Genfer Autosalon 2018: Mit dem Rennwagen zum Brötchenholen

Genfer Autosalon 2018: Mit dem Rennwagen zum Brötchenholen

Als pfeilschnelle Flundern zeigen sich Sportwagen auf dem Genfer Autosalon. Klar. Doch mittlerweile verschwimmen die Grenzen. Denn auch viele SUVs, Limousinen und Cabrios sind in weniger als zehn Sekunden auf 200 km/h.

Was ist das? 305 km/h schnell und in 3,6 Sekunden von null auf 100? Klar, ein Sportwagen! Nein, der Urus, ein 2,2-Tonnen-SUV, das Lamborghini auf dem Genfer Autosalon zeigt (Publikumstage 8. bis 18 März). Und der Sportwagenbauer ist damit nicht allein.

So hat etwa Mercedes die Tücher vom AMG G 63 gezogen. Die Sportversion des Geländeklassikers bringt rund 2,5 Tonnen auf die Waage. Doch dank 430 kW/585 PS stürmt sie in 4,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und wird auf Kundenwunsch bis 240 km/h schnell.

Bentley hat den neuen V8-Motor für das Sport-SUV Bentayga mit 404 kW/550 PS mitgebracht. Der Trend zu großen Motoren in Autos, die nicht nach klassischem Sportwagen aussehen, erhält in Genf neue Nahrung. "Unsere Autowelt wird zur Mobilitätswelt. Da bekommen die alten Begriffe neue Bedeutungen oder verschwimmen in ihrer Bedeutung", sagt Prof. Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen. Moderne Sportlichkeit sei das Thema in unterschiedlicher Markeninterpretation.

Wie zum Beweis zeigt Mercedes nicht nur den sportlichen Geländebrocken, sondern auch eine viertürige Limousine. Die verknüpfe die Rennstreckendynamik der zweitürigen Sportler mit "höchster Alltagstauglichkeit", so die Stuttgarter. Quasi ein Rennwagen zum Brötchenholen. Das Gebäck dürfte heiß heimkommen. Denn der AMG GT 4-Türer Coupé kann je nach Motor bis zu 315 km/h schnell werden.

Bei all der Verunsicherung in der modernen Welt ist es gut, wenn es noch Eckpfeiler wie Aston Martin, Porsche und Ferrari gibt.

Allerdings liefern die Briten ab dem Frühjahr auch den 375 kW/510 PS starken DB11 Volante aus, mit dem Cabrio-Liebhaber die 300-km/h-Marke ab 199.000 Euro knacken können. Zügig geht es auch bei Jaguar zu.

Hier macht eine Spitze von "nur" 200 km/h hellhörig, selbst bei einem Allrad-SUV. Doch der I-Pace flitzt dank zweier insgesamt 294 kW/400 PS starken E-Motoren rein elektrisch - bis zu 480 Kilometer weit. Von null auf 100 km/h beschleunigt das SUV binnen 4,8 Sekunden.

Wenigstens bei Porsche müsste es doch klassische Zweisitzer geben, die ihre Motoren röhren lassen - oder? Hier rollt jedoch der Mission E Cross Turismo als Studie ins Scheinwerferlicht. Mit seinem Mix aus klassischer Sportlimousine, SUV und E-Auto ist auch er ein Grenzgänger. Zwei E-Motoren mit insgesamt 440 kW/600 PS beschleunigen ihn binnen 3,5 Sekunden auf 100 km/h. Und noch nicht einmal 12 Sekunden vergehen, bis 200 km/h erreicht sind.

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"Sportlichkeit im digitalen Zeitalter ist doch nicht der dicke Auspuff, das Röhren, das Knacken von künstlichen Fehlzündungen, das Quietschen von Reifen", sagt Dudenhöffer. "Sicher werden wir Zwölfzylinder-Ferraris in der Zukunft noch bewundern, aber vielleicht immer stärker als Symbole einer früheren Welt, bei der Technik eben Mechanik war. Aber es wird zur Nische werden."

Noch sind die Nischen zahlreich. Bereits auf dem Stand der Stuttgarter können Traditionalisten aufatmen. Da ist der Elfer eine Bank. Und auch aus dem überarbeiteten 911 GT3 RS schauen die typischen Glupschaugen zunächst, als könnten sie kein Wässerchen trüben.

Doch der Sechszylinder-Sauger mit vier Litern Hubraum leistet 383 kW/520 PS und bringt den Wagen auf bis zu 312 km/h. Und Lamborghini zeigt die um 35 Kilo gewichtsreduzierte Variante vom Performante Spyder - einer offenen, keilförmigen Sportversion des Zweisitzers Huracán. Saus und Braus wie in einem Rennsportwagen sind mit bis zu 325 km/h möglich - dank eines V10-Saugmotors mit 470 kW/640 PS.

Noch rasanter geht's bei Ferrari zur Sache, wo der 488 Pista mit 530 kW/720 PS aufwartet. Mit der Kraft zweier Turbos rauscht er in 2,85 Sekunden von null auf 100, in 7,6 Sekunden fällt die 200-km/h-Marke.

Ähnlich beim McLaren Senna: Für 922.250 Euro gibt es einen 588 kW/800 PS starken V8, den zwei Turbos beatmen. 100 km/h sind nach 2,8 Sekunden erreicht. Toppen kann das noch die neue Sportversion des Bugatti Chiron: 1500 PS und 420 km/h Spitzentempo dürften für sich sprechen, falls die rund 3,15 Millionen Euro Kaufpreis Kunden nicht abhalten.

Aber sind hochpotente Sportautos heute nicht ein Anachronismus? "Es sind Spaßfahrzeuge, und es werden auch Spaßfahrzeuge bleiben", sagt Dudenhöffer. "Man begibt sich damit ein Stück in eine Traumwelt. Man lässt sich bewundern und ist bereit, dafür viel Geld zu bezahlen.

Eben Luxus." Und davon gibt es in Genf immer eine ganze Menge.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Flotte Flitzer - Sportwagen, SUVs & Cabrios beim Genfer Autosalon

(csr)