Vor Ostern steigen die Preise: Die Politik pflegt das Benzin-Ritual

Vor Ostern steigen die Preise: Die Politik pflegt das Benzin-Ritual

Düsseldorf (RPO). Es ist jedes Jahr dasselbe. Vor Ostern und Pfingsten steigen die Benzinpreise. Derzeit zahlen Autofahrer rund 1,43 Euro pro Liter. Die Politik beteiligt sich in schöner Traditionspflege am Volkszorn und zeigt mit dem Finger auf die Mineralölkonzerne. Die aber weisen alle Vorwürfe weit von sich. Ja, was denn jetzt?

Benzinpreise steigen – Politiker klagen Alle Jahre wieder legen Politiker uns das gleiche Ei ins Nest: Sie bedauern die armen Autofahrer und schimpfen unisono mit der "Bild"-Zeitung auf die angebliche Abzocke der Minerölkonzerne. Er habe sich über 1,44 Euro "mächtig geärgert", gab Wirtschaftsminister Brüderle publikumswirksam zu Protokoll und erklärte, den Konzernen genau auf die Finger schauen zu wollen.

Auch Verkehrsminister Peter Ramsauer ließ sich nicht lumpen und äußerte mitfühlend Verständnis für die gebeutelten Autofahrer."Es ist unerträglich, dass die Ölkonzerne pünktlich zum Hauptreiseverkehr regelmäßig an der Preisschraube drehen", so der CSU-Politiker.

Am, Dienstag legte NRW-Verbraucherschutzminister Eckhardt Uhlenberg nach. "Ich finde es unmöglich, dass die Mineralöl-Konzerne immer zu Ferienbeginn die Verbraucher abzocken", sagte der CDU-Minister unserer Redaktion. Ein solches Vorgehen habe mit Marktwirtschaft nichts zu tun. "Das Kartellamt muss hier genau hinschauen", so seine Forderung.

Der Angriff geht ins Leere Wer Brüderle und Ramsauer tief in die Augen schaut und dort Krokodilstränen zu erkennen glaubt, liegt so falsch wohl nicht. "Die Mineralölkonzerne werden erzittern", spottet ein Leser in einem Kommentar über Brüderles Attacken auf die Industrie. Die meisten teilen seine Ansicht. Der Zorn der Autofahrer richtet sich weniger gegen Mineralölkonzerne, sondern auch scheinheiliges Verhalten in der Politik. Brüderle und Ramsauer sollte das zu denken geben.

Der Staat kassiert Wer sich die überwiegend empörten Leserstimmen zum Thema Benzinpreise anschaut, sieht dass die meisten Autofahrern über die Preisstruktur beim Mineralöl gut Bescheid wissen: Der Staat selbst kassiert nämlich kräftig mit. Er muss sich selbst den Vorwurf gefallen lassen, zu den Preistreibern zu zählen. Dank Mehrwert-, Öko- und Mineralölsteuer gehen gut 70 Prozent der Tank-Einnahmen an den Fiskus. Der Staat kann darauf nicht verzichten. Er braucht Einnahmen, um etwa die Rentenkasse zu subventionieren.

Konzerne wehren sich Die Mineralölindustrie lässt die Angriffe ebenfalls nicht auf sich sitzen. "Von Abzocke kann gar keine Rede sein", sagte Uwe Franke, Präsident des Mineralölwirtschaftsverbands, der "Bild"-Zeitung, die am Dienstag mit der stimmungsdienlichen Schlagzeile "Bild knöpft sich den Aral-Chef vor" titelte. Seine Argumente spielen den Ball zurück zur Politik: Ohne Steuern koste ein Liter Benzin oder Diesel je nach Sorte zwischen 53 und 61 Cent. Erst die Steuern machten Benzin und Diesel für die Autofahrer so teuer, sagte Franke, der Deutschland-Chef von BP und Aral ist.

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Was hat es mit dem Vorwurf von Preisabsprachen auf sich? Wirtschaftsminister Brüderle äußert Zweifel, dass es bei den Preiserhöhungen auf breiter Front mit rechten Dingen zugeht. Er droht den Konzernen mit dem Kartellamt. Die Behörde solle der Industrie streng auf die Finger schauen. Genau das aber hat das Kartellamt bereits getan. Und nie einen Beleg für Kartellabsprachen gefunden. Seit Frühjahr 2008 untersucht die Behörde den Wettbewerb auf dem Tankstellenmarkt, hat aber bislang keine Hinweise auf verbotene Absprachen entdecken können. In Deutschland kontrollieren Shell, Aral, Jet, Esso und Total mehr als 70 Prozent des Marktes.

Was treibt die Preise? Im Frühjahr steigen tatsächlich regelmäßig die Benzinpreise. Das hat mehrere Ursachen. Die meisten davon haben mit marktwirtschaftlichen Gesetzen wie Angebot und Nachfrage zu tun. "Die Leute holen ihre großen Autos aus der Garage und fahren statt nur zur Arbeit jetzt auch zum Ausflug ins Grüne", sagte ein Shell-Sprecherin der Financial Times Deutschland. Das gilt vor allem für den Großmarkt USA, wo die im Winter geräumten Lager aufgefüllt werden. Hinzu kommt der akut schwächelnde Eurokurs. "Ölprodukte wie Benzin und Diesel werden nun mal in Dollar gehandelt", sagt auch ein Sprecher der Deutschen BP. Der Eurowechselkurs zum Dollar habe sich seit Januar bis heute um sechs Prozent verschlechtert. Das entspreche einer Preissteigerung von 6,3 Cent pro Liter.

Wie kann ich beim Tanken sparen? Der ADAC empfiehlt Autofahrern, die Preise an den Tankstellen zu vergleichen, um möglichst günstige zu finden. Ebenso sollten sich Verbraucher vor Urlaubsreisen in andere Länder über die dortigen Spritpreise informieren, um kostengünstiger zu tanken. Zudem empfiehlt es sich montags zu tanken, wenn der Sprit in der Regel günstiger zu bekommen ist - ganz im Gegensatz zu Feiertagen.

Wie kann ich Sprit sparen? Nehmen die Kosten für die Mobilität überhand, empfehlen sich zudem die klassischen Spar-Tipps für den Autofahrer. Dazu zählen unter anderem: Gewicht reduzieren, Reifendruck optimieren, früher schalten und im Zweifelsfall das Fahrrad. Eine ausführliche Zusammenstellung von bewährten Spar-Tipps finden Sie in unserer Übersicht.

mit Agenturmaterial

(RPO)