Ergebnis einer Studie des ADAC: Autohersteller schützen zu wenig vor Tacho-Betrug

Ergebnis einer Studie des ADAC : Autohersteller schützen zu wenig vor Tacho-Betrug

ADAC-Studie: Autohersteller schützen zu wenig vor Tacho-Betrug

Der ADAC wirft der Autoindustrie vor, die Fahrzeuge zu wenig gegen Tacho-Betrug zu schützen. Nach einer Studie des Autoclubs und der Universität Magdeburg verzichten Autohersteller auf neueste Sicherheitstechnik.

Viele Autos seien schon ab Werk für eine Tachomanipulation "vorbereitet", kritisierte der ADAC am Montag in München. Jedes Jahr entstehe dadurch ein Schaden von sechs Milliarden Euro.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Automobilclub Alarm geschlagen: Jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland sei mit einem gefälschten Kilometerstand unterwegs.

Wissenschaftler der Arbeitsgruppe "Multimedia and Security" der Uni Magdeburg untersuchten nun die Fahrzeug-Elektronik dreier gängiger deutscher Autos. Sie entdeckten mangelhaft geschützte Software-Funktionen, die von Betrügern später genutzt werden.

Diagnose-Stecker als Problem

"Tacho-Trickser" könnten mit frei erhältlichen Manipulationsgeräten den Kilometerstand eines Autos einfach und schnell verändern. Denn etwa seit dem Baujahr 2000 verfügen nach Angaben des Automobilclubs alle Fahrzeugmodelle über einen einheitlichen Diagnose-Stecker. Daran lassen sich Manipulationsgeräte anschließen, mit deren Software die Kilometerzahl binnen weniger Sekunden elektronisch zurückgestellt werden könne. Ein Ausbau des Tachos ist nicht mehr nötig. Selbst für neue Fahrzeugmodelle gebe es schnell Software-Updates, heißt es.

Weiter können Gebrauchtwagen mit manipuliertem Tacho für die ahnungslosen Besitzer gefährlich werden. "Autos mit zurückgedrehtem Kilometerstand sind womöglich nicht ihrem wahren Verschleiß entsprechend gewartet", warnt Carsten Reinkemeyer vom Allianz Zentrum für Technik (AZT). Für die Wartungsintervalle seien vorrangig kilometerabhängige Verschleißgrenzen maßgeblich. "Wenn sicherheitsrelevante Arbeiten wie der Wechsel der Bremsflüssigkeit nicht rechtzeitig erledigt werden, weil laut dem gefälschten Kilometerstand noch Zeit dafür bleibt, könnte Technikversagen zu einem Unfall führen." Auch seien schwere Schäden am Fahrzeug denkbar, weil etwa ein überalterter Zahnriemen reißt.

"Für Laien ist es kaum möglich zu erkennen, ob der Kilometerstand eines Autos manipuliert wurde", sagt Reinkemeyer. "Um Anzeichen dafür zu finden, müssen sie schon Detektiv spielen." So könnte eine auffallend stark verschlissene Innenausstattung eines Wagens trotz vermeintlich geringer Laufleistung auf eine Tacho-Manipulation hindeuten.

TÜV-Berichte und Ölwechsel-Daten prüfen

Manipulationsgeräte lassen sich nach ADAC-Angaben für rund 7000 Euro legal kaufen. Es gebe Anbieter für solche Dienste. Zudem lasse sich die illegale Manipulation auf technischem Wege meist nicht aufdecken. Darum sollten Interessenten für einen Gebrauchtwagen zum Beispiel auch TÜV-Berichte und Ölwechsel-Daten auf mögliche Unstimmigkeiten mit dem Tachostand überprüfen.

(dpa)
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