40.000 Euro für Wartburg: Kunden zahlen Rekordpreise für Ostalgie-Autos

40.000 Euro für Wartburg : Kunden zahlen Rekordpreise für Ostalgie-Autos

Gräfenhainichen (RPO). Thomas Plonski reibt sich die Hände. In seiner Werkstatt in Gräfenhainichen bei Dessau repariert der gelernte Elektriker Fahrzeuge, die vor mehr als 20 Jahren in der DDR, der Tschechoslowakei und Sowjetunion produziert wurden. Kunden zahlen derzeit Höchstpreise für Ostalgie-Autos.

"Seit vier, fünf Jahren erleben Wolgas, Wartburgs und Ladas eine regelrechte Renaissance. Dementsprechend sind die Preise auf einem absoluten Höchstniveau", sagt Plonski.

Der 50-Jährige ist einer der letzten deutschen Großhändler für Automobile aus dem Ostblock. Jährlich wechseln über sein Geschäft 50 bis 60 Fahrzeuge den Besitzer. Für einen Skoda Octavia aus dem Jahr 1961 etwa sind gut 12.000 Euro fällig.

"Es wird immer schwieriger, überhaupt ordentliche Autos zu finden", sagt Plonski, der in der ganz Deutschland auf Autosuche geht. Bei den Zweirädern Simson und MZ aus DDR-Produktion sei es sogar fast unmöglich geworden, gut erhaltene Fahrzeuge zu günstigen Preisen zu ergattern.

Mittelklassewagen-Preise

Aber auch bei manchen Auto-Modellen kann Plonski die Nachfrage seiner Kunden nicht befriedigen. "Leute, die etwa einen Wartburg 311 Cabriolet als Geldanlage suchen, haben mit Sicherheit keine Chance mehr", sagt er. Und wenn, dann sind Summen wie für einen ladenneuen Mittelklassewagen fällig. "Um die 40.000 Euro müsste man für so einen Wartburg einrechnen", sagt der Autohändler.

Allerdings gibt es feine Unterschiede unter den Fabrikaten. "Wartburg, Skoda und Lada haben mittlerweile Oldtimer-Status. Nur der 601er Trabi nicht", sagt der Techniker. Grund sei die unverwüstliche Technik, die den Klassiker aus Zwickau noch immer als Gebrauchsgegenstand für den Alltag attraktiv mache.

Trabi als Zweitwagen

"Viele holen sich die Trabis als günstigen Zweitwagen. Ob das Angler sind oder Berufspendler - die wollen alle ein günstiges Auto mit wenig Unterhaltskosten", sagt Plonski. Eine große Rolle spiele auch noch immer die Ostalgie der Käuferschaft.

So ist es auch bei einem älteren Mann aus Leipzig, der dieser Tage bei Plonski einen Lada 2107 kauft. "Zu DDR-Zeiten war man mit so einem Auto der King. Aber damals konnte ich es mir leider nicht leisten", sagt der Leipziger. Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch des Ostblocks habe er sich nun diesen langgehegten Wunsch erfüllt.

Autohändler Plonski selbst hat mit Ostalgie nicht viel am Hut. "Höchstens wenn das Finanzamt kommt, wünsche ich mir die alten Zeiten zurück", sagt er und lächelt.

(apd/nbe)
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