SUV: Es gibt nicht einen vernünftigen Grund

SUV überrollen den Markt: Es gibt nicht einen vernünftigen Grund

Sie ähneln Geländewagen, obwohl sie überwiegend in der Großstadt gefahren werden: die sogenannten Sport Utility Vehicle, kurz: SUV. Die Nachfrage lässt die Kassen der Konzerne klingen, Umweltschützer sind hingegen entsetzt.

Eigentlich gibt es keinen vernünftigen Grund, einen SUV zu kaufen: Sie verbrauchen in der Regel mehr Sprit als herkömmliche Pkw, sind gleichzeitig oft teurer und noch dazu kommt man nur schlecht in Parklücken.

Trotzdem steigen die Verkaufszahlen seit Jahren so rasant, dass die Hersteller eine neue Variante nach der anderen auf den Markt bringen. Denn obwohl es so viele gute Gründe gegen einen SUV, eine Mischung aus Straßenfahrzeug und Geländewagen, gibt, ist es Audi, BMW und Co. gelungen, bei immer mehr Menschen den Wunsch nach einem Fahrzeug zu wecken, bei dem der Name Kraftfahrzeug angesichts der PS-Zahlen noch mal eine ganz neue Bedeutung bekommt.

Wachstum oberhalb von 20 Prozent

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland erstmals mehr SUV und Geländewagen zugelassen als Fahrzeuge der Kompaktklasse, zu der beispielsweise auch der Golf zählt. Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes war knapp jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug ein SUV oder Geländewagen (23,8 Prozent). Auf die Kompaktklasse entfielen 23,3 Prozent aller neuen Autos. "Die deutschen Autofahrer haben sich in SUV 'verliebt'", sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen zuletzt. Die Zahl der angebotenen Modelle sei auf 101 gestiegen.

"Wo ein Q ist, ist auch ein Weg", behauptet Audi über seinen SUV Q5. Die andere Volkswagen-Tochter, Skoda, freut sich derweil darüber, dass die beiden neuen SUVs Kodiaq und Karoq zu den bedeutendsten Wachstumstreibern gehören. Und sogar beim vergleichsweise preiswerten koreanischen Anbieter Kia war das meistverkaufte Auto in Deutschland im vergangenen Jahr mit knapp 15.000 Stück der Kompakt-SUV Sportage. Zuletzt brachte selbst der Sportwagen-Hersteller Lamborghini einen SUV auf den Markt.

Immer neue Modelle

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Auch bei der Detroit Motorshow dominierten in den vergangenen Tagen die großen Gefährte: Daimler zeigte den Geländewagen G-Klasse, mit dem er am anhaltenden SUV-Boom in den USA partizipieren will. Bei der Vorstellung posierte Daimler-Chef Dieter Zetsche dann auch stilecht mit Cowboyhut mit Schauspieler Arnold Schwarzenegger. Und BMW enthüllte mit dem X2 eine Weiterentwicklung seiner SUV-Reihe im unteren Segment.

Die Varianten sollen unterschiedliche Käuferschichten ansprechen, nicht nur vom Geldbeutel her - denn die wuchtigen Fahrzeuge stoßen geschlechterübergreifend auf Begeisterung.

Theoretisch müssten die Hersteller eigentlich eher kleinere, spritsparendere Modelle auf den Markt bringen, um die ab 2021 geltenden strengeren Abgasvorschriften in der Europäischen Union einzuhalten - doch bei denen ist die Gewinnspanne nicht so groß wie bei SUV. Daimler-Chef Zetsche warnte daher zuletzt schon mal vorsorglich, dass man die Grenzwerte möglicherweise nicht werde einhalten können, auch wenn dann hohe Strafen fällig werden könnten.

Es drohen hohe Strafen

2016 hatte Mercedes erstmals seit 2007 die CO2-Emissionen nicht mehr senken können und stagnierte bei 123 Gramm. Hauptgrund: die hohe Nachfrage nach SUVs. "Der Kunde wird entscheiden, wie sich der Markt entwickelt - er ist die große Unbekannte", machte Zetsche deutlich, dass am Ende die Kunden entscheiden würden, ob sie ein klimafreundliches Elektroauto kaufen oder nicht.

Allerdings weisen Kritiker darauf hin, dass die Hersteller kaum E-Autos im Angebot haben, SUVs aber schon. Der Chef der Deutschen Unwelthilfe, Jürgen Resch, brachte daher mal eine Straf-Steuer für die Spritschlucker ins Gespräch: "In Skandinavien wird mitunter ein teilweise hoher fünfstelliger Betrag fällig, wenn man einen durstigen Diesel-SUV zulassen will. Andersherum gibt es staatliche Prämien für den, der ein E-Auto zulässt." Das solle es auch in Deutschland geben.

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(frin)
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