Pressestimmen zum ADAC-Skandal: "Wut auf den gelben Giganten"

Mitarbeiter empört und fassungslos : Der verzweifelte Kampf des ADAC um Vertrauen

Am Montag lud die ADAC-Spitze kurzfristig ihre Mitarbeiter in München zur Versammlung ein. Die Stimmung dort: "Sehr, sehr schlecht", es habe Empörung und Fassungslosigkeit gegeben.

So ungeschönt beschrieb Geschäftsführer Karl Obermair die Lage in Europas größtem Autoclub. Im Manipulationsskandal setzt der ADAC nun alles darauf, den Vertrauensschaden möglichst klein zu halten — doch schon gibt es neue Vorwürfe von CSU-Chef Horst Seehofer.

In den vergangenen Jahren kannte der inzwischen zum Milliarden-Unternehmen gewachsene ADAC nur einen Weg, nämlich den mit voller Kraft voraus. Zu sehen ist dies an der erst vor zwei Jahren eingeweihten 320-Millionen-Euro teuren Zentrale, die die schmuddelige Hansastraße mit dem Münchner Straßenstrich deutlich aufgewertet hat. Doch wo sonst viele Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber schwärmen, gab es am Montag viele betretene Gesichter. Der Satz "Ich habe Scheiße gebaut und die Zahlen geschönt" vom zurückgetretenen ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter in der "Süddeutschen Zeitung" zerstörte die heile Welt.

Geschäftsführer Obermair sprach davon, dass der ADAC als eine der vertrauenswürdigsten und seriösesten Institutionen gegolten habe. "Dieser Ruf ist mit Sicherheit angeschlagen." Lückenlos wolle er nun alles nach innen wie nach außen aufarbeiten. "Es gibt keinerlei Rechtfertigung, dass so etwas passieren kann," sagte Obermair. Einen eigenen Rücktritt lehnte er aber ab. Dabei machte der Geschäftsführer die Blamage noch größer, weil er bei der feierlichen Verleihung des Gelben Engel die Informationen der "SZ" zu Manipulationen noch vollmundig als "Unterstellungen" abgetan hatte. Am Wochenende entschuldigte er sich kleinlaut bei der Zeitung.

Für Obermair liegt der schwarze Peter einzig und alleine bei seinem ehemaligen Pressechef Ramstetter. Die mit einer Verzehnfachung der Teilnehmerzahlen geschönte Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen sei unter den vielen Tests des ADAC eine Ausnahme, weil die Zahlen der Wahl alleine in der Redaktion der Mitgliederzeitschrift auflaufen. In allen anderen Fällen kämen die Daten von Tests aus den Fachabteilungen und würden mehrfach kontrolliert. Doch selbst nach der kritischen Berichterstattung hatte der ADAC geschrieben, dass das Lieblingsauto "in einem manipulationssicheren Verfahren" ermittelt worden sei. Wie glaubwürdig sind da nun die Beteuerungen des Geschäftsführers, dass in allen anderen Tests alles richtig läuft?

Seehofer von Skandal "nicht überrascht"

CSU-Chef Seehofer nährte jedenfalls weitere Zweifel an dem als einer der größten Lobbyisten im Verkehrsbereich auftretenden ADAC. Er sei "nicht überrascht" von dem Skandal, sagte Seehofer. Indirekt warf er dem Automobilclub dabei vor, für seine Kampagne gegen die von der CSU geforderte Pkw-Maut die Zahlen manipuliert zu haben. "Wir haben immer andere Zahlen gehabt," sagte Seehofer.

Die Kritik Seehofers gibt dem Skandal eine andere Dimension. Denn bei der Preisverleihung soll zumindest die Reihenfolge der beliebtesten Autos nicht gefälscht worden sein — die geschönten Teilnehmerzahlen der Wahl hätten demnach vor allem dazu gedient, die Wahl wichtiger zu machen als sie ist. Doch Seehofer kratzt nun an dem Einfluss eines Vereins, der sich als die wichtigste Stimme der deutschen Autofahrer ausgibt und ganz selbstverständlich Kontakt zu Spitzenpolitikern pflegt.

Mit einer Offensivverteidigung kündigte der ADAC nun die totale Transparenz an. Tatsächlich machten sich die Verantwortlichen unmittelbar aber auch auf die Suche nach Maulwürfen im Verein. Es gebe "sehr konkrete" Hinweise darauf, dass aktuelle und ehemalige Mitarbeiter die Manipulations-Informationen durchgereicht hätten, sagte Obermair.

Statt sich vertrauensvoll an den erst seit Sommer letzten Jahres amtierenden Geschäftsführer zu wenden, gingen diese also lieber zu einer Zeitung. Auch das spricht dafür, dass beim bislang so strahlenden ADAC einiges im Argen liegt. Der seit 2001 amtierende ADAC-Präsident Peter Meyer ist derweil sogar vollends auf Tauchstation gegangen — derzeit seien alle Interviews abgesagt, sagte eine ADAC-Sprecherin.

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(AFP)