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Autofahrer stöhnen, Konzerne freuen sich: Wer verdient an den Rekord-Benzinpreisen?

Autofahrer stöhnen, Konzerne freuen sich : Wer verdient an den Rekord-Benzinpreisen?

Deutschlands Autofahrer ächzen unter den Rekord-Preisen an den Zapfsäulen. Das vergangene Wochenende war das teuerste aller Zeiten. Und auch zu Wochenbeginn sind die Preise nicht nenneswert gesunken. Wer profitiert von dem Höhenflug?

Es sind die Öl-Multis. Auf die Frage, wer den höchsten Profit bei den aktuellen Rekord-Spritpreisen erzielt, sind sich die meisten Autofahrer weitestgehend einig. Ob Shell, Aral oder die anderen marktbeherrschenden Ölkonzerne, sie kassieren den Löwenanteil am Liter Kraftstoff. Doch stimmt das wirklich?

Fakt ist: Benzin und Diesel verharren auch zu Wochenbeginn auf Rekordniveau. Nach den Höchstwerten vom Wochenende müssen Autofahrer in Deutschland weiterhin tief in die Tasche greifen. Am Montag waren für den Liter Super E10 im bundesweiten Durchschnitt 1,691 Euro fällig, wie der ADAC am Dienstag erklärte.

Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen? Folgende Aufschlüsselung geht vom Durchschnittspreis im Juli von rund 1,62 Euro/Liter aus, der im Juli errechnet worden war (die Durchschnittspreise für August hat das statistische Bundesamt noch nicht veröffentlicht):

Produkteinstandspreis
Einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung der Spritpreise leisten die Produktpreise, die auf den "Spotmärkten" gehandelt werden. Der für Europa wichtigste Spotmarkt ist der Rotterdamer Hafen. Hier werden Rohöl, Benzin, Diesel und Heizöl gehandelt. Über einen Rohölpreis können sich vor allem die Besitzer des Rohöls freuen, die somit eine wertvollere Ware zu verkaufen haben. Für Deutschland sind das an erster Stelle Russland, das mehr als ein Drittel des Rohöls liefert, aber auch die Öllieferanten aus Großbritannien, Norwegen und Kasachstan.
Anteil: Nach Angaben des Branchenverbandes MWV betrug er im Juli 59,77 Cent/Liter.
Profiteur: Als integriertes Unternehmen kassieren hier die großen Ölkonzerne, beispielsweise Shell oder BP.

Deckunsbeitrag
Er enthält die Kosten der Konzerne vor allem für den Transport, die Lagerhaltung, die gesetzlich vorgeschriebene Bevorratung der 90-tägigen Treibstoffreserve, Verwaltung, Vertrieb und seit Januar 2007 für die Bio-Beimischung.
Anteil: Der MWV beziffert die Deckungskosten im Juli auf 11,37 Cent je Liter.
Profiteur: Die Ölkonzerne. In der Summe ist auch der Gewinn der Konzerne enthalten.

Energiesteuer
Früher hieß sie Mineralölsteuer. In der Energiesteuer ist seit 1999 auch die Ökosteuer enthalten. Die Höhe der Energiesteuer unterscheidet sich nach Treibstoffart. Sie wird nicht nach Menge bemessen, sondern pro Liter berechnet.
Anteil:
Für Benzin beträgt sie 65,45 Cent pro Liter. Für Diesel liegt sie bei 47,04 Cent.
Profiteur: Die Einnahmen der Energiesteuer fließen in die Staatskasse.

Mehrwertsteuer
Die Mehrwertsteuer von 19 Prozent wird auf den Warenendpreis (inklusive Energiesteuerbelastung) erhoben. Genau genommen verdient der Fiskus an den hohen Benzinpreisen doppelt mit. Neben der Mehrwertsteuer, die auf den verkauften Liter erhoben wird, wird auch der fixe Betrag der Energiesteuer, der keinen Schwankungen unterliegt, noch einmal mit der Mehrwertsteuer belegt.
Anteil: Der Mehrwertsteueranteil lag im Juli bei 25,95 Cent/Liter.
Profiteur:
Die Einnahmen der Energiesteuer fließen in die Staatskasse.

Fazit: Der Steueranteil am Benzinpreis beträgt knapp 60 Prozent. An den Juli-Preisen von 1,62 Euro hat der deutsche Fiskus 91,40 Cent verdient. Gut 40 Prozent fließen der Mineralölwirtschaft und den Ölkonzernen zu: zur Kostendeckung und als Gewinn.

Allerdings rechnet der MWV so: Nach Abzug aller Kosten und Deckungsbeiträge rechnen die Ölkonzerne mit einer Marge, die Differenz von An- und Verkaufspreis, von einem Cent pro Liter.

Hier geht es zur Infostrecke: 2012: Was treibt den Spritpreis nach oben?

(nbe)