Horror-Fahrt in den USA: Toyota-Drama nur ein Schwindel?

Horror-Fahrt in den USA: Toyota-Drama nur ein Schwindel?

Washington (RP). Die dramatische Szene hielt die Amerikaner in Atem: Hilflos rast James Sikes in seinem außer Kontrolle geratenen Toyota Prius auf einem Highway bei San Diego dahin, ehe sich ein Polizist ein Herz fasst, seinen Streifenwagen wie einen Prellbock vor den Prius setzt und selbigen schließlich zum Stehen bringt. Es kann sein, dass sich Sikes bald vor einem Richter verantworten muss. Wegen Schwindels.

Die Pannenserie um die Marke Toyota war damit um ein aufregendes Kapitel reicher, der Immobilienmakler Sikes ein berühmter Mann. Was sich am 8. März auf der Interstate 8 im Süden Kaliforniens abspielte, schien das Schicksal des japanischen Autoriesen zu besiegeln. Mit aller Kraft will Sikes auf die Bremse getreten haben, ohne das Tempo, 150 km/h, auch nur im Geringsten drosseln zu können. Das Gaspedal klemme, er wisse nicht weiter, alarmierte er die Notrufzentrale. Kaum ein US-Fernsehsender, der das Drama nicht an der Spitze seiner Abendnachrichten ausgestrahlt hätte.

Es kann sein, dass sich Sikes bald vor einem Richter verantworten muss. Wegen Schwindels. Als Erstes kam heraus, dass die Geschichte vom Husarenstück des tapferen Polizisten ausgeschmückt war. In Wahrheit hatte der Ordnungshüter dem Fahrer über Megafon zugerufen, er solle zugleich auf Bremse und Gaspedal treten, um seinen Wagen zu stoppen ­ was funktionierte. Dann verwiesen Toyota-Ingenieure, die den Prius unter die Lupe nahmen, auch den Rest der Story ins Reich der Legende. Sikes habe die Bremse betätigt, aber nur leicht, um gleich wieder Gas zu geben, erklärte Toyota-Sprecher Mike Michels. 250 Mal habe er dies in schnellem Wechsel getan.

Stimmt die Version Toyotas, dann kann es so etwas wie der Beginn einer Gegenattacke sein. Zwischenzeitlich zur Nummer eins auf dem amerikanischen Automarkt aufgestiegen, hat der Branchenprimus seit Januar heftige Prügel bezogen. Ende Februar war Konzernchef Akio Toyoda persönlich vor dem US-Kongress in den Zeugenstand getreten, um die Verantwortung für Sicherheitspannen zu übernehmen, die zum Rückruf von weltweit über acht Millionen Fahrzeugen führten.

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Während Ford die Spitze übernahm und auch General Motors (GM) zulegte, fiel der Marktanteil Toyotas auf knapp 13 Prozent, den niedrigsten Wert seit fünf Jahren. Eine Klagewelle rollt, allein im Februar meldeten sich rund 1800 Amerikaner bei der Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA, um gravierende Probleme zu melden. Ray LaHood, Barack Obamas Verkehrsminister fordert weit reichende Untersuchungen.

Kein Wunder, dass sich die Japaner überaus intensiv für die Schwachstellen der Geschichte des James Sikes interessieren. 2008 meldete der heute 61-Jährige, durch den Crash am Immobilienmarkt finanziell arg lädiert, die Insolvenz an. Mit insgesamt 700.000 Dollar stand er in der Kreide. Für den taubenblauen Prius, den er auf Pump gekauft hatte, schuldete er der Hausbank Toyotas noch stattliche 19.000 Dollar. Dass James Sikes das Drama auf der Autobahn nur vorgetäuscht hat, um anschließend Reibach zu machen, weist der Grauschopf inzwischen zurück. Gegen Toyota klagen, sagt er, das wollte er nie.

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(RP)