Verhaltenstipps: Drängeln im Stau bringt nichts

Verhaltenstipps: Drängeln im Stau bringt nichts

Düsseldorf (RPO). Mit dem Stau kommt der Frust. Manche Autofahrer versuchen, durch Fahrspurwechsel voran zu kommen und springen von einer Verkehrslücke zur nächsten. Einen Vorteil haben sie nicht davon, im Gegenteil: Der Stau wird nur länger für alle.

"Wer forsch jede Lücke nutzt, sorgt dafür, dass die Hintermänner abbremsen müssen, um ihn hinein zu lassen", erläutert AvD-Verkehrssoziologe Alfred Fuhr. So bremsen Vordrängler den Stau nur noch mehr ein. Dabei gibt es keinen nennenswerten Vorteil, egal auf welcher Fahrspur man unterwegs ist. "Im Stau ist es im Prinzip wie an der Supermarktkasse", erläutert Fuhr. "Am Ende macht es kaum einen Unterschied, in welche Schlange man sich einreiht."

Unterschiedliches Bremsverhalten zählt sogar zu den hauptsächlichen Auslösern von Staus. Das hat ein Experiment in Japan gezeigt. Forscher der Universität Nagoya ließen 22 Probanden auf einem 230 Meter langen, hindernislosen Kurs im Kreis fahren. Zielvorgabe war es, eine Geschwindigkeit von rund 30 km/h zu halten. Obwohl kein Teilnehmer einen groben Fehler beging, kam der Verkehr schnell zum Erliegen: Mehrere kleine Bremsmanöver hatten sich hochgeschaukelt und einen Stau aus dem Nichts erzeugt

Umfahren bringt oft keinen Vorteil

Auch einen angekündigten Stau zu umfahren, bringt nur selten einen Zeitgewinn. Dies lohnt sich nur bei einer Vollsperrung. Denn selbst gut ausgebaute Nebenstrecken haben meist nur ein Drittel des Fassungsvermögens einer Autobahn. Da statistisch fast jeder Zweite von der Autobahn abfährt, lässt sich schnell ausrechnen, dass auch auf der Ausweichstrecke bald nichts mehr gehen wird.

  • Fotos : Osterstau-Prognose 2010 für NRW

Wer es dennoch versuchen möchte, sollte bei einer Stauwarnung lieber ein ganzes Stück vor dem eigentlichen Hindernis die Autobahn verlassen und den Stau weiträumig umfahren, so dass er sich die Alternativroute mit möglichst wenigen "Konkurrenten" teilt. Vorteilhaft ist in jedem Falle Ortskenntnis: Denn wer sich jetzt verfährt, braucht am Ende noch länger.

Navi oft keine Hilfe

Wer sich von seinem Navigationssystem zur Stau-Umfahrung überreden lässt, kommt oft abseits der Autobahn gleich in den nächsten Engpass. Wie eine Befragung des Automobilclubs ADAC geben zahlreiche autobahnnahe Kommunen an, dass in den zurückliegenden fünf bis zehn Jahren regelmäßige Staus in den Ortsdurchfahrten zugenommen haben. In demselben Zeitraum ist die Zahl der Navis in Deutschland auf rund 20 Millionen gestiegen.

(tmn, RPO/qui)