Trendumkehr noch nicht in Sicht Jeder dritte Neuwagen ist ein SUV

Duisburg/Frankfurt · Stadtgeländewagen sind wegen ihres erhöhten Platz- und Energiebedarfs in Städten nicht gerne gesehen. Viele Autokäufer greifen trotzdem zu den schweren Kisten. Und es werden noch mehr, meint ein Fachmann.

 Eine Mitarbeiterin enthüllt während der Vorstellung in der Gläsernen Manufaktur einen ID.4 von Volkswagen, dem ersten Elektro-SUV der Marke. 

Eine Mitarbeiterin enthüllt während der Vorstellung in der Gläsernen Manufaktur einen ID.4 von Volkswagen, dem ersten Elektro-SUV der Marke. 

Foto: dpa/Robert Michael

Deutsche Autofahrer werden nach Ansicht des Experten Ferdinand Dudenhöffer in den kommenden Jahren noch deutlich mehr der umstrittenen Stadtgeländewagen kaufen. Die sogenannten Sport Utility Vehicles (SUV) und verwandte Autoformen haben im ersten Halbjahr in Deutschland einen Rekord-Marktanteil von knapp 35 Prozent erreicht und waren damit die mit Abstand beliebteste Karosserieform, interpretiert Dudenhöffer die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes.

Damit sei noch keineswegs die Spitze erreicht, meinte der Leiter des privaten CAR-Instituts in Duisburg. Selbst wenn sich die Wachstumsraten der vergangenen zehn Jahre für diesen Fahrzeugtyp halbierten, werde der Marktanteil bis 2026 auf rund 45 Prozent steigen. Dazu trage auch bei, dass immer mehr Modelle der Kleinwagen- und Kompaktklasse auch als SUV angeboten werden und der Dieselantrieb an Bedeutung verliere. Aktuell gebe es auf dem Neuwagenmarkt mehr als 120 Modelle zur Auswahl, von denen 11 vollelektrisch angetrieben werden.

Dudenhöffer verwies auf aktuelle SUV-Marktanteile in Schweden und der Schweiz, wo die SUVs mit 47,2 und 45,7 noch deutlicher dominieren. In den USA werden knapp 51 Prozent der Autos als SUV verkauft. Neben den klassischen Geländemarken wie Jeep und Landrover steigerten auch andere Hersteller ihre SUV-Anteile. Volvo verkaufe in Deutschland bereits 77 Prozent der Autos als SUV, Mazda zu 62 Prozent und die VW-Tochter Seat zu 56 Prozent. Mit SUV-Anteilen rund um ein Drittel sind die großen deutschen Marken genau im Marktschnitt.

Geländewagen und SUV stehen bei Autokäuferinnen und -käufern hoch im Kurs. Gut jede dritte Neuzulassung entfiel in diesem Jahr bislang auf eins der beiden Segmente, wie aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamts hervorgeht. Vor allem die für den Stadtverkehr gedachten SUVs legen in der Kundengunst weiter zu. Die Fahrzeuge mit höherem Einstieg gibt es aber auch auf Kleinwagenbasis.

Von Januar bis Juli wurden insgesamt 1,63 Millionen Autos neu zugelassen. Das waren sieben Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Insgesamt werden in Deutschland aber weiter weniger Autos verkauft als vor der Corona-Krise.

Nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie liefen im Juli in den deutschen Werken ein Viertel weniger Autos vom Band als ein Jahr zuvor; den Herstellern fehlen nach wie vor Chips für mehr Fahrzeuge. Der Markt könne sein Potenzial nicht ausschöpfen, betonte der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Die Auftragsbestände seien hoch.

Gefragt sind auch Autos mit Elektroantrieb, für die es Kaufprämien gibt. Im Juli wurde knapp 11 Prozent der Neuwagen allein von einer Batterie angetrieben. Etwa 30 Prozent kombinieren als Hybride den E-Antrieb mit einem Verbrennungsmotor.

(zim/dpa)
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