Drohende Fahrverbote: Wie sich ein Euro-5-Diesel nachrüsten lässt

Drohende Fahrverbote: Wie sich ein Diesel nachrüsten lässt

Technisch ist die Reinigung von Diesel-Abgasen kein Problem. Die Hersteller sperren sich aber wegen der hohen Kosten gegen einen nachträglichen Einbau. Eine Lösung könnten Umrüst-Kits sein - wenn die Rechtslage angepasst wird.

Der Stickoxid-Ausstoß älterer Dieselfahrzeuge lässt sich mit den von den Herstellern angebotenen kostenlosen Software-Updates bei weitem nicht ausreichend senken. Deswegen wird jetzt wieder verstärkt über den nachträglichen Einbau technischer Lösungen diskutiert. Wir erklären die Details.

Beim Aufspielen neuer Software, die bei einigen Millionen Fahrzeugen in Deutschland bereits erfolgt ist, wird lediglich die elektronische Motorsteuerung und dabei insbesondere die Verbrennungstemperatur angepasst. Das Verfahren ist aber nur sehr begrenzt wirksam: Um maximal 30 Prozent lassen sich die Stickstoffemissionen auf diese Weise reduzieren.

Dabei wird zusätzliche Technik ins Auto eingebaut. Zentrales Element der neuen Abgasreinigung ist ein sogenannter SCR-Katalysator. Wenn die Abgase ihn durchströmen, wird eine Harnstofflösung (bekannt unter dem Namen AdBlue) zugeführt. AdBlue wird aus Erdgas hergestellt und ist an Tankstellen, inzwischen aber auch in Bau- und Supermärkten sowie im Internet erhältlich.

Ab 170 Grad zerfällt diese Lösung zu Ammoniak und Kohlenstoffdioxid. Das Ammoniak reagiert mit Stickoxid und Stickstoffdioxid zu unschädlichem Stickstoff und Wasserdampf. Bis zu 90 Prozent des Stickoxid-Ausstoßes können nach Messungen des ADAC an entsprechend nachgerüsteten Euro-5-Dieseln vermieden werden.

Das lässt sich pauschal nicht sagen. Für den Einbau der benötigten Bauteile muss ausreichend Platz vorhanden sein, insbesondere für den AdBlue-Tank. Das ist von Modell zu Modell verschieden.

Foto: dpa, AP
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Nach Darstellung der betroffenen Autokonzerne wäre ein Umbau von Euro-5-Dieseln auf Euro-6-Niveau bei einigen Modellen gar nicht möglich oder aber extrem aufwendig. So schätzt Mercedes die Umrüstungskosten auf bis zu 15.000 Euro. Die bisher angebotenen Software-Updates kosten dagegen nur 70 Euro.

Inzwischen haben verschiedene Zulieferer Umrüst-Kits entwickelt. Diese werden nicht in die bestehende Fahrzeugelektronik integriert, sondern arbeiten selbstständig. Ein Sensor ermittelt den Stickoxidgehalt im Abgas, ein Steuergerät berechnet daraus die Einspritzmenge der Harnstofflösung.

Vorgenommen werden kann die Umrüstung prinzipiell in jeder Fachwerkstatt, da es sich bei den meisten Teilen um Serientechnik handelt, die die Hersteller in ihren Euro-6-Dieseln einsetzen. Bei einer vom ADAC durchgeführten Testreihe lagen die Kosten bei 1400 bis 3300 Euro.

Nach derzeitiger Rechtslage müsste das Kraftfahrtbundesamt jede einzelne Umrüstung testen und genehmigen, denn mit dem Einbau der Abgasreinigungstechnik steigt der Verbrauch der Motoren um etwa fünf Prozent an.

Zudem schreibt das Gesetz vor, dass ein Wagen mit komplett leerem AdBlue-Tank nicht mehr gestartet werden kann. Wenn der Gesetzgeber keine Ausnahmen zulässt, würde eine flächendeckende Umrüstung also schon an der Bürokratie scheitern.

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(RP)
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