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Behörde bedauert Versehen: Abwrackprämie: So kam es zur Datenpanne

Behörde bedauert Versehen : Abwrackprämie: So kam es zur Datenpanne

Düsseldorf (RPO). Die Wogen haben sich geglättet. Tausende Autofahrer rätseln gleichwohl weiter, wie es zu der unglaublichen Datenpanne zum Auftakt des Online-Verfahrens bei der Abwrackprämie kommen konnte. Mit ein bisschen Abstand hat das zuständige Bundesamt die wichtigsten Fragen geklärt.

Alles begann damit, dass das Online-Verfahren nicht mehr über die Website des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) abgewickelt werden konnte (www.bafa.de). Eine Aufgabe dieser Dimension sei für das Bafa völlig außergewöhnlich gewesen, sagte Sprecherin Christiane Fuckerer unserer Redaktion: "Wir haben zwar Erfahrung mit Massenverfahren, beispielsweise im Bereich der erneuerbaren Energien. Dabei sind jedoch maximal 200.000 Anträge jährlich zu bearbeiten", begründete die Sprecherin, warum den Verantwortlichen im Bafa sofort klar war, den zu erwartenden Ansturm keinesfalls selbst stemmen zu können. Es musste ein externer Dienstleister her.

Dass die Behörde für die Umweltprämie überhaupt zuständig wird, habe man am 16. Januar selbst aus der Zeitung erfahren. Als die Umstellung auf das Online-Verfahren mitgeteilt worden sei, habe die Bafa gerade noch zwei Wochen Zeit gehabt, eine Lösung aus dem Boden zu stampfen: "Sie können sich vorstellen, was in dieser Zeit hier los war", so Christiane Fuckerer.

Dienstleister Arago in Frankfurt

Das Verfahren war am 30. März umgestellt worden, damit sich Autofahrer mit Kaufverträgen die 2500 Euro Prämie reservieren konnten. Aufgrund der immer länger werdenden Lieferzeiten von Neuwagen hatte die Regierung andernfalls Ungerechtigkeiten befürchtet. Zuvor war ein Zulassungsnachweis erforderlich gewesen.

Der Auftrag ging freihändig an die Firma "Arago Institut für komplexes Datenmanagement AG" mit Sitz in Frankfurt. Eine Ausschreibung sei nicht nötig gewesen, weil die dafür erforderliche Mindestsumme nicht überschritten wurde, so die Sprecherin. Was dann am 30. März passiert ist, lässt sich als "Flaschenhals-Effekt" umschreiben. Die empfangbare Datenmenge auf dem Server sei mit 1000 Zugriffen pro Sekunde eigentlich groß genug, doch seien nur die wenigsten durchgekommen, weil es "zu einem Engpass" der Daten kam, wie die Sprecherin erläutert.

Grund: Die Provider hätten die Unmenge der Zugriffe nicht auf die neue Seite www.ump.bafa.de leiten können. Experten hatten vermutet, dass es sich um eine Fehlkonfiguration gehandelt habe. Unter dem Strich, so Fuckerer, sei der gewaltige Ansturm aber als Attacke gewertet und die Kanäle deshalb geschlossen worden. Dass nicht genügend Bandbreite zur Verfügung stand, liege im Zuständigkeitsbereich des Dienstleisters Arago, so Fuckerer. Der IT-Dienstleister wiederum sagte unserer Redaktion, dass für die Koordinierung des Verfahrens das Bafa zuständig sei. In der Sache nahm Arago keine Stellung.

Unverschlüsselter Versand

Eine regelrechte Datenschutzpanne entstand durch den unverschlüsselten Versand von personen- und fahrzeugbezogenen Daten durch das Netz - und das auch noch an falsche Adressaten. "200 Fälle waren betroffen. Das bedauern wir sehr und können uns dafür im Nachhinein nur entschuldigen", räumt die Bafa-Sprecherin ein und hat auch dafür eine Erklärung parat: Zum Start des Verfahrens am Montag sei einer der Server von Arago umgestellt worden: "Dadurch hat ein Antrag versehentlich den anderen überschrieben." Nummern seien doppelt vergeben worden und die Mails an falsche Adressaten gegangen.

"Wir haben dieses Problem schnell erkannt und können für die Zukunft ausschließen, dass es noch mal passiert", ist Fuckerer sicher. Die Pannen seien ausgebügelt worden. Generell laufe das Verfahren jetzt sehr stabil: "Mittlerweile über 652.000 online ordnungsgemäß eingegangene Anträge sprechen für sich."