Mary Barra: General-Motors-Chefin wegen Pannenserie vor US-Kongress

Mary Barra : General-Motors-Chefin wegen Pannenserie vor US-Kongress

Mary Barra, Konzernchefin von General Motors (GM), muss sich am Dienstag wegen der tödlichen Pannenserie des Autobauers den Fragen der US-Kongressabgeordneten stellen. 13 Menschen sollen bei Unfällen ums Leben gekommen sein, weil General Motors ein Problem mit dem Zündschloss verschleiert haben soll.

Vor ihrer Anhörung vor dem US-Kongress bat Mary Barra bei den Opfern und deren Angehörigen um Entschuldigung gebeten. In einer am Montag verbreiteten Erklärung äußert Barra ihr tiefes Bedauern.
Vor allem die Familien und Freunde der Getöteten und Verletzten bitte sie aufrichtig um Vergebung, hieß es in der Erklärung, die die Managerin am Dienstag vor dem Repräsentantenhaus abgeben wollte und die bereits auf der Webseite des Handelsausschusses veröffentlicht wurde.

Mehr als 2,6 Millionen Fahrzeuge hat die Opel-Mutter wegen Problemen an den Zündschlössern zurückgerufen, die Unfälle mit mindestens 13 Toten verursachten. Offen ist, ob der Autohersteller das Problem ignoriert hatte. Schon die erste Einschätzung des Falls von Seiten des US-Kongresses fällt düster aus: "Obwohl wir die Dokumente erst seit weniger als einer Woche haben, zeichnen sie ein beunruhigendes Bild", heißt es in einer Stellungnahme vom Ausschuss-Vorsitzenden Fred Upton und vom Vorsitzenden des Ermittlungsausschusses Tim Murphy.

Weil Barra den Posten als GM-Chefin erst seit Januar innehat, scheint zweifelhaft, ob der Termin im Ausschuss des Repräsentantenhauses und einer zweiten Anhörung im Senat am Mittwoch viel Klarheit schaffen kann. Dass sie sich nach möglicherweise jahrelangen Versäumnissen des Konzerns Transparenz auf die Fahnen geschrieben hat, zeigt der jüngste Rückruf knapp einer Million weiterer Autos, bei denen es sich meist um Chevrolets, Pontiacs und Saturns handelt, die in den USA verkauft wurden.

Nicht nur Barra muss sich wegen der Pannenserie unangenehme Fragen anhören. Auch David Friedman, der die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA überwacht, wird sich dem Vorwurf stellen müssen, dass die tödliche Gefahr nicht rechtzeitig erkannt wurde. 2007 entschied sich die Behörde, keine Untersuchungen aufzunehmen, obwohl vier tödliche Crashs, 29 Beschwerden und 14 weitere Berichte auf das Problem mit den Zündschlössern aufmerksam machten. 2010 kam die NHTSA nach mehrfachen Berichten über Airbags, die nicht öffneten, zu derselben Entscheidung, heißt es in einem Memorandum vom Sonntag.

"Leben stehen auf dem Spiel", schreiben Upton und Murphy. Auf den Punkt genau wollen sie festlegen, an welcher Stelle "das System" versagt hat. Mit welch geringem Aufwand die möglicherweise tödlichen Unfälle vermieden werden könnten, beziffert der Zulieferer Delphi, der die Originalschlösser hergestellt hatte: Der Wechsel des Zündschlosses sei eine Sache von wenigen Minuten, in der Produktion kostet das Teil zwischen 2 und 5 Dollar.

(dpa)
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