Dieter Zetsche unter Druck: Das Daimler-Desaster

Dieter Zetsche unter Druck : Das Daimler-Desaster

Stuttgart (RP). Die Mercedes-Mutter hat im vergangenen Jahr an jedem Arbeitstag zehn Millionen Euro verbrannt. Wenn wenigstens der Ausblick rosig wäre. Ist er aber nicht. Dafür hat Daimler viel zu viele Probleme.

Erster Konzernverlust seit neun Jahren, erste Null-Dividende seit 14 Jahren. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat noch nicht einmal alle Geschäftszahlen für das vergangene Jahr vorgelesen, da bricht die Aktie auch schon ein: Mit einem spontanen Minus von fast zehn Prozent reagiert die Börse am Vormittag auf den schwarzen Tag bei Daimler.

Mehr als zehn Millionen Euro hat Daimler im vergangenen Jahr pro Arbeitstag verbrannt. 2,6 Milliarden Euro betrug der Konzernverlust unterm Strich im Gesamtjahr. Und das, obwohl Daimler die Kosten im vergangenen Jahr schon um fünf Milliarden Euro gesenkt hat — unter anderem mit massenhafter Kurzarbeit. "Das sind sehr schwache Zahlen", sagte dazu Frank Schwope, Autoanalyst bei der NordLB.

Wegen der Wirtschaftskrise ist Daimler nicht der einzige deutsche Groß-Konzern, der das zurückliegende Jahr mit einem Milliardenverlust abschließt. Anderen wie etwa der Düsseldorfer ThyssenKrupp geht es ähnlich. Während die meisten deutschen Industrie-Giganten aber so wie ThyssenKrupp wenigstens halbwegs optimistisch für das laufende Geschäftsjahr sind, klingt bei Daimler auch der Ausblick ernüchternd.

Der Absatz von Pkw und Lkw soll "leicht" steigen, den operativen Gewinn schätzt Finanzchef Bodo Uebber auf gerade mal etwas mehr als 2,3 Milliarden Euro. Klingt viel, ist aber wenig. So wenig, wie der Stuttgarter Konzern seit dem Jahr 2001 nicht mehr verdient hat. Und viel zu wenig, um all die Baustellen in den Griff zu bekommen, die Zetsche derzeit managen muss.

Forschung Der Mann mit dem Schnauzbart steckt in einem Dilemma. Einerseits muss er angesichts der dürftigen Ertragslage sparen. Andererseits braucht er Milliarden für die Entwicklung neuer Antriebe. Bei der Spritspartechnik ist Erzrivale BMW der Daimler-Tochter Mercedes voraus. Und auch bei den alternativen Antrieben hat Toyota mit dem Prius einen jahrelangen Vorsprung. Unsicher, wie es weitergehen soll, bastelt Daimler parallel an Hybrid-, Brennstoffzellen- und Elektrokonzepten — anstatt sich auf eine Technik zu konzentrieren. Das kostet.

Partner Während BMW — im vergangenen Jahr übrigens trotz Wirtschaftskrise profitabel — zufrieden mit Peugeot und Audi mit den zehn Marken des VW-Konzerns kooperiert, kommt Daimler bei der Partnersuche nicht voran. Frühere Versuche mit Hyundai, Mitsubishi und Chrysler sind gescheitert. Die aktuelle Einkaufsgemeinschaft mit BMW dümpelt vor sich hin. Daimler braucht dringend einen echten Partner, um wie die Premium-Konkurrenz aus Ingolstadt und München die Einkaufs- und Entwicklungskosten zu senken.

Image BMW steht für umweltfreundliche Autos, Audi für Sportlichkeit. Aber wofür steht Daimler? Das Luxus-Image der Marke wurde mit der A-Klasse, dem Smart und Qualitätsproblemen verwässert.

Zukunft Zetsche will bis 2015 weltweit 1,5 Millionen Autos verkaufen. Der Großteil des Wachstums soll auf die A- und B-Klasse entfallen, weil der Trend zu großen Autos verebbt. Gerade diese beiden Modelle bleiben aber hinter den Erwartungen zurück. Kommentar

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(RP)