Pflicht durch die Hintertür?: Radfahrer empört über Helm-Urteil

Pflicht durch die Hintertür? : Radfahrer empört über Helm-Urteil

Gegner einer Helmpflicht für Radfahrer laufen Sturm gegen ein Urteil des Schleswiger Oberlandesgerichts, das die Pflicht indirekt fordert. Die Richter hatten einer ohne Kopfschutz fahrenden Frau, die durch das unachtsame Öffnen einer Autotür zu Fall gebracht und schwer am Kopf verletzt worden war, eine Teilschuld zugewiesen.

"Das ist nicht in Ordnung und darf auch nicht so stehen bleiben", sagte Ulrich Syberg, der Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Das Urteil wälze eine Teilschuld auf eine schwächere Verkehrsteilnehmerin ab, obwohl diese sich nicht falsch verhalten habe. Die verletzte Radlerin sei ADFC-Mitglied geworden. Ihr neuer Club werde sie nun dabei unterstützen, das Urteil durch eine Revision beim Bundesgerichtshof aufheben zu lassen.

Die Schleswiger Richter hatten einen Mitschuldensanteil von 20 Prozent festgelegt, weil die Radfahrerin keinen Helm getragen und damit Schutzmaßnahmen unterlassen habe, obwohl "ein verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens beim Radfahren einen Helm tragen wird", wie die Richter begründeten.

Dann seien 90 Prozent der Radfahrer keine verständigen Menschen, kritisierte Syberg. Er wies zudem auf einen Widerspruch in der Urteilsbegründung hin. Denn zugleich hatten die Richter erläutert, dass auch ein Helm den Schaden nicht verhindert, sondern nur verringert hätte.

Der ADFC wehrt sich gegen die Einführung einer Helmpflicht durch die Hintertür. Studien aus anderen Ländern belegten, dass eine Helmpflicht viele Menschen vom Radfahren abbringe und es für die verbliebenen Radler noch gefährlicher werde. Das Bundesverkehrsministerium sieht in dem Urteil einen "weiteren Anreiz" für Radler, mit Helm zu fahren, bleibt aber ebenfalls wie der Verkehrssicherheitsrat bei seiner Linie, ausschließlich auf ein freiwilliges Helmtragen zu setzen.

(may-)