Die DDR vor 30 Jahren: Mit dem Golf kam der Ärger

Die DDR vor 30 Jahren: Mit dem Golf kam der Ärger

Magdeburg (RPO). Ab Januar 1979 durfte man sich in der DDR über Westautos freuen – und zwar in der gesamten DDR. Bis dahin war dieses Privileg für zwölf Monate ausschließlich Berlinern vorbehalten. Deswegen kam mit dem Golf auch der Ärger.

Magdeburg (RPO). Ab Januar 1979 durfte man sich in der DDR über Westautos freuen — und zwar in der gesamten DDR. Bis dahin war dieses Privileg für zwölf Monate ausschließlich Berlinern vorbehalten. Deswegen kam mit dem Golf auch der Ärger.

Trabi, Wartburg, auch mal Lada oder Skoda - die geräderte Vielfalt auf den Straßen der DDR war begrenzt. Im Januar 1978 wurde das Spektrum bunter. Damals rollten die ersten VW Golf in den Osten. 10.000 Pkw aus der Wolfsburger Autoschmiede wurden in einem Tauschgeschäft dem Arbeiter-und-Bauern-Staat überlassen. Doch mit dem Golf kam auch der Frust, denn der Erwerb eines solchen Autos war ausschließlich Berlinern vorbehalten. Wer nicht in der Hauptstadt wohnte, hatte Pech.

Ab Januar 1979

Im Januar 1979 rollten dann Westautos auch durch die gesamte deutsche demokratische Provinz. Allerdings noch immer keine Golf oder Mazda, die für rund 20.000 Mark zu haben waren, sondern der Citroen GSA. "Der Franzose wurde ausschließlich außerhalb der Hauptstadt der DDR vertrieben", erinnert sich Jürgen Dierich.

Dierich ist heute Rentner und leitete damals den IFA-Vertrieb in Magdeburg, über den alle bestellten Autos für Magdeburg und die umliegenden Kreise ausgeliefert wurden. Man munkelte, dass man die Provinz nach vielen Staatsratseingaben wegen der Berlin-lastigen Verkäufe von Golf und Mazda ruhigstellen wollte. Und dass sich der Citroen GSA Pallas in der Hauptstadt nicht verkaufen ließ. "Der Citroen kostete 42.000 DDR-Mark", weiß Dierich, "das war schon eine Menge Geld."

Gut 400 Stück erhielt Magdeburg damals, aber die zu verkaufen erwies sich als alles andere als leicht. Der IFA-Vertrieb schrieb zunächst jene an, die über die ältesten Lada-Bestellungen verfügten. Die waren damals zwölf bis 13 Jahre alt. Doch von 100 Angeschriebenen griffen nur jeweils zwei bis drei zu. "Die Leute haben uns wahrscheinlich insgeheim einen Vogel gezeigt", vermutet Dierich. "Sie haben sich gesagt, wir haben für 22.000 Mark einen Lada bestellt, und ihr bietet uns für 42.000 einen Citroen an!"

  • Fotos : Das war der Citroen GSA

42.000 Ost-Mark

Dabei war das fehlende Geld noch nicht einmal das größte Problem. Auch wenn die Einkommen in der DDR im allgemeinen eher niedrig waren, gab es durchaus Leute mit den notwendigen Rücklagen. "Schichtarbeiter waren eher nicht darunter. Aber selbstständige Handwerksmeister, Betriebsdirektoren, Gastronomen, Bauern, Professoren, Ärzte", zählt Dierich auf. "Aber wenn man sich ein Auto für 42.000 Mark vor die Tür stellte, dann zeigte man, dass man Geld hatte. Und das wollte keiner." Anders als heute, wo das kreditfinanzierte Fahrzeug ruhig eine Nummer größer ausfallen darf, als man sich eigentlich leisten kann.

"Für uns war das damals eine ganz neue Erfahrung", erzählt Dierich. "Wir kannten es nicht, dass sich die Autos nicht von allein verkauften. Neuwagen gab es ja damals nur auf Bestellung, und sie gingen weg wie warme Semmeln." Auf einen Trabi wartete man damals neun bis zehn Jahre, auf die größeren Autos wie Wartburg oder Lada sogar zwölf oder mehr. Selbst die Bestellungen wurden damals für gutes Geld gehandelt.

Anfangs zähes Geschäft

Nach einer Startverzögerung gingen die ersten Citroen schließlich doch weg. "Als man sah, dass der und der einen hat, wollte man auch so einen", erzählt Jürgen Dierich. Nach einem halben, dreiviertel Jahr lief das Geschäft. Es gab sogar Anfragen, was man tun müsse, um einen Citroen zu bekommen. "Dann haben wir immer danach gefragt, was die Interessenten für eine Autobestellung hatten", so der ehemalige IFA-Chef. "Es war uns wichtig, dass der riesige Berg an Anmeldungen abgearbeitet werden konnte. Für jedes Auto, das wir herausgaben, wurde eine Bestellung storniert." Am Ende erhielt man bereits mit einer drei bis fünf Jahre alten Lada-Bestellung einen Citroen.

Die Citroen eroberten schließlich die Straßen der Provinz in der DDR. Übrigens auch die Mazda und Golf. Denn wer über genügend Kleingeld verfügte, konnte sich sogar einen Gebrauchten leisten. Für den musste man in der DDR oft das Doppelte dessen bezahlen, was für einen Neuwagen mit langer Wartezeit fällig gewesen wäre. Beim Citroen waren das mal eben 85.000 Mark der DDR.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Golf-Galerie