Anton Hofreiter (Grüne) fordert Abschaffung der Diesel-Subventionen

Diskussion um Zukunft der Motoren: Grüne fordern Abschaffung der Diesel-Subventionen

VW-Chef Matthias Müller zweifelt an der Zukunft der Selbstzünder-Technik. Unterstützung bekommt er auch aus der Politik. In der Branche löst das gehörigen Wirbel aus. Die Hersteller haben zu lange auf die falsche Technik gesetzt - und nun ein Problem.

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen könnte auch das Ende des Diesel-Motors einläuten. VW-Chef Matthias Müller stellt dessen Zukunft jedenfalls infrage. Schon heute sei absehbar, dass die Abgasreinigung beim Diesel enorm teuer und aufwendig werde, hatte Müller in einem Interview mit dem "Handelsblatt" gesagt: "Vor diesem Hintergrund wird sich die Frage stellen, ob wir ab einem gewissen Zeitpunkt noch viel Geld für die Weiterentwicklung des Diesels in die Hand nehmen sollten."

In der deutschen Branche lösen die Sätze Aufregung aus - in kaum einem anderen Land setzen die Hersteller so stark auf Diesel-Motoren. Fast jeder zweite verkaufte Wagen in Deutschland fährt mit einem Diesel-Motor. Zudem hängen Zehntausende Jobs am Diesel, den die Politik durch eine geringere Besteuerung subventioniert. Doch um dieses Privileg entbrennt nach Müllers Äußerungen nun Streit.

Die Grünen fordern eine sofortige Abschaffung des Diesel-Privilegs, um den Umbruch bei den Autokonzernen zu beschleunigen. "Die Dieselsubventionierung ist längst nicht mehr zu rechtfertigen", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter unserer Redaktion: "Die Bundesregierung muss den Autokonzernen beim Umbruch helfen und klare Signale senden - für klimafreundlichere Mobilität, eine starke deutsche Automobilindustrie und sichere Arbeitsplätze." Die Regierung halte "eine Technologie am Leben, die die Gesundheit der Menschen massiv gefährdet", so der Grünen-Politiker. Er begrüßt Überlegungen des VW-Konzerns, aus der Dieseltechnologie auszusteigen: "Der Ausstieg kann der Einstieg in die Zukunft von Volkswagen sein." Auch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte sich zuletzt bereits für eine Abschaffung des Steuervorteils ausgesprochen.

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Kritiker fordern seit Langem eine Abschaffung der Steuer-Vorteile für den Diesel. Denn dass dieser Treibstoff an der Tankstelle günstiger ist als Benzin, liege vor allem daran, dass er mit 18 Cent weniger Steuern belastet werde, sagte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen: "Die Politik befeuert durch falsche Subventionen künstlich einen Diesel-Boom, der in Großstädten zu Gesundheitsbelastungen der Menschen führt." Diesel-Motoren stoßen mehr giftige Stickoxide aus als Benziner und - laut Verkehrsclub Deutschland - umgerechnet auf einen Liter auch 13,4 Prozent mehr Kohlendioxid beim Verbrennen.

Trotzdem steigt die Zahl der Fahrzeuge mit Diesel-Motoren immer weiter. Zu Beginn des Jahres 2008 waren lediglich rund zehn Millionen Diesel-Pkw auf deutschen Straßen unterwegs, inzwischen sind es etwa 14,5 Millionen.

Dass die Politik an den Subventionen festhält, liegt aus Sicht von Dudenhöffer auch an der Macht der Branche. Nicht nur die Auto-Hersteller, auch große Automobil-Clubs wie der ADAC oder die Gewerkschaft IG Metall, deren Mitarbeiter in den Werken Diesel-Motoren montieren, sprechen sich für den Diesel aus. "Der Diesel ist als Brückentechnologie unverzichtbar", sagte etwa Matthias Wissmann, Präsident des Branchenverbandes VDA. "Ein politisch erzwungenes Ende des Dieselmotors wäre klima- und industriepolitisch kontraproduktiv." Der moderne Euro-6-Diesel sei nicht nur Treiber bei der Einhaltung der Klimaziele, sondern erfülle auch die anspruchsvollsten Schadstoffwerte, so Wissmann.

(jd)