Unsicher am Auto-Steuer So lässt sich die Fahrkompetenz auffrischen

Bad Nenndorf · Für Autofahrer, die länger nicht mehr am Steuer gesessen haben, kann es sinnvoll sein, einen Kursus zu besuchen. Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände erklärt, was Betroffene tun können.

 Für ältere Menschen gibt es spezielle Fahrkurse, um die eigenen Fahrkenntnisse zu testen.

Für ältere Menschen gibt es spezielle Fahrkurse, um die eigenen Fahrkenntnisse zu testen.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Für ältere Menschen gibt es schon spezielle Fahrkurse, um die eigenen Fahrkenntnisse noch einmal zu testen. Und auch unabhängig vom Alter gilt: Jeder, der sich beim Autofahren unsicher fühlt oder lange nicht mehr gefahren ist, kann von Auffrischungsfahrkursen profitieren. „Wir machen das auf freiwilliger Basis und vor allen Dingen, um die Mobilität zu erhalten“, sagt Kurt Bartels, Vize-Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Im Interview verrät er, für wen sich Auffrischungskurse lohnen, wie diese ablaufen und ob man am Ende eine Prüfung ablegen muss.

Was beinhaltet ein Auffrischungskurs, und für wen eignet sich so etwas?

KURT BARTELS Fahrschulen bieten solche Auffrischungskurse an. Es gibt Kurse für Senioren, so was wie Feedback-Fahrten, um die Mobilität zu erhalten oder für Menschen, die lange nicht mehr Auto gefahren sind und jetzt wieder einsteigen. Dann kann man in eine Fahrschule gehen und sich mit dem Kurs wieder auf die individuelle Mobilität vorbereiten. Die wichtigste Zielgruppe sind Senioren oder Menschen, die viele Jahre oder manchmal sogar Jahrzehnte nicht mehr Auto gefahren sind. Für die ist es ratsam, sich mit einer Fahrschule in Verbindung zu setzen und lebensnah im Realverkehr auszuprobieren, um sich auf die Besonderheiten des Stadtverkehrs vorzubereiten. Es ist zudem empfehlenswert für Menschen, die den Führerschein gemacht haben, auch fahren, aber sich nicht trauen, auf die Autobahn zu fahren. Außerdem gibt es solche Kurse nicht nur für Autos, sondern auch für Motorräder.

                       Kurt Bartels ist Vize-Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

Kurt Bartels ist Vize-Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände.

Foto: dpa/---

Wo kann man diese Kurse durchführen und wie viel kostet es?

BARTELS Das kann man im Grunde bei jeder Fahrschule machen. Es gibt Regionen, in denen sich Fahrschulen auf solche Zielgruppen intensiver vorbereitet haben, wie zum Beispiel in Niedersachsen. Dort gibt es ein Programm zusammen mit der Landesverkehrswacht, wo die Menschen zunächst mit einem Vortrag vorbereitet werden. Dann gibt es die Möglichkeit, Feedback-Fahrten zu machen. Aufgrund dieser Fahrt wird geschaut, wie viele Fahrstunden notwendig sind. Aber diese Konzeptionen sind in Deutschland nicht festgelegt, weil das alles auf Freiwilligkeit basiert. Generell sind Fahrstunden eine Dienstleistung. Und diese Dienstleistung der Fahrstunde unterliegt einem bestimmten Preis. Eine Fahrstunde à 45 Minuten liegt heute bundesweit zwischen 55 und 75 Euro.

Wie läuft so ein Kurs ab und welche Folgen hat ein Auffrischungskurs?

BARTELS Da gibt es keine Vorgaben und es ist unterschiedlich. Was man empfehlen kann, ist, sich an eine Fahrschule zu wenden und eine Fahrstunde zu machen. Dann kann man gemeinsam entscheiden, wie intensiv so ein Auffrischungskurs sein sollte und wie lange er dauern wird. Das kann individuell sehr abweichen. Dabei wird meistens erst das Fahrschulfahrzeug genommen, damit der Fahrlehrer jederzeit eingreifen kann. Wenn man fit genug ist, steigt man auf das eigene Auto um. Bei solchen Kursen werden keine Behörden eingeschaltet. Dadurch ist auch ein gewisses Vertrauensverhältnis da. Anstatt einer Prüfung am Ende des Kurses wird eine persönliche Einschätzung gegeben, was auch eine vertrauliche Angelegenheit zwischen beiden Teilnehmenden ist. Bei den Auffrischungskursen könnte dann der Fahrlehrer zum Beispiel sagen, dass er es nicht empfehlen würde. Es hat aber keinen rechtlichen Einfluss. Denn ein Fahrlehrer hat keine Befugnis, ein Gutachten zu erstellen. Sie können aber sicher eine Momentaufnahme geben und dann eine Empfehlung aussprechen, wie zum Beispiel: Wenn du im ländlichen Bereich wohnst und dann in die Großstadt willst, würde ich empfehlen, nicht mit dem Auto zu fahren. Oder: Du musst nicht unbedingt nachts fahren und auch nicht dann, wenn die Straßen voll sind wegen des Berufsverkehrs.

(dpa)