliche Formensprache und bediente sich vor allem beim beliebten 67er-Fastback-Modell. Damit war die Jagd auf Amerikas automobiles Wildpferd erneut eröffnet.

Selbstverständlich aber haben elegante Rennpferde so ihre Macken. Der günstig konstruierte Mustang war nie ein Verarbeitungswunder, dafür aber robust und alltagstauglich. Mit deutschen Hightech-Boliden hat der Amerikaner nichts gemein, er zieht den gemütlichen Ausritt vor, und gerade die älteren Gäule wollen gut gefüttert werden. Dafür fliegen dem Mustang anders als etwa Porsche oder BMW die Sympathien zu, wie ein Selbsttest im Mustang-Cabrio vor einigen Jahren ergab. Ampelnachbarn spendieren ein beifälliges Nicken, Familien gönnen sich ein Erinnerungsfoto: Papa vor Mustang, glücklich.

Was wohl auch daran liegt, dass der Mustang nach wie vor eines der begehrten amerikanischen Kulturgüter ist. Das allerdings kostet heute deutlich mehr als noch vor 50 Jahren. Während der aktuelle Mustang in den USA bei etwa 23.000 Dollar beginnt, mussten hierzulande beim Importeur etwa 30.000 bis 40.000 Euro veranschlagt werden. Ab Januar 2015 soll der Mustang über den Ford-Händler zu beziehen sein. Gut erhaltene Oldtimer liegen ebenfalls in dieser Preisklasse, obwohl sich günstigere Schnäppchen finden lassen. Die Ersatzteillage ist dank 9,2 Millionen verkaufter Exemplare ausgezeichnet. Für einen originalen Shelby GT übrigens werden oft sechsstellige Summen fällig - ganz schön teuer für ein wildes Pony.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ford Mustang feiert 50. Geburtstag auf Empire State Building

(RP)
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