Langzeittest des ADAC mit Biosprit: E10-Motorschäden sind nur ein Mythos

Langzeittest des ADAC mit Biosprit : E10-Motorschäden sind nur ein Mythos

Düsseldorf (RPO). Die Einführung des neuen Biosprits E10 wurde für alle Beteiligten zu einem Fiasko. Autofahrer lehnen die neue Kraftstoffsorte bis heute ab, unter anderem aus Angst vor möglichen Motorschäden. Bisher ist jedoch kein entsprechender Fall bekannt. Der ADAC hat nun in einem Praxistest sogar das Gegenteil bewiesen.

"Bio" klingt gut, denn "Bio" ist schließlich gut für die Umwelt und sorgt beim Verbraucher für ein reines Gewissen. Mit der Einführung des neuen Biokraftstoffs E10 wollte die Bundesregierung Anfang 2011 den deutschen Tankstellenmarkt revolutionieren. Die Autofahrer aber sprangen nicht auf die neue Spritsorte an. Einer der vehementen Vorwürfe: Die Betankung mit dem neuen Sprit werde Motorschäden zur Folge haben. Fast sechs Monate nach Einführung ist jedoch kein Fall bekannt, bei dem E10 nachweislich dem Motor eines Fahrzeugs geschadet hat.

Im Gegenteil: Der ADAC führt seit dem 10. März einen Langzeittest durch. Die Prüfer haben einen Opel Signum 2,2 Benzindirekteinspritzer konsequent mit dem neuen Biosprit betankt — und das, obwohl er laut Herstellerangaben für den Ethanol-Kraftstoff nicht freigegeben ist. "Wir haben dem Opel 20 Tankfüllungen E10 zugeführt", berichtet ADAC-Sprecher Carsten Graf auf Anfrage unserer Redaktion.

Das Ergebnis ist überraschend. "Das Auto ist 16.000 Kilometer mit dem falschen Sprit angetrieben worden. Wir haben keine negativen Ergebnisse im Hinblick auf mögliche Motorschäden. Das Auto läuft fehlerfrei." Die Tester haben den Signum gebraucht gekauft. Der Kilometerstand des 2003er Modells betrug zu Testbeginn 92.000 Kilometer.

Das ADAC-Testfazit unterstreichen Nachfragen bei der Kfz-Prüfungsgesellschaft Dekra. "Nein, uns ist kein E10-Vorfall bekannt. Und wenn es irgendwo einen entsprechenden Vorfall gegeben hätte, wäre er uns bekannt", so die übereinstimmende Aussage bei den Dekra-Außenstellen in Berlin, Leipzig oder München.

Auch dem Tüv Süd sind keine negativen Meldungen bekannt. Der E10-Motorschaden entpuppt sich demnach als Legende. Eine auf die Funktionstüchtigkeit des Fahrzeugmotors negative Auswirkung konnte zumindest (noch) nicht nachgewiesen werden. "Unser Test mit dem Opel geht weiter. In drei Wochen werden wir 20.000 Kilometer auf dem Tacho haben", berichtet Technik-Experte Graf.

In den vergangenen Wochen wurden Mineralölindustrie und Politik nicht müde, Werbung für den Biosprit zu betreiben. Auch der ADAC zeigt sich von der grundsätzlichen Idee überzeugt, dass eine CO2-reduzierende Kraftstoffsorte die Umweltbilanz verbessere. Kritiker meinen, der ökologische Vorteil sei gering, denn die Produktion des dafür nötigen Bioethanols sei aufwendig und schade der Umwelt.

Die Debatte hat groteske Züge angenommen: Erst hatten Autohändler ihren Kunden abgeraten, Autos mit E10 zu betanken. Dann sorgten immer wieder Meldungen für Verunsicherung, dass Landes- und Bundesbehörden bei ihren Dienstfahrzeugen auf E10 verzichteten. Aus Sorge vor Schäden. Kürzlich bot ein Ölkonzern eine kostenlose Police an, die skeptischen Autofahrern Schutz bieten sollte. Schließlich hatte der Mineralölwirtschaftsverband einen Steuerrabatt gefordert. Denn E10 wurde zum deutschlandweiten Ladenhüter. Die Öl-Multis sahen sich gezwungen, die Einführung vorerst zu stoppen.

Nun soll E10 ab Sommer doch landesweit an den Zapfsäulen zu kaufen sein, auch in NRW und im Norden der Republik. Denn diese Regionen waren bisher E10-frei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sagen die Düsseldorfer zu E10

(rpo)
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