Österreich als Vorbild: Fahranfänger im Visier der Politik

Österreich als Vorbild : Fahranfänger im Visier der Politik

Düsseldorf (RPO). Null-Promillegrenze bis 25, PS-Limit für Autos, Feedback-Fahrstunden nach drei Monaten – der Politik schwebt vor, ein wachsameres Auge auf das Fahrverhalten von Führerscheinneulingen zu werfen. Hintergrund ist der weiterhin hohe Anteil junger Menschen unter den Unfallopfern im Straßenverkehr.

Düsseldorf (RPO). Null-Promillegrenze bis 25, PS-Limit für Autos, Feedback-Fahrstunden nach drei Monaten — der Politik schwebt vor, ein wachsameres Auge auf das Fahrverhalten von Führerscheinneulingen zu werfen. Hintergrund ist der weiterhin hohe Anteil junger Menschen unter den Unfallopfern im Straßenverkehr.

Der jüngste Vorstoß, um die Opferzahlen von Fahranfängern im Straßenverkehr zu senken, kommt aus dem schwarzgelben Regierungslager. Eine Bundestags-Delegation um Gero Storjohann (CDU) und Oliver Laksic (FDP) hat sich im Rahmen eines Besuchs im Verkehrssicherheitszentrum Teesdorf nahe Wien dafür ausgesprochen, Fahranfänger drei Monate nach Erwerb ihres Führerscheins erneut in die Fahrschule zu bitten. Hier sollen ihre Fähigkeiten in zwei sogenannten Feedback-Fahrstunden kontrolliert werden. Grundlage dieser Idee ist ein neues Verkehrssicherheitsprogramm, das Mitglieder der CDU/CSU, FDP und SPD derzeit erarbeiten.

"In Deutschland kämpfen wir mit hohen Opferzahlen gerade junger, männlicher Autofahrer", sagt Storjohann auf Anfrage unserer Redaktion. "Das Ausland zeigt uns, wie wir die Opferzahlen senken können." Storjohanns Blick schweift dabei von seinem Berliner Büro nach Österreich. In der Alpenrepublik müssen Führerscheinneulinge drei Monate nach bestandener Prüfung ihre Fahrkünste einem Fahrlehrer demonstrieren. So sollen falsche Angewohnheiten abgelegt werden, und der Autofahrer bekommt während der Fahrt Rückmeldungen über seine Fahrweise und Verbesserungsvorschläge des Experten.

Doch was geschieht, wenn sich der Fahranfänger während der Feedback-Fahrt grobe Schnitzer erlaubt? "Die Fahrlehrer können die Mängel nur in aller Deutlichkeit benennen. In diesem Fall müssen gut gemeinte Ratschläge helfen", sagt Kay Schulte vom Deutschem Verkehrssicherheitsrat (DRV) auf Anfrage. Die österreichische Regierung verweist dennoch auf den Erfolg dieses Modells. Seither gibt es 30 Prozent weniger Unfälle mit jungen Menschen.

Dieser positive Verlauf habe laut Storjohann auch einen volkswirtschaftlichen Nutzen. "Sinken die Opferzahlen, sinken beispielsweise auch mögliche, kostenintensive Krankenhausaufenthalte."

"Der österreichische Ansatz ist richtig. Die Bundesregierung sollte darüber nachdenken, dass Modell hierzulande anzuwenden", erklärt Schulte. Und offenbar denkt die Koalition tatsächlich darüber nach. "Sinn macht dieses Konzept aber nur, wenn es komplett übernommen wird."

Psychologisches Gruppengespräch

Dazu gehören neben dem eigentlichen Führerscheinerwerb ein psychologisches Gruppengespräch samt Fahrsicherheitstraining (185 Euro) und die derzeit zwei diskutierten Feedback-Fahrten von jeweils 100 Minuten (180 Euro). Die Kosten übernimmt der Fahranfänger, da sie Teil der Ausbildung sind.

"Diese Fahrten finden dann in zeitlichen Abständen von drei und sechs Monaten nach Führerscheinerwerb statt", sagt Storjohann. Junge Menschen stellen laut DVR eine Hauptrisikogruppe dar. Jeder fünfte Tote oder Verletzte ist zwischen 18 und 24 Jahren alt. Der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbevölkerung beträgt hingegen nur acht Prozent.

Kritisch äußert sich der Auto Club Europa (ACE). "Zusätzliche Pflichtstunden hinterm Steuer entstammen dem Forderungskatalog der Fahrlehrerlobby", meint ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Den Fahrschulen gehe es laut Hillgärtner in Wirklichkeit und in Anbetracht eines massiven Rückgangs der Fahrschülerzahlen um die Existenzsicherung.

ADAC sieht Vorstoß positiv

Anders bewertet der ADAC den Vorstoß. "Die Diskussion ist angestoßen. Jetzt ist die Bundesregierung gefordert, schnellstmöglich eine entsprechende Initiative zu starten, um die hohe Zahl der Unfallopfer in dieser Altersgruppe herunter zu schrauben", so ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker.

In der zweiten Jahreshälfte soll der Antrag in den Ausschüssen angehört und Anfang 2012 dann im Bundestag debattiert werden. VDR-Sprecher Schulte ist sich sicher: "Jede neue Maßnahme, die jungen Autofahrer in der Anfangszeit zu kontrollieren, wird Erfolg haben und die Opferzahlen minimieren."

Dazu zählt für den Experten auch die Einführung eines speziellen, für Fahranfänger obligatorischen Kennzeichens, das "für alle übrigen Verkehrsteilnehmer sichtbar am Heck des Autos angebracht ist." Dieser Vorschlag wurde vom Land Hamburg bereits im Bundesrat eingebracht.

Zudem möchte das Verkehrsministerium von Sachsen-Anhalt einen Antrag auf Ausweitung der Null-Promillegrenze bis 25 Jahre durchringen. Bisher galt die Regelung für Fahranfänger bis 21. Vor kurzem hatte die EU angekündigt, im Verkehrsausschuss ein PS-Limit für Fahranfänger zu diskutieren. Brüssel möchte das Fahren von Autos mit mehr als 150 PS erst 21-Jährigen erlauben.

Seit Jahresbeginn dürfen Fahranfänger bundesweit früher ans Steuer eines Fahrzeugs. Sitzt ein erfahrener Erwachsener als Beifahrer im Auto, können bereits 17-Jährige Autos lenken. So sollen junge Autofahrer unter Anleitung von Eltern oder Verwandten Sicherheit und Erfahrung gewinnen.

(rpo)
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