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Ex-Verkehrsminister Kurt Bodewig im Interview: "Promillegrenze von 1,6 für Radler nicht zeitgemäß"

Ex-Verkehrsminister Kurt Bodewig im Interview : "Promillegrenze von 1,6 für Radler nicht zeitgemäß"

Warum sollte die erlaubte Promillegrenze für Fahrradfahrer von zurzeit 1,6 auf nur noch 1,1 gesenkt werden?

Warum sollte die erlaubte Promillegrenze für Fahrradfahrer von zurzeit 1,6 auf nur noch 1,1 gesenkt werden?

Bodewig Die Zahl der alkoholisierten Fahrradfahrer, die durch einen Verkehrsunfall zu Schaden gekommen sind, hat erheblich zugenommen. Der Grenzwert von 1,6 Promille für Radler ist viel zu hoch, er ist über 20 Jahre alt und wird der heutigen Verkehrssituation nicht mehr gerecht.

Warum sind betrunkene Radfahrer besonders gefährdet im Verkehr?

Bodewig Viele Menschen, die sich nüchtern vernünftig verhalten, werden durch Alkohol leichtsinnig, überschätzen sich selbst und nehmen Verkehrssituationen falsch wahr. Ab 0,3 Promille werden Entfernung und Geschwindigkeit eines herannahenden Pkw falsch eingeschätzt, ab 0,5 Promille vermindert sich die Sehleistung, ab 0,8 Promille verdoppelt sich die Reaktionszeit, es kommt zum Tunnelblick, der Radler blendet somit einen vorhandenen Pkw völlig aus. Ab 1,1 Promille nimmt die Risikobereitschaft zu und das Bedeutendste: Ab ein Promille setzt der Kontrollverlust über das eigene Trinkverhalten ein.

Welche Strafe bei Überschreitung der Promillegrenze empfehlen Sie?

Bodewig Bei 1,6 Promille liegt eine Straftat vor, da es keine vorgeschaltete Ordnungswidrigkeit für Radfahrer gibt. Die Jahreshauptversammlung der Deutschen Verkehrswacht hat sich schon 2012 für die 1,1-Promille-Grenze für Radfahrer ausgesprochen und dafür, dass der Gesetzgeber einen Ordnungswidrigkeitstatbestand einführt, der das alkoholisierte Fahren eines Fahrrades ab einem medizinisch zu begründenden Blutalkoholgehalt verbietet.

Wie können sich Radfahrer vor Unfällen generell besser schützen?

Bodewig Allgemein gilt, dass auch Radfahrer sich an Vorschriften halten sollen. Oft stimmt das Zusammenspiel mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht. Nur ein Miteinander von Pkw- und Radfahrern, das geprägt ist von gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme, kann das Unfallrisiko senken.

B. MARSCHALL STELLTE DIE FRAGEN.

(mar)