Beschwerden über "schlafende Baustellen": Ramsauers Appell: Autofahrer, bitte meldet euch!

Beschwerden über "schlafende Baustellen" : Ramsauers Appell: Autofahrer, bitte meldet euch!

Düsseldorf (RPO). Unbesetzte Baustellen auf Autobahnen sind ein Ärgernis für die Autofahrer. Ab sofort können sich Bürger gegen sogenannte "schlafende" Baustellen zur Wehr setzen und ihre Beschwerde direkt an das Bundesverkehrsministerium richten. Das Projekt hat zumindest eine enorme Außenwirkung. Ob es Abhilfe schafft, bleibt fraglich. Eine Analyse.

Eine Mail genügt, und schon ist die Beschwerde im Postfach des Bundesverkehrsministeriums (BMVBS). Deutschlands Autofahrer haben ab sofort die Möglichkeit, per Mausklick "schlafende" Baustellen zu melden. Die Beschwerde können sie über ein Kontaktformular auf der Homepage des BMVBS direkt an Peter Ramsauers (CSU) Ressort richten.

Auf diese Weise sollen Baustellen von wachsamen Bürgern identifiziert werden, an denen trotz ordentlicher Bedingungen nicht oder nur schleppend gearbeitet wird. Was mit eintreffenden Beschwerden in der Folge geschieht und wofür sie verwendet werden, wird nicht verraten. Ziel ist es jedenfalls, durch Verbesserungen des Baumanagements Bauzeiten zu verkürzen und so unter anderem unnötige Verkehrsbehinderungen zu vermeiden.

"Bitte sofort melden"

Es stellt sich jedoch die Frage, warum das Bundesverkehrsministerium die Hilfe der Autofahrer überhaupt benötigt, um unbesetzte Baustellen aufzudecken. Zwar werden die Bauarbeiten auf den Autobahnen und Bundesstraßen von den Bundesländern durchgeführt, Ramsauers Amt aber genießt die Auftragshoheit.

Ramsauers Appell am Mittwoch in der "Bild"-Zeitung war eindringlich: "Bei Tageslicht muss gearbeitet werden, auch am Wochenende. Baustellen, wo kein Mensch arbeitet: Bitte sofort melden." Doch es dürfte weniger der mangelnde Überblick des Ministeriums über die Baustellen-Situation sein, die ihn dazu getrieben hat. Es wirkt vielmehr wie eine gut durchdachte Strategie, um Punkte auf der Sympathie-Skala der autofahrenden Bürger zu sammeln. Schließlich treibt der CSU-Politiker sein äußerst unpopuläres Prestigeprojekt Pkw-Maut mit aller Macht voran.

Da schadet es sicherlich nicht, wenn dem genervten Autofahrer in Zeiten hoher Spritpreise, kilometerlanger Staus und maroder Schnellstraßen ein Ventil zum Frustabbau geboten wird: Der Ärger über arbeitslose Baustellen kann fortan direkt bei Ramsauer abgeladen werden. Und der Bundesverkehrsminister freut sich über "Ihren Hinweis" - so steht es auf der BMVBS-Homepage. Bleibt zu hoffen, dass das Ministerium ausreichend Fachkräfte eingestellt hat, um den drohenden Mail-Ansturm zu bewältigen.

Hier geht es zur Infostrecke: Richtiges Verhalten bei Fahrbahnverengungen

(rpo)
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