Versuchte Täuschung: "Autobild" trennt sich von Chefreporter

Versuchte Täuschung : "Autobild" trennt sich von Chefreporter

Hamburg (rpo). Wegen eines manipulierten Tests im Zusammenhang mit den Sicherheitssysteme der neuen Mercedes S-Klasse hat sich die Fachzeitschrift "Autobild" von seinem Chefreporter Michael Specht getrennt.

Die Chefredaktion sei über das Vorgehen nicht informiert gewesen, erklärte der Sprecher des Axel Springer-Verlages, Tobias Fröhlich, am Dienstag. "Das Verhalten war nicht akzeptabel, daher haben wir bereits die personellen Konsequenzen gezogen."

Der Reporter Specht hatte als Testfahrer am Steuer eines Mercedes der neuen S-Klasse gesessen, mit dem eine Fahrt bei Nebel in ein Stauende nachgemacht werden sollte. Ein Fernsehteam von "Stern TV" zeichnete die Testfahrt auf, die in einer Halle von Mercedes stattfand, in der künstlicher Nebel erzeugt werden konnte. Der Wagen raste aber trotz der neuartigen Warnanlage auf Radarbasis in das Heck des Wagens davor.

Testfahrer Michael Specht von "Autobild" erklärte den Unfall dann gegenüber dem Fernsehteam damit, dass er zu spät gebremst habe. Später stellte sich aber heraus, dass das Warnsystem in der geschlossenen Halle nicht zuverlässig funktionierte und dem Testfahrer von "Autobild" deshalb mit einem Brett auf der Fahrbahn das Signal zum Bremsen gegeben wurde.

Stern TV nicht informiert

Das Fernsehteam wurde über die Absprache nicht informiert. Allerdings lief das Mikrofon am Kragen des Reporters weiter, so dass die Fernsehleute Verdacht schöpften. In der Sendung "Stern TV" der vergangenen Woche entschuldigte sich ein Manager von DaimlerChrysler für das Täuschungsmanöver. Nach seinen Angaben funktioniert das System mit dem Namen BAS plus im Alltag ohne Probleme.

Der Axel-Springer-Verlag betonte, dass es sich um einen Alleingang des Reporters gehandelt habe. "Das Fehlverhalten eines Einzelnen bringt die ganze Redaktion in Misskredit", sagte Sprecher Fröhlich. Er wies darauf hin, dass die Zeitschrift einen guten Ruf als kritisches Blatt habe: "Autobild steht für 20 Jahre guten Autojournalismus und Enthüllungen. Man kann Autobild wirklich nicht vorwerfen, dass wir mit der Industrie auf Kuschelkurs sind, was zahlreiche Nachbesserungen oder sogar Rückrufaktionen der Hersteller belegen."

Im Leserforum des Blattes im Internet hatten zahlreiche Besucher dagegen herbe Kritik geübt und die Distanz zwischen Zeitschrift und Redaktion in Frage gestellt. Fröhlich kündigte an, dass die Redaktion in der nächsten Ausgabe des Blattes auf den Fall eingehen werde.

(ap)
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