Bonitätsprüfung: Autoversicherer durchleuchten Kunden

Bonitätsprüfung : Autoversicherer durchleuchten Kunden

Stuttgart/München (RPO). Kunden einiger Auto-Versicherer müssen neuerdings einwilligen, dass ihre Finanzen überprüft werden. Bei der Bonitätsprüfung findet eine ähnliche Durchleuchtung statt wie bei der Vergabe von Krediten.

Hintergrund ist, die Zahlungsfähigkeit der Autofahrer vor Vertragsschluss zu checken. Wer ein Fahrzeug an- oder ummelden will, braucht dazu eine Bestätigung seiner Versicherung. Experten warnen davor, diesen Bonitäts-Check leichtfertig zu akzeptieren. Denn wenn der Test schlecht ausfällt, kann die Versicherung teurer werden. Vor allem wenn Autofahrer zum Jahresende ihre Versicherung wechseln wollen, sollten sie das im Hinterkopf behalten.

Bei der Vergabe von Krediten sei eine Zahlungsfähigkeitsprüfung zu akzeptieren, sagt Eckhard Benner, der verbraucherpolitische Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. "Der Trend ist aber, bei immer mehr Geschäften eine solche Prüfung vorzunehmen und die Tarife davon abhängig zu machen" - so sei es jetzt auch bei der Kfz-Versicherung. Dabei hätten diese Unternehmen gar kein Ausfallrisiko - wenn Beiträge nicht gezahlt werden, fällt über kurz oder lang der Schutz weg.

Anbieter meiden

Benner rät Verbrauchern daher, Anbieter zu meiden, die die Finanzen kontrollieren wollen. "Es gibt Versicherungen, die keine Bonitätsprüfungen machen. Danach kann man als Verbraucher suchen, und ich würde genau das auch empfehlen." Denn Kunden wüssten in den meisten Fällen nicht, welche Kriterien in die Prüfung einfließen.

So könne es zum Beispiel sein, dass die Versicherungen bei ihren Bewertungen auch das Alter des Kunden schätzen, wenn dieser es nicht angegeben hat - oder dass das Unternehmen von einem bestimmten Wohnumfeld Rückschlüsse auf die finanzielle Situation zieht. "Und dann kann es passieren, dass jemand als wenig zahlungskräftig eingeschätzt wird, weil er in einer ungünstigen Umgebung wohnt, obwohl er tatsächlich reich ist", sagt der Verbraucherschützer.

ADAC: Bonitätsprüfungen neu

Der ADAC in München weist mit Blick auf die neuen Prüfungen darauf hin, dass Versicherer schon jetzt keinen Kaskoschutz bieten, wenn ein Kunde in der Vergangenheit sehr viele Schadensfälle hatte. "Das ist nichts Ungewöhnliches", sagt Sprecher Jochen Oesterle. Üblich sei auch, dass Versicherungen höhere Beiträge vom Kunden verlangen, wenn ihm der vorherige Vertrag gekündigt wurde.

"Bonitätsprüfungen sind aber neu", sagt Oesterle. Seiner Einschätzung nach sind die Unternehmen allerdings nur dann berechtigt, die Versicherungsprämien vom Ergebnis einer solchen Untersuchung abhängig zu machen, wenn sie dazu klare Regelungen in ihren Versicherungsbedingungen haben.

Beim BaFin beschweren

Ohne solche Klauseln im Einzelfall schlechtere Konditionen anzubieten, hält Oesterle für rechtswidrig. Verbraucher könnten sich dann bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beschweren. Die Stiftung Warentest in Berlin hatte berichtet, dass fünf Anbieter jüngst zu einer solchen Kontrollpraxis übergegangen seien. Vor allem vor der Vergabe der neuen elektronischen Versicherungsbetätigung (eVB) müssten Kunden sich durchleuchten lassen und dazu vorab ihr Einverständnis geben, berichtet die von der Stiftung herausgegebene Zeitschrift "Finanztest" (Ausgabe 9/2008).

Die eVB hat zum 1. März die frühere Doppelkarte auf Papier abgelöst. Damit kommen vor allem diejenigen Autofahrer, die ihren Wagen an- oder ummelden wollen, in Berührung mit dem Bonitäts-Check.

(tmn)