Messe "Auto China 2014": Deutsche Pferdestärken auf Pekings Straßen

Messe "Auto China 2014" : Deutsche Pferdestärken auf Pekings Straßen

Traumhafte Wachstumsraten, beeindruckende Verkaufszahlen, immer wieder neue Rekorde: China ist das Schlaraffenland der deutschen Automobilhersteller, für einige bereits der wichtigste Einzelmarkt, für die anderen wird er das bald sein.

Allein die Marke VW verkaufte 2013 in China 2,5 Millionen Fahrzeuge, 500.000 Einheiten waren es bei Audi, rund 220.000 bei Mercedes, 392.000 bei BMW und 37.000 Porsche kamen im Reich der Mitte neu auf die Straßen. Zusammen rund 3,6 Millionen Einheiten, und damit mehr als 2014 für den gesamten deutschen Markt erwartet werden.

Die Chinesen lieben Autos der deutschen Premium-Hersteller. Acht der 20 meistverkauften Modelle in China sind VW, würde man nur auf die Metropolen und Wirtschaftszentren schauen, sehe der Anteil noch imposanter aus. VW-Bestseller sind der aus den USA importierte Jetta mit langem Radstand, die China-Version Magotan und die insgesamt gleich fünf verschiedenen Jetta-Modelle, gibt es doch in China nicht nur "einen Volkswagen", sondern eigentlich drei - zählen doch die beiden Joint-Ventures im Norden und Süden des Riesenreiches dazu.

Der rein deutsche VW-Konzern steigerte seine Verkäufe im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum um 14,1 Prozent auf 683.000 Einheiten. Dass der überarbeitete Touareg seine Weltpremiere auf der Peking Auto Show feiert, ist kein Zufall. Mit 75.000 bis 80.000 Verkäufen jährlich ist China der wichtigste Markt für den großen Geländegänger, dessen Neuauflage im Herbst dann auch auf den deutschen Markt kommen wird.

Einen starken Auftritt legt auch der Golf R400 hin. Der Name ist Programm, verfügt die Studie doch über einen 400 PS starken 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo, der das Allradmodell in nur 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und anschließend auf bis zu 280 km/h beschleunigen lassen soll. 2015 kommt der neue Tiguan. Dann auch in einer Langversion mit 25 Zentimeter mehr Radstand, die auch in Deutschland zu haben sein wird, in den USA hingegen das einzige Angebot sein wird.

Auch Porsche nutzt die Messe für eine Weltpremiere, zeigt dort erstmals die GTS-Versionen von Boxster (330 PS) und Cayman (340 PS). Beide haben 15 PS und 10 Newtonmeter mehr als die S-Modelle und sollen helfen, die Verkäufe bei den Sportwagen der Marke zu steigern. Deren Anteil lag bislang bei rund 4.500 von 37.000 Einheiten 2013. Die chinesischen Kunden bevorzugen Modelle wie den Cayenne und den Panamera, entdecken erst langsam den Spaß am Selberfahren, statt wie hier oft üblich mit Chauffeur. Der 911 gilt hier, ob seiner Kompaktheit, als kleines Frauenauto. Für Porsche ist China der zweitwichtigste Markt. Noch. Denn mit Start des Macan im Juli dürfte er schon bald die Nummer eins sein.

Bei Mercedes liegt China (218.045 Einheiten) hinter den USA (312.534) und Deutschland (255.000) nur auf Platz drei. Die Stuttgarter zeigen in Peking das S63 AMG Coupé mit dem 585 PS starken 5,5-Liter-V8-Biturbo und die C-Klasse mit langem Radstand. Im Mittelpunkt aber steht das "Concept Coupé SUV" auf Plattform der M-Klasse. Schon im nächsten Jahr soll das Serienmodell an den Start gehen und neue Kundenkreise erschließen. Bisherige Coupé-Käufer zum Beispiel, die ein SUV wollen. Das Modell wird weltweit angeboten, in den USA aber wohl kaum Chancen haben, mögen die Amerikaner doch lieber klassische SUV. Die in Peking gezeigte Studie wird von einem 3,0-Liter-V6-Biturbo mit 333 PS angetrieben, die Kraft wird über die neue neunstufige Automatik (9G-tronic) an alle vier Räder geleitet.

Einen ersten Ausblick auf den nächsten und für Ende 2015/Anfang 2016 angekündigten 7er-BMW oder einen möglichen 9er gibt die "Vision Future Luxury". Der über fünf Meter lange Viertürer wird mit Laserlicht zu haben sein, er ist an Front und Heck deutlich sportlicher ausgelegt als die Konkurrenten Audi A8 und Mercedes S-Klasse. An den Verkaufsstart in China geht ab sofort das Elektromodell i3, der große und sportliche Bruder i8 feiert in Peking ein viel beachtetes Asien-Debüt. Anders als in Deutschland und den USA wird BMW in China (mit 392.000 Einheiten 2013 größter Einzelmarkt) nicht als sportliche Premium-, sondern als Luxusmarke wahrgenommen, die Fahrzeuge wurden zunächst überwiegend im Chauffeurseinsatz bewegt.

Fast 500.000 Fahrzeuge verkaufte Audi im vergangenen Jahr in China, 124.520 alleine im ersten Quartal 2014 (+21 Prozent). Die Ingolstädter sind seit 25 Jahren auf dem Markt, begannen als Behördenlieferant. Sie hatten sehr schnell erkannt, was die neue Kundschaft wollte. So bot man mit dem A6 L bereits 1999 das erste Langmodell an, mit dem A4 L das erste vor Ort produzierte Premium-Mittelklassemodell, mit dem Q5 das erste vor Ort produzierte SUV.

Mittlerweile haben die derzeit 340 Händler 35 Modelle im Angebot, jetzt kommen auch noch der RS7 und der S3 dazu, 2015 der A3 e-tron, etwas später dann ein A6 L e-tron. Hingucker in Peking ist der "TT offroad concept". "Mit diesem Modell geben wir einen Ausblick darauf, wie wir uns ein neues Modell in einer künftigen TT Familie vorstellen können", erklärte Prof. Dr. Ulrich Hackenberg, Vorstand für Technische Entwicklung, bei der Präsentation.

Interessant ist vor allem das Antriebskonzept. Die Ingolstädter Ingenieure kombinieren bei dem Plug-in-Hybrid-Modell einen 2.0-Liter-Vierzylinder-TFSI mit 292 PS Leistung und 380 Nm Drehmoment mit zwei Elektromotoren (40 kW und 220 Nm, Hinterachse 85 kW und 270 Nm), was zu einer Systemleistung von 408 PS und 620 Nm führt. In 5,2 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100, anschließend auf bis zu 250 km/h (dann wird elektronisch abgeregelt). Ebenso beachtlich ist der Durchschnittsverbrauch von lediglich 1,9 l/100 km (CO2-Ausstoß 45 g/km).

Hier geht es zur Bilderstrecke: Eindrücke von der Messe Auto China 2014

(SP-X)