Die Fußball-WM 2018 und das Auto - was man dazu wissen muss - Car-Bikini, Fähnchen, Autkorso

Ratgeber : Car-Bikini, Fähnchen, Autokorso - was während der WM erlaubt ist

Die Fußball-WM in Russland steht vor der Tür. Viele beginnen nun, nicht nur ihr Heim, sondern auch das eigene Auto weltmeisterlich zu schmücken. Was dabei zu beachten ist, lesen Sie hier.

Fähnchen, Spiegel-Überzieher, Finnen, Flossen, Magnete - es gibt viele Möglichkeiten, der Umgebung zu zeigen, dass man sich für die Fußball-WM interessiert. Doch nicht alle Verzierungen sind erlaubt, manche nur unter bestimmten Umständen.

Unser Überblick:

  • Autofähnchen

Bei den beliebten Fähnchen für die Fenster kommt es auf das Fahrtempo an. Ab etwa 50 km/h steigt die Gefahr, dass die Halterung abreißt. „Im Stadtverkehr gibt es in der Regel keine Probleme. Vor Fahrten auf der Landstraße oder der Autobahn sollte man die Fähnchen aber lieber abnehmen“, rät Alexandra Elhöft vom ADAC Nordrhein.

Darüber hinaus verursachen sie eine Sicherheitslücke. „Wer sich eine Fahne in die Scheibe klemmt, erleichtert Langfingern die Arbeit, denn der entstandene Spalt ist für sie eine Einladung“, sagt Rainer Camen vom Tüv Nord. Der Autoversicherer könne in einem solchen Fall die Regulierung des Schadens sogar verweigern.

Generell verboten ist es, großformatige Flaggen an einer langen Stange während der Fahrt aus dem Fenster zu halten. Entsteht durch eine solche Fahne ein Schaden oder kommt es zum Unfall, kann die Versicherung Regressansprüche an den Fahrzeughalter stellen.

  • Spiegelsocke oder „Car-Bikini“

Bei den Überziehern für die Seitenspiegel sollte man beachten, dass es mittlerweile zahlreiche Fahrzeuge gibt, an denen die Blinkleuchten im Spiegel integriert sind. Diese dürfen die Überzieher nicht verdecken.

Bei einem Test des Auto Club Europa im Jahr 2014 brachten die Spiegelsocken sogar die Fahrassistenz-Systeme zum Absturz, deren Sensoren im Spiegel verbaut sind.

  • Weiterer Autoschmuck

Neben den Klassikern gibt es noch halbtransparente Folien für die Heckscheibe oder Radkappen, Nummernschildhalter im Känder-Look oder selbst gebastelte Auf- und Anbauten. Manch einer lackiert gar sein komplettes Fahrzeug in den Landesfarben. Solange niemand gefährdet oder behindert wird, ist das erlaubt.

Rechtsanwalt Michael Burmann vom Deutschen Anwaltverein verweist in diesem Zusammenhang auf den Paragraf 30 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO). Darin heißt es: „Fahrzeuge müssen so gebaut und ausgerüstet sein, dass ihr verkehrsüblicher Betrieb niemanden schädigt oder mehr als unvermeidbar gefährdet, behindert oder belästigt.“

Im Zweifel besser mit dem geschmückten Wagen bei der Polizei oder dem Tüv vorbeifahren - oder besser vorher fragen.

  • Spritverbrauch

Fußballfans, die ihre patriotische Gesinnung mit Autofähnchen zeigen wollen, müssen mit einem erhöhten Spritverbrauch rechnen. Das ergab eine Untersuchung des britischen Wissenschaftlers Antonio Filippone vor der WM in Brasilien.

Demnach benötigt ein Durchschnittsauto mit zwei montierten Flaggen bei einer Geschwindigkeit von rund 110 km/h durch den Luftwiderstand der Flatterwimpel einen Liter mehr Kraftstoff pro Stunde.

  • WM-Autokorso

Streng genommen sind Autokorsos nicht erlaubt. „Erfahrungsgemäß drückt die Polizei während einer Fußball-WM aber ein Auge zu, wenn die Sache nicht aus dem Ruder läuft“, sagt ADAC-Expertin Elhöft. Wichtig: Auch im Autokorso gilt die Straßenverkehrsordnung. Anschnallen ist - außer bei Schrittgeschwindigkeit - ebenso Pflicht wie die Beachtung der Verkehrszeichen und Ampeln.

Keinen Spaß versteht die Polizei bei Alkohol am Steuer, und auch das Hinauslehnen aus dem Fenster oder Schiebedach ist nicht gestattet. Bei einem Unfall während eines Autokorsos haftet die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers.

Wer das Glück hat, ein WM-Ticket ergattert zu haben, könnte auf die Idee kommen, mit dem Auto nach Russland zu fahren, oder man fliegt und mietet sich vor Ort einen Wagen. Auch dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Auto mieten in Russland

Deutsche Autovermieter erlauben eine Einreise in das WM-Land nicht. Darauf weist der ADAC hin. Wer in Russland ein Kfz anmietet, sollte sich für eine Unfallsituation absichern durch:

- eine Vollkaskoversicherung für den Sachschaden am Mietwagen

- den Abschluss einer Haftpflichtversicherung mit angemessenen Deckungssummen

- den Abschluss einer Traveller-Police für den Fall nicht ausreichender Mindestversicherungssummen in der Kfz-Haftpflichtversicherung

- eine Auslandskrankenversicherung zur Abdeckung von Behandlungskosten

  • Führerschein

Pflicht ist der deutsche Führerschein gemeinsam mit dem Internationalen Führerschein oder mit einer beglaubigten russischen Übersetzung des deutschen Führerscheins.

  • Verhalten bei einem Unfall in Russland

Bei einem Unfall keine fremdsprachigen Schriftstücke unterzeichnen, deren Inhalt nicht verständlich sind, warnt der ADAC. Da die Deckungssummen der russischen Haftpflichtversicherung relativ niedrig sind, ist im Falle eines nicht selbst verschuldeten Unfalls nicht mit einer vollständigen Erstattung des Schadens zu rechnen. Um den offenen Betrag nicht selbst leisten zu müssen, lohnt sich der Abschluss einer Vollkaskoversicherung.

  • Mit dem eigenen Auto nach Russland

Bei der Anreise empfiehlt es sich, die Ukraine und Weißrussland zu meiden. Stressfreier ist laut Autmobilclub AvD die Route über die baltischen Staaten, in denen weitgehend mitteleuropäische Verhältnisse herrschen.

Wer mit dem Auto einreist, muss den ovalen „D“-Sticker auf das Heck geklebt haben – auch wenn die Herkunft bereits im EU-Kennzeichen vermerkt ist. An der Grenze wird von den Beamten die zollfreie Einfuhr des Fahrzeugs dokumentiert. Das Papier ist in Russland bei jeder Polizeikontrolle vorzuzeigen und muss bei der Ausreise vorgelegt werden. Ansonsten droht eine Zoll-Forderung.

Zusätzlich zum Führerschein müssen Autofahrer laut ADAC folgende Dokumente mit sich führen:

- die deutsche Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) zusammen mit einer beglaubigten Übersetzung in russischer Sprache oder einem internationalen Zulassungsschein

- die Grüne Versicherungskarte mit dem Eintrag der Länderbezeichnung Russland oder dem Länderkürzel "RUS"

An besonderen Regeln sollten Autofahrer in Russland beachten, dass beim Fahren immer das Abblendlicht aktiviert sein muss. Die zulässige Geschwindigkeit für Pkw und Wohnmobile mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 3,5 Tonnen beträgt laut ADAC 110 km/h auf Autobahnen, außerorts 90 km/h und innerorts 60 km/h. Die Promillegrenze beträgt 0,0.

(csr)
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