"Verbraucherfeindliche Mogelpackung": Öko-Label benachteiligt Fahrer von Kleinwagen

"Verbraucherfeindliche Mogelpackung" : Öko-Label benachteiligt Fahrer von Kleinwagen

Düsseldorf (RPO). Der Bundesrat hat am Freitag über eine Gesetzesverordnung abgestimmt, die eine Energieverbrauchskennzeichnung für Autos vorsieht. Der Länderausschuss will das derzeitige Modell aber nachgebessert sehen. So sollte der Energieverbrauch von Autos nicht allein auf die Masse des Fahrzeugs bezogen werden. Denn genau dies sah das am Freitag diskutierte Gesetz vor.

Sonst könnten schwere Geländewagen unter Umständen in einer besseren CO2-Effizienzklasse landen als Kleinwagen. Nach einer Erprobungsphase von drei Jahren müssten daher weitere Kriterien geprüft werden.

Wie mittlerweile bei Elektrogeräten üblich, könnten Autokäufer durch das sogenannte "Kühlschrank-Prinzip" auf einen Blick erkennen, wie klimafreundlich das neue Auto ist. Ein grünes Label deutet auf ein umweltfreundliches Fahrzeug hin, rot signalisiert dem Käufer das Gegenteil.

Noch vor wenigen Jahren war der ökologisch orientierte Autokauf eine simple Angelegenheit: Wurde der Autohändler nach den Emissionen des Wunschfahrzeugs befragt, war meistens klar, dass kleinere Modelle spritsparender sind und somit auch weniger CO2 ausstoßen als die schwergewichtigen Autos. Die Zeiten haben sich geändert. Bald könnten Ökolabel anzeigen, welches Modell besser für die Umwelt ist.

"Mogelpackung"

Die derzeit diskutierte Gesetzesverordnung möchte der Bundesrat allerdings nachgebessert sehen. Das aktuelle Modell ist in der Praxis eine "verbraucherfeindliche Mogelpackung", wie der Verkehrsclub Deutschland VCD kritisiert. Ein Luxusmodell wie der Audi Q7 mit einem Gewicht von fast 2400 Kilogramm erhält nach dieser Regelung eine bessere Bewertung als die Stadtflitzer Smart oder ein Toyota Aygo, die nur 805 bzw. 905 Kilo auf die Waage bringen. "Die Sinnhaftigkeit dieser Regelung muss bezweifelt werden", erklärt Prof. Dr. Stefan Bratzel von Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch Gladbach auf Anfrage unserer Redaktion.

Das Energie-Label für Pkw setzt das Gesamtgewicht eines Fahrzeugs in Relation zum CO2-Ausstoß. Ein Koloss wie der Q7 3.0 TDI erhält mit 189 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer demnach das zweitbeste Label B. Dem Aygo, der nur die Hälfte CO2 emittiert, wird mit der Note C ein schlechteres Ergebnis bescheinigt. Obwohl der kleine Japaner (4,6 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer) im Gegensatz zum großen Deutschen (7,4 Liter) deutlich weniger Sprit verbraucht. Diesen Zustand will der Bundesrat nachgebessert haben. So sollte der Energieverbrauch nicht allein auf die Masse des Fahrzeugs bezogen werden.

Verwirrender Zustand

Bratzel stimmt dem Länderausschuss zu: "Es kann nicht sein, dass ein Smart oder Aygo schlechter abschneiden ein Q7." Für den Verbraucher, der ein sparsames Auto kaufen möchte, ist das ein verwirrender Zustand, urteilt auch der ADAC. Mit dem aktuell diskutierten Vorstoß wird der eigentliche Sinn des Labels, über die Energieeffizienz eines Fahrzeugs zu informieren, ausgehebelt.

Heftige Kritik war bereits am Donnerstag aus Frankreich gekommen. Die diskutierte Kennzeichnung sei "lügnerisch", wie die französische Regierung in einem Schreiben an die EU-Kommission mitteilte. Die "sehr starke" Bevorzugung von antriebsstarken und schweren Autos sei nach Ansicht des Élysée-Palastes nicht der richtige Schritt. Und zudem ein Nachteil für die spritsparenden, einheimischen Modelle.

Sind Premiummarken Profiteure?

Profiteure dieser Neuregelung wären die deutschen Premium-Autobauer gewesen, deren Zugpferde die PS-starken Oberklasse- und Geländewagen sind. Sie hätten mit politischem Segen ihr Image als klimafeindliche Spritschleudern aufpolieren können. BMW, Mercedes, Audi & Co. hatten erst diese Woche hervorragende Absatzzahlen bekannt gegeben und besonders Zuwächse in den oberen Segmenten gefeiert.

So wie sie derzeit gestrickt ist, ist "die Verordnung ein Werbeinstrument für Premiumautos, aber kein Instrument der Verbraucherinformation", so Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Nicht nur deswegen sah sich der Bundesrat am Freitag zum Mahnen und Handeln gezwungen.

(mit Agenturmaterial)
Mehr von RP ONLINE