Nur wenige Hersteller E-Motorräder fahren noch in der Nische

Münster · Die Technik ist spannend, aber die Reichweite den meisten Käufern zu klein. Nur wenige Hersteller wagen sich bislang in das Segment. Wir erklären, welche Marken elektrische Motorräder anbieten.

  Harley-Davidson hat mit der „Livewire One“ als einer der wenigen Traditionshersteller ein E-Motorrad auf dem Markt. Die Fahrerin trägt übrigens nur deshalb keinen Helm, weil sie auf einem nicht-öffentlichen Privatgelände, auf dem keine Straßenverkehrsordnung gilt, fährt.

Harley-Davidson hat mit der „Livewire One“ als einer der wenigen Traditionshersteller ein E-Motorrad auf dem Markt. Die Fahrerin trägt übrigens nur deshalb keinen Helm, weil sie auf einem nicht-öffentlichen Privatgelände, auf dem keine Straßenverkehrsordnung gilt, fährt.

Foto: dpa/Boris Roessler

Im Gegensatz zu E-Autos will sich der Markt für elektrische Motorräder noch nicht recht entwickeln. Die Verkaufszahlen der Strom-Motorräder (ohne Roller) lagen 2023 bundesweit im vierstelligen Bereich und entsprachen einem Marktanteil von weniger als einem Prozent. Zum Vergleich: Von den neu zugelassenen Autos war 2023 in Deutschland schon fast jedes fünfte rein elektrisch angetrieben – die rund 520.000 Exemplare kamen auf 18,4 Prozent Marktanteil.

Der seit Jahren stabile Motorrad-Boom könnte auch in der Elektro-Sparte andere Zahlen vermuten lassen: Insgesamt wurden in Deutschland auch 2023 wieder weit über 200.000 Motorräder und Roller neu zugelassen, die Branche insgesamt setzte ihren Erfolgstrend mit einem Wachstum von rund sieben Prozent fort. Elektro boomt also. Motorrad auch. Nur Elektro-Motorrad boomt nicht. Warum ist das so?

Unter den Herstellern schwerer Elektro-Zweiräder finden sich bislang nur wenige Traditionsmarken wie Harley Davidson mit der inzwischen etablierten Sub-Marke „Livewire“ und KTM. In der Klasse der leichteren E-Motorräder versucht sich neuerdings auch Kawasaki. Die meisten anderen Traditionsmarken bauen im elektrischen Zweiradbereich allenfalls leichte Kost. BMW etwa punktet mit E-Rollern und Porsche mit Luxus-E-Fahrrädern. Denn Roller und Fahrräder werden auf viel kürzeren Strecken als Motorräder eingesetzt und leiden deshalb weniger unter dem strukturellen Fluch der Elektromobilität: dem Reichweiten-Problem.

Ein klassischer Biker bringt auf einer typischen Tagestour gerne 300 Kilometer und mehr hinter sich. Da kommen Elektro-Motorräder an ihre Grenzen: So schafft die gerade neu überarbeitete „Livewire One“ von Harley je nach Einsatzbereich nur zwischen 100 und gut 200 Kilometer und muss dann schon wieder für fast eine Stunde an die Ladung. Wenn keine geeignete Schnellladesäule verfügbar ist, dauert der Ladevorgang an der Haushaltssteckdose sogar mehrere Stunden. Wer knapp 25.000 Euro für eine neue „One“ bezahlen soll, ist damit nicht unbedingt zufrieden – auch wenn die Maschine in drei Sekunden von Null auf 100 beschleunigen kann.

Die Firma Zero Motorcycles bietet das rein elektrisch angetriebene Motorrad Zero SR/F ab 20.490 Euro an.

Die Firma Zero Motorcycles bietet das rein elektrisch angetriebene Motorrad Zero SR/F ab 20.490 Euro an.

Foto: Ralf Schütze

Während der Sprit im Tank eines herkömmlichen Motorrades meist für etliche Hundert Kilometer reicht und an jeder beliebigen Tankstelle binnen Minuten nachgefüllt werden kann, gelten 200 Kilometer Reichweite bei einem E-Motorrad schon als viel. Geeignete öffentliche Ladesäulen sind immer noch selten, zumal nicht alle frei zugänglichen Ladestellen mit allen E-Motorrädern kompatibel sind.

Für die Entwickler von E-Motorrädern ist das Reichweitenproblem eine noch viel größere Herausforderung als für die Hersteller von E-Autos. Zwar bringen Strom-Zweiräder selten mehr als ein Viertel des Gewichts eines durchschnittlichen E-Autos auf die Waage, was ja eigentlich gut für die Reichweite ist. Allerdings haben E-Motorräder auch deutlich weniger Stauraum für den Akku an Bord.

Andererseits schwärmen alle, die schon mal ein E-Motorrad ausprobiert haben, von der sensationellen Dynamik der Motoren. Anders als bei Benzinern, für die es bessere und schlechtere Drehzahlbereiche gibt, können E-Bikes stets die volle Leistung auf die Straße bringen.

Die finnische Verge TS saust elektrisch mit nabenlosem Hinterrad über die Straßen.

Die finnische Verge TS saust elektrisch mit nabenlosem Hinterrad über die Straßen.

Foto: dpa-tmn/Verge

Ihre Fahrer schätzen die vibrationsarme Fahrt und vermissen auch die lästige Abwärme der Benzinmotorräder an der Ampel nicht. Das lautlose und schaltfreie Gleiten auf zwei Rädern verspricht einen sehr speziellen, mit anderen Fahrzeugen nicht erreichbaren Fahrspaß. Zudem benötigen Elektro-Motorräder auch deutlich weniger Wartungsaufwand als ihre benzingetriebene Verwandtschaft.

Zu den Vorreitern im E-Motorradbau gehört schon seit 2006 der kalifornische Hersteller Zero, der aktuell die größte Modellauswahl anbietet. Die Palette reicht vom über 20.000 Euro teuren „Streetfighter“, der aus 110 Elektro-PS Spitzengeschwindigkeiten bis zu 200 Kilometer pro Stunde abrufbar macht bis zur Reise-Enduro „DSR/X“, die für rund 25.000 Euro bei gelassener Sitzposition eine Höchstgeschwindigkeit bis 180 Stundenkilometern liefert.

Wer wirklich ins Gelände will, ist mit der „Freeride E-XC“ von KTM allerdings wohl besser bedient. Sie trägt ihre Fahrer für knapp 13.000 Euro rund 90 Minuten lang durch dick und dünn und scheint das Markenversprechen von KTM als Hersteller echter Geländemaschinen zu halten.

Als Preis-Leistungsschlager gilt die chinesische Alrendo TS Bravo. Der Lithium-Ionen-Akku liefert rund 20 Kilowatt und beschleunigt auf gut 130 Stundenkilometer Höchstgeschiwindigkeit – der Powercruiser ist für etwas mehr als 11.000 Euro zu haben.