BMW-Kompaktformat: Neuer 1er wird zum Oberklasse-Fahrzeug

BMW-Kompaktformat : Neuer 1er wird zum Oberklasse-Fahrzeug

Düsseldorf (RPO). Der 1er war schon in seiner ersten Generation so etwas wie der Maßanzug in der Kompaktklasse: Edel, teuer und dank Hinterradantrieb anders als alle anderen Fahrzeuge in diesem Segment. Das Rezept ging auf, über 1,2 Millionen Fahrzeuge hat BMW seit 2004 abgesetzt. Kein Wunder, dass die Bayern bei der zweiten Generation auf Nummer sicher gehen.

Das Schrägheck-Outfit wurde nur behutsam renoviert, der größere Radstand sorgt für mehr Platz im Fond und in Sachen Antrieb, Komfort und Assistenzsysteme ist er nun auf dem aktuellsten Stand. Zusammen mit seiner Weltpremiere auf der IAA kommt der 1er am 17. September in Deutschland in den Handel.

Bei der Preisgestaltung legt sich BMW keinerlei Hemmungen auf: Mit dem kleinsten Benziner (100 kW/136 PS) werden schon mindestens 23.850 Euro fällig, die vorerst stärkste Motorisierung hat einen Diesel (135 kW/184 PS) unter der Haube und kostet ab 29.250 Euro.

Größere Ausmaße

Die äußeren Veränderungen werden auf Anhieb nur dem Fachmann auffallen. Der 1er hat zwar in der Länge (plus 8,5 Zentimeter), beim Radstand ( plus drei Zentimeter) sowie in der Spurbreite (vorne: plus 5,1, hinten: plus 7,2 Zentimeter) zugelegt und steht satter denn je auf der Straße, die grundsätzlichen Proportionen blieben jedoch erhalten.

Wem die vergrößerten Frontscheinwerfer nicht auffallen, wird den Unterschied am ehesten noch bei der Hinterherfahrt wahrnehmen. Wobei die Heckansicht mit den Leuchten im Kia-Stil und einer eher langweilig konstruierten Türe nicht die stärkste Seite des ansonsten muskulösen und unter Spannung stehenden 1ers ist.

"Freude am Fahren"

Die Unterschiede zur ersten Generation werden vor allem dann deutlich, wenn man der sprichwörtlichen "Freude am Fahren" frönt. Durch die verbreiterte Spur klebt der BMW förmlich auf dem Asphalt, der Hinterradantrieb sorgt für Fahrkomfort wie in höheren Klassen. Selbst bei leicht übermütiger Vorgehensweise auf abgesperrter Strecke muss das ESP (DSC bei BMW) fast nie eingreifen.

Von den zur Verfügung gestellten Motoren, dem stärksten Diesel (184 PS) und dem größeren Benziner (170 PS), konnte vor allem der Selbstzünder mit bulliger Kraft überzeugen. Der Benziner muss dagegen kämpfen, um etwa im fünften Gang bei Tempo 120 eine zügige Beschleunigung einzuleiten. Aber vielleicht hat man bei BMW stets auch nur die wunderbaren Sechszylinder im Hinterkopf, die aber in diesem Jahr wohl nicht mehr zur Verfügung gestellt werden.

Neue Wege bei Ausstattung

Bei den Ausstattungsniveaus geht BMW neue Wege. Neben der Basis stellt der Hersteller auch die Varianten Sport Line und Urban Line für jeweils 1900 Euro Aufpreis zur Verfügung. Während die Sport Line mit viel Schwarz und roten Akzentuierungen vor allem das traditionelle BMW-Publikum anspricht, soll die Urban Line mit mutigen Farben bis hin zu auf Wunsch weißen Felgen und Interieurleisen in Acrylglas vor allem ein jüngeres und designorientiertes Käuferklientel interessieren.

Im Innenraum setzt BMW auf eine noch stärkere Fahrerorientierung. Dies äußert sich unter anderem in der traditionell zum Fahrer geneigten mittleren Instrumenteneinheit. Ansonsten wirkt das Cockpit typisch BMW: Edel und ein wenig unterkühlt, aber stilsicher und funktional.

Seitenlange Aufpreisliste

Natürlich lässt sich, mit der wie immer seitenlange Aufpreisliste, der neue 1er auf Oberklasseniveau hochrüsten. So gibt es, einmalig in dieser Klasse, für 2150 Euro das aus 7er und 5er bekannte Achtgang-Automatikgetriebe von ZF, für weitere 170 Euro mehr auch in einer besonders sportlichen Version.

Und dann gibt es noch eine Neuheit für die von Staus und der täglichen Desinformation der Verkehrsmeldungen im Rundfunk gestressten Autofahrer interessant sein dürfte. In Verbindung mit dem Kauf eines Navigationssystems erhält man eine neue Generation von Verkehrsinformationen.

Real-Time Traffic Information (RTTI) greift auf die Daten von O2-Nutzern zurück und berechnet aus deren Wegen Echtzeit-Verkehrsdaten sogar für Landstraßen und innerstädtische Verbindungen. Der Dienst ist mit dem Kauf für drei Jahre kostenlos und schlägt dann mit 250 Euro jährlich zu Buche. Das System wird ab Herbst auch in anderen BMW-Modellen zur Verfügung stehen.

Oberklassen-Fahrzeug im Kompaktformat

Die Vielzahl und die Qualität der Ausstattungsmöglichkeiten macht aus dem neuen 1er eine Art Oberklassen-Fahrzeug im Kompaktformat. Wer auch nur die wichtigsten Extras auf die Orderliste schreibt, wird die 40.000 Euro-Grenze schnell überschreiten. Auch in dieser Hinsicht kann dem neuen 1er derzeit kein anderer Kompakter das Wasser reichen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2012: Neuer BMW 1er wird zum Luxus

(SP-X)
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