Wirtschaftsboom Benzinpreis steigt über 1,50 Euro

(RP). An deutschen Tankstellen gab es gestern einen kräftigen Preissprung. Der Preis für Superbenzin stieg auf den höchsten Stand seit 2008. Der ADAC kritisiert das als ungerechtfertigt. Das DIW betont dagegen, der Wirtschaftsboom treibe die Preise. Auch Heizöl und Gas werden immer teurer.

2011: Wie setzt sich der Benzinpreis zusammen?
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Foto: dapd

Für Autofahrer ist es ein trauriger Rekord: 1,52 Euro pro Liter Superbenzin — so teuer war der Sprit in Deutschland schon seit zwei Jahren nicht mehr. "Insbesondere in Großstädten wie Düsseldorf, München und Berlin wurde die Marke von 1,50 Euro an vielen Tankstellen überschritten", sagte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel unserer Zeitung. Der Autoclub kritisierte, die Ölkonzerne versuchten, einen unangemessen hohen Benzinpreis durchzusetzen. "Der Ölpreis steigt zwar an, der gestrige Preissprung für Benzin ist dadurch aber nicht gerechtfertigt", sagte Hölzel.

Dabei sind die Preisunterschiede auch in Nordrhein-Westfalen groß. Es gab auch noch Tankstellen, die zehn Cent weniger verlangten als die teuersten. So boten Tankstellen in Dortmund den Liter Benzin für 1,42 Euro an. Der Aral-Konzern gab als Durchschnittspreis für seine Tankstellen in Nordrhein-Westfalen 1,476 Euro an. Der ADAC will heute einen aktuellen Durchschnittswert vorlegen.

Mehrere Faktoren führen laut Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zu dem starken Preisanstieg. "Die wirtschaftliche Erholung verteuert den Dollar und lässt gleichzeitig die Nachfrage nach Öl ansteigen", erklärt die Energieexpertin. Dementsprechend steige der Ölpreis insbesondere im Euro-Raum an. Durch den strengen Winter sei außerdem die Nachfrage nach Heizöl — und somit auch für Ölprodukte — stark gestiegen, was ebenfalls zum Preisanstieg von Benzin beitrage.

"Hinzu kommt die weiterhin steigende Nachfrage aus dem asiatischen Raum", sagt Kemfert. Zwar gebe es noch keine Knappheit am Ölmarkt, aber die Nachfragesituation sei konstant hoch. Autofahrer, die gehofft hatten, dass nach den Weihnachtsfeiertagen die Preise wieder sinken würden, muss die Ökonomin enttäuschen: Derzeit sei der Preisanstieg nicht mit Ferienzeiten, sondern in erster Linie mit Wirtschaftsfaktoren zu erklären.

Dass sich die Preise an den Tankstellen beinahe stündlich ändern, monierte der Automobilclub ACE. Er forderte die Bundesregierung dazu auf, rechtliche Möglichkeiten einer Benzinpreis-Regulierung zu prüfen. Vorbild ist Österreich. Dort sieht die Tankstellenverordnung vor, dass eine Preiserhöhung nur einmal am Tag, um 12 Uhr, erfolgen darf. Preissenkungen sind dagegen jederzeit möglich. ACE-Chef Wolfgang Rose sagte, das österreichische Modell könne auch hierzulande "eine kostendämpfende Wirkung" entfalten. "Wir wollen, dass das mehrfache Hochschaukeln der Benzinpreise ein Ende hat", fügte Rose hinzu.

Bis solche Forderungen erfüllt werden, sollten Autofahrer spritsparend fahren und Freien Tankstellen den Vorzug geben, rät der ADAC. Bis zu 20 Prozent Sprit lässt sich durch niedertouriges Fahren im Drehzahlbereich zwischen 1500 und 2500 Umdrehungen pro Minute erreichen. Auch kann es sich lohnen, den Reifendruck zu prüfen. Schon ein halbes Bar zu wenig erhöht den Verbrauch um bis zu sechs Prozent. Und ADAC-Sprecher Hölzel sagt: "Bei Rekordpreisen wie diesen sollten Autofahrer, wenn möglich, gar nicht tanken."

(RP)