Radschnellwege: In NRW sollen sieben Trassen entstehen

Besser pendeln : In NRW entstehen sieben Radschnellwege

In Deutschland pendeln so viele Menschen zur Arbeit wie nie zuvor. Radschnellwege zwischen Städten und dem Umland sollen das Radeln zum Job attraktiver machen. NRW plant sieben solcher "Fahrradautobahnen".

Radfahren ist günstig und gesund. Im Stadtverkehr aber nicht immer bequem: Auf den Radwegen parken Autos, viele Wege sind eng. Radler werden von Pkw abgedrängt oder übersehen. Oder strampeln von roter zu roter Ampel.

Radschnellwege sollen das ändern: Die eigens für Fahrradfahrer gebauten Trassen fallen mit vier Metern für Radler und zusätzlichen zwei Metern für Fußgänger besonders breit aus. Sie haben eine spezielle Oberfläche und kommen im Idealfall ohne Kurven, Kreuzungen und Ampeln aus. Dafür sind sie gut beleuchtet und werden im Winter zügig geräumt. Das soll vor allem Pendler animieren, das Rad zur Arbeit zu nehmen. Besonders Ballungszentren wie das Ruhrgebiet, aber auch Großstädte mit ihren Stadträndern eignen sich dafür.

Sieben solcher Trassen sollen in Nordrhein-Westfalen entstehen, unter anderem zwischen Köln und Frechen, Neuss, Düsseldorf, Monheim und Langenfeld, sowie in der Städteregion Aachen. Bereits gebaut wird am Radschnellweg Ruhr, in Fachkreisen "RS1" genannt. Die Radautobahn soll bei Fertigstellung 101 Kilometer lang sein und zwischen den Städten Duisburg und Hamm quer durch das Ruhrgebiet verlaufen.

Geplant ist die Fertigstellung bis 2020. Realisiert wurde nach Angaben von Straßen.NRW bereits eine Modellstrecke von sechs Kilometern Länge. "Es wird natürlich niemand morgens die ganze Strecke von Hamm nach Duisburg radeln", sagt Daniel Wegerich, Geschäftsführer des NRW-Landesverbands des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Es gehe darum, für Pendler in dem Ballungsgebiet eine Alternative zur A40 zu schaffen.

Diese Radschnellwege sind in Nordrhein-Westfalen geplant. Foto: www.radschnellwege.nrw

Verkehrs-Staatssekretär Norbert Barthle sagte unserer Redaktion anlässlich des großen Fahrrad-Kongresses in Mannheim, der Bund habe seine Mittel für die Radwege von 60 auf 100 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt. Die Radschnellwege sollen im Jahr 2017 mit zusätzlichen 25 Millionen Euro gefördert werden. Das sei ein "erster Schritt in die richtige Richtung", sagte die ADFC-Sprecherin Stephanie Krone am Montag. "Das Volumen ist aber unterdimensioniert. Wir bräuchten das Zehnfache."

Mit 25 Millionen Euro pro Jahr könnten gerade einmal 15 bis 20 Kilometer an Fahrradschnellwegen gebaut werden, sagte Krone weiter. Sie lobte zwar das Bekenntnis des Bundes zum Ausbau von Schnellstrecken. Deutschland hänge aber im Vergleich etwa zu den Niederlanden und Dänemark beim Ausbau des gesamten Streckennetzes, also auch von Radwegen in den Städten "hinterher, weil der Bund in einer Verweigerungshaltung verharrt".

Die Zahl der Pendler in Deutschland ist 2016 auf einen Rekordwert gestiegen, wie eine Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn ergibt. 2015 pendelten bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer zum Job in eine andere Gemeinde - im Jahr 2000 waren es 53 Prozent. In NRW belegt Köln mit 249.400 Einpendlern Platz eins, gefolgt von Düsseldorf mit knapp 240.000 Einpendlern. In der Landeshauptstadt kommen 62 Prozent der Beschäftigten von außerhalb zum Job. In Essen wohnt gut jeder Zweite, der dort seinen Arbeitsplatz hat, außerhalb.

Mit Material von AFP und dpa.

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(RP)