Kein Kavaliersdelikt Wie die Polizei Blinkmuffel jagt

Düsseldorf (RP/RPO). Manche lassen es aus Faulheit, andere, weil sie es nicht besser wissen: blinken. Am Donnerstag startete die Polizei in Krefeld eine Aktion gegen Blinkmuffel und setzte dabei vor allem auf Aufklärung der Autofahrer.

Die wichtigsten Fragen zum Blinken
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Foto: gms

Ein freundliches Gespräch am Straßenrand. Die Sonne strahlt, gut gelaunt unterhalten sich die beiden Passanten an der Kreuzung Dießemer Bruch und Neue Ritterstraße in Krefeld. Doch plötzlich verstummt das Gespräch, beide blicken dem silbernen Kombi nach, der gerade um die Ecke biegt. Schnell wird das gut versteckte Funkgerät gezückt.

"Ein silberner Van, zwei Personen vorne, hat nicht geblinkt", funkt einer der beiden vermeintlichen Passanten seinen Kollegen zu, die sich auf Höhe des Maria-Hilfs-Krankenhaus postiert haben. Denn das freundliche Gespräch ist nur Tarnung zweier Polizeibeamter, die in Zivil Jagd auf Blinkmuffel machen.

"In letzter Zeit brennt es uns auf den Nägeln, das Blinken zu kontrollieren, weil es immer wieder schwere Unfälle beim Abbiegen gibt", sagt Karl-Josef Klauer, Leiter der Krefelder Direktion Verkehr. Im Hintergrund zieht sein Kollege Christoph Ploß gerade den silbernen Kombi aus dem Verkehr. "Wir halten Sie an, weil sie vorne an der Ecke nicht geblinkt haben", erklärt der Polizeioberkommissar dem Fahrer.

Der ist sich jedoch keiner Schuld bewusst und erklärt, dass er den Blinker auf jeden Fall betätigt hat. Nach kurzer Rücksprache mit den beiden Polizisten in Zivil, bestätigt Christoph Poß jedoch die Beobachtung. Er schlägt dem Fahrer ein Verwarngeld von zehn Euro vor, weil der aber keine EC- oder Geldkarte bei sich hat, kommen nochmal rund 25 Euro Bearbeitungsgebühr von der Bußgeldstelle dazu.

Vor Gericht will der Zivildienstleistende, der gerade mit einem Bewohner eines Pflegeheims unterwegs war, deswegen aber nicht. "Ich finde es okay, dass ich angehalten wurde, denn das Blinken ist auf jeden Fall wichtig. Aber auch wenn ich sage, dass ich geblinkt habe, gegen die Polizei hat man sowieso keine Chance", sagt der 21-Jährige. Gratis gibt es von Polizeioberkommissar eine Broschüre zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr.

Fahrstreifenwechsel, Abbiegen und An- und Abfahren vom Fahrbahnrand sind die häufigsten Situationen, in denen Blinken Pflicht ist. Aber auch beim Verlassen eines Kreisverkehrs muss der Blinker gesetzt werden. "Es gibt viele Gründe, warum Leute nicht blinken. Manche vergessen es einfach oder konzentrieren sich gerade auf etwas anderes, aber auch Faulheit spielt eine Rolle", sagt Karl-Josef Klauer, der mit mehreren Kollegen rund drei Stunden die Aktion gegen Blinkmuffel betreute.

Jeder dritte setzt keinen Blinker

War es vor vier Jahren noch jeder vierte Autofahrer, der es mit dem Blinken nicht so genau nahm, ist es mittlerweile jeder dritte, der in Deutschland beim Fahrtrichtungswechsel keinen Blinker setzt und damit gegen Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) verstößt.

Das jüngere Untersuchungsergebnis hat der Auto Club Europa auf Grundlage einer bundesweiten Verkehrszählung ermittelt, in die rund 400.000 Fahrzeuge einbezogen waren. An insgesamt 700 Kreuzungen, Kreiseln, abknickenden Vorfahrtstraßen und Autobahnauffahrten hat der Club 394.038 Kraftfahrzeuge und deren Fahrer gezählt.

127.472 (32,35 Prozent) davon begingen wegen unterlassener Betätigung des Fahrtrichtungsanzeigers einen Regelverstoß. Auch der ACE sieht darin "Zeichen einer schleichenden Disziplinlosigkeit" im Straßenverkehr. "Wer aus Faulheit, Vergesslichkeit oder schlichter Unwissenheit ständig eine kleine aber gleichwohl wichtige Regel missachtet, ist in gewisser Weise auch anfälliger für Verkehrsverstöße anderer Art", sagt ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner.

Nach seinen Angaben passieren jedes Jahr rund 67.000 Unfälle mit Personenschaden in Bereichen, in denen geblinkt werden muss. "Eine Vielzahl dieser Unfälle könnte vermieden werden, wenn der Blinker vorschriftsmäßig betätigt werden würde."

Nach Ansicht der ACE-Verkehrssicherheitsexperten sollten Blinkmuffel aber nicht gleich mit Verwarnungsgeldern überzogen, sonder durch Einsicht überzeugt werden. Besonders ärgerlich aus Sicht des ACE ist die nur mangelhaft ausgeübte Vorbildfunktion der Polizei. Beobachtungen während der Verkehrszählung zeigten, dass Streifenwagenbesatzungen beim Blinken nur selten mit gutem Beispiel vorausfahren. "In den Reihen der Verkehrspolizei tummeln sich Blinkmuffel derzeit offenbar genauso ungeniert wie anderswo", heißt es in dem ACE-Bericht.

Blinkmuffel haften nach Unfall

Nach Auskunft der Abteilung Verkehrsrecht beim ACE werden Blinkmuffel nach einem Unfall mindestens in Mithaftung genommen.

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