Ratgeber: E-Bikes - mit eingebautem Rückenwind

Ratgeber Pedelec-Kauf : E-Bikes - radeln mit eingebautem Rückenwind

Die Nachfrage nach Fahrrädern mit Elektromotor ist ungebrochen. Pedelecs - oft E-Bikes genannt - werden den Fahrradhändlern wohl auch 2018 neue Verkaufsrekorde bringen. Beim Kauf der Gefährte gibt es einiges zu beachten.

Die Nachfrage nach Fahrrädern mit Elektromotor ist ungebrochen. Pedelecs werden den Fahrradhändlern wohl auch 2018 Verkaufsrekorde bringen. Beim Kauf der Gefährte gibt es einiges zu beachten.

Wenn man ganz genau sein will, wird in Deutschland kaum ein E-Bike verkauft. Denn wer E-Bike sagt, meint eigentlich Pedelec - also ein Fahrrad, das mit einem Elektromotor das eigene Strampeln unterstützt und im Gegenteil zum E-Bike nicht von alleine fährt.

Ein wichtiger Unterschied, denn für E-Bikes - die bis zu 45 km/h fahren können - braucht der Fahrer einen Führerschein und eine Versicherung. Fast alle E-Fahrräder, die in Deutschland schon auf den Straßen unterwegs sind, sind also Pedelecs. E-Bikes, so bestätigt es der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), werden quasi nicht verkauft.

Der Trend zum Pedelec allerdings ist ungebrochen: 2017 wurden laut ZIV in Deutschland 720.000 E-Bikes verkauft - im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 19 Prozent. Jedes fünfte verkaufte Fahrrad ist inzwischen ein Pedelec. Mittelfristig rechnet der ZIV mit einem Marktvolumen von 25 Prozent - langfristig sollen sogar 35 Prozent aller verkauften Fahrräder Pedelecs sein. Wer sich ein Pedelec anschaffen will, sollte vorher einiges wissen.

  • Wie funktioniert ein Pedelec?

Ein Pedelec unterstützt den Fahrer mittels elektrischer Motorkraft - allerdings nur, wenn er auch selbst in die Pedale tritt. Bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde erleichtert der Motor dem Fahrer das Strampeln.

Fährt man schneller, geht der Motor aus. Je nach Fahrradtyp kann bei Pedelecs der Grad der Unterstützung durch den Motor in verschiedenen Stufen eingestellt werden, erklärt Nico Langenbeck, Projektleiter E-Bike von der Stiftung Warentest.

  1. Wie weit kommt man mit einem Pedelec?

Das ist schwer zu sagen, denn: "Die Spannen sind riesig", sagt Langenbeck. Wie lange der Motor durchhält, hänge vor allem vom Grad der gewählten Unterstützung und von den geografischen Gegebenheiten ab.

"Wenn ich mit der höchsten Unterstützungsstufe nur bergauf fahre, ist vielleicht schon nach 20 Kilometern Schluss. Fahre ich aber mit einer niedrigen Stufe nur geradeaus und habe vielleicht noch Rückenwind, dann komme ich mit einem großen Akku auch mal 150 Kilometer weit", sagt der Experte.

  1. Was sollte man sich vor dem Kauf bewusst machen?

"Man sollte darüber nachdenken, wozu man das Rad benötigt", sagt Langenbeck. Wer nur kurz zum Bäcker fährt, dem reicht ein E-City-Bike, wer Radtouren mit Gepäck vor sich hat, benötigt eher ein E-Trekking- oder ein E-Reiserad, und wer mit dem Rad sportlich durch bergiges Land fahren will, sollte zum E-Mountainbike greifen.

Hinzu kommt laut Langenbeck, dass man bei Pedelecs auch auf das Gesamtgewicht achten sollte: "Das beträgt manchmal nur 120 Kilo, das Rad wiegt oft schon 25 Kilo, nimmt man dann noch mal 25 Kilo Gepäck mit, darf man selbst nur 70 Kilo wiegen", erklärt der Projektleiter E-Bike.

Ansonsten könnten Bauteile am Rad beschädigt werden. Bei einem höheren Gewichtsbedarf gebe es inzwischen XL-Pedelecs.

  1. Abgesehen vom Elektromotor - unterscheiden sich Pedelecs und Fahrräder?

"Auf jeden Fall!", sagt Langenbeck und rät dringend zu Testfahrten mit mehreren, unterschiedlichen Rädern beim Händler. Das sei noch wichtiger als bei normalen Fahrrädern, denn Pedelecs verhielten sich beim Fahren anders. Die Stabilität eines Pedelecs hängt demnach vom Motorschub, der Position von Motor und Akku und von der Rahmenform ab.

Tiefliegende Rahmen etwa seien zwar bequem - kommt aber eine ungünstige Motorposition und Gepäck dazu, gerieten einige Räder schnell ins Schlingern. "Auch auf die Bremsen sollte man achten", sagt Langenbeck. Pedelecs bräuchten stärkere Bremsen als normale Räder, inzwischen seien oft hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen eingebaut.

  1. Was gibt es nach dem Kauf zu beachten?

Das sensibelste Teil am Pedelec ist wohl der Akku. "Man sollte darauf achten, dass er nicht tiefentladen wird", empfiehlt Langenbeck. Es sollte also immer ein wenig Restenergie im Akku sein. So oder so verliere der Speicher nach einigen Jahren bei hoher Nutzung etwa die Hälfte seiner Kapazität, sagt Langenbeck. Ein Ersatzakku kostet einige Hundert Euro.

  1. Wie entwickeln sich die Preise - werden Pedelecs günstiger?

Die Preise für Pedelecs haben sich laut Langenbeck seit Jahren nicht verändert - im Mittel kosten sie etwa 2000 bis 2500 Euro. Allerdings bekomme man heute zum gleichen Preis mehr Qualität.

"In der Vergangenheit haben wir häufiger Risse oder Brüche an den Rädern gesehen, diese sehen wir aktuell seltener", sagt Langenbeck. "Die Anbieter lernen dazu." Ältere Modelle seinen inzwischen günstiger zu bekommen, sie hätten aber teils veraltete Technik verbaut.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kaufberatung für E-Bikes & Pedelecs

(mre)
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