Pedelec im Test: Elby E-Bike - eigenwilliger Gipfelstürmer

Pedelec im Test : Elby E-Bike - eigenwilliger Gipfelstürmer

In der E-Bike-Szene sind derzeit vor allem Modelle mit Mittelmotor gefragt. Das neue Pedelec Elby demonstriert jedoch eindrucksvoll, dass der Heckantrieb durchaus Vorteile bietet. Auch in anderen Aspekten hat das Velo positiv überrascht.

Ob Brose, Continental oder Bosch — der Pedelec-Boom ist für einige namhafte Autozulieferer ein wichtiger Geschäftszweig geworden. Auch Magna will sich jetzt ein Stück vom wachsenden E-Bike-Kuchen sichern.

Firmen-Gründer Frank Stronach und der ehemalige Magna-Manager Fred Gingl haben deshalb die neue Fahrradmarke Elby aus der Taufe gehoben. Bereits mit ihrem gleichnamigen Erstlingswerk ist den Austro-Kanadiern ein großer Wurf gelungen, wie sich im Praxistest zeigt.

Optisch kommt das Elby, das nur mit Tiefeinsteiger-Unisex-Rahmen in einer Größe zu haben ist, wie eine progressive Mischung aus Beach Cruiser und Hollandrad daher. Entsprechend nimmt man eine eher entspannte Haltung ein, die auch auf längeren Touren bequem ist.

Das Elby toleriert dabei fast jeden Körperbau, denn Sattel und Lenker lassen sich auf 1,50 bis 1,95 Meter große Fahrer anpassen. In unserem Fall (1,78 Meter) genügte das Lösen und erneute Festdrehen von vier Inbusschrauben, um eine für Pedelec-Touren optimale Position zu finden.

Schön in der Hand liegt der breite, M-förmig geschwungene Lenker mit ergonomischen Gummigriffen, die sich passgenau an die Handballen schmiegen. Optisch versprüht der ebenfalls breite und mit Tragegriff ausgestattete Gel-Sattel zwar ein wenig Sofa-Flair, dafür muss man sich auch auf längeren Touren nicht mit Gesäßschmerzen plagen.

Ebenfalls entspannt bleiben auf langen Touren die Oberschenkelmuskeln des Elby-Piloten. Der im Hinterrad integrierte, wuchtig wirkende BionX-Nabenmotor der D-Serie verlangt nach nur leichter Beinarbeit. Die flach wie eine XL-Pizza bauende, lautlos arbeitende E-Maschine schiebt in eigentlich jeder Situation das E-Bike mit sattem Drehmoment spritzig voran.

Sogar steile Anstiege nimmt das 25-Kilo-Bike erstaunlich flott. Während man mit den derzeit besonders gefragten Mittelmotor-Pedelecs selbst mit kurzer Übersetzung und zusätzlicher Beinarbeit bergauf meist Tempo verliert, kann das Elby an Steigungen oftmals das Tempo halten.

Vor allem für den Einsatz in hügeligen Regionen scheint der druckvolle Heckantrieb erste Wahl zu sein. Ist man in flachen Gegenden unterwegs, fährt man fast immer im längsten Gang und wechselt nur selten in eine kürzere Übersetzung der neunstufigen SRAM-Kettenschaltung.

Per Knopfdruck am Lenker kann der Fahrer zudem zwischen vier Vortriebsmodi wählen, also zwischen moderater und starker E-Motor-Unterstützung. In jeder dieser vier Stufen fährt man meist zwischen 25 bis 27 km/h.

Der entscheidende Unterschied: In den unteren Unterstützungsstufen bekommt man seine Oberschenkel früher zu spüren. Wer etwas für seine Fitness tun möchte oder mehr Reichweite benötigt, dem stehen entsprechende Fahrstufen zur Auswahl.

Apropos Reichweite: Wer mag, kann mit dem Elby sogar rekuperieren, also statt Bremsenergie in Wärme verpuffen zu lassen, diese als Strom wieder der Batterie zurückführen. Aktiviert wird dieser Rückgewinnungsprozess mit dem rechten Bremshebel, dabei zeigt das kleine Farbdisplay schick animiert den Energierückfluss an.

Als Energiespeicher dient ein im Rahmenunterzug direkt überm Tretlager untergebrachtes Batteriepaket aus 52 Lithium-Ionen-Zellen mit zusammen 557 Wh Speicherkapazität. Laut Elby sind bis zu 135 Kilometer Reichweite in der niedrigsten Unterstützungsstufe möglich, mit maximaler Motorunterstützung in der weitgehend flachen Region rund um Köln reichte ein voller Akku für immerhin 70 Kilometer.

Zum Laden lässt sich der Stromspeicher rausnehmen oder alternativ das vergleichsweise kompakte Ladegerät direkt am Fahrrad einstöpseln. Mit sechs bis acht Stunden zieht sich der Ladevorgang allerdings etwas in die Länge.

Beeindrucken kann das Elby unter anderem mit seinem besonders steifen Rahmen. Früher waren Tiefeinsteiger meist wackelige Konstruktionen, doch in diesem Fall ist absolute Stabilität angesagt. Diesen verbindlichen Eindruck vermitteln auch die hydraulischen Scheibenbremsen Tektro Auriga e-Sub, die fein dosierbar sind und die nötigenfalls auch kräftig zupacken.

Ebenfalls eine Wucht sind die voluminösen Cruise-Contact-Reifen im 26-Zoll-Format von Continental. Diese erlauben beschwingtes Kurvenräubern mit ordentlich viel Schräglage. Zugleich kaschieren die dicken Pneus kleine Unebenheiten. Da es keine Federung gibt, bekommt der Fahrer gröbere Asphaltverwerfungen oftmals in Form harter Schläge zu spüren.

Dabei klappert übrigens nichts, denn in ebenfalls sehr vertrauenswürdiger Bauart sind Schutzblechhalterungen und der Seitenständer ausgeführt. Einen ebenfalls verbindlichen Eindruck hinterlassen die glatten Pedalen mit rutschfester Beschichtung. Zur Ausstattung gehören schließlich noch filigrane, schicke und zugleich lichtstarke LED-Leuchten. Was im Fahrradalltag lediglich fehlt, ist eine Gepäcklösung, die Elby allerdings nicht anbietet.

Ein Zubehörprogramm mit verschiedenen Ausstattungsoptionen sucht man vergeblich. Das Elby gibt es in einer Größe, einer Ausstattung und zu einem Preis. Der Kunde kann lediglich zwischen fünf Farben wählen - einige dezent, andere auffällig.

Das Elby kann man sich entweder zu einem Händler in Wohnortnähe oder zu sich nach Hause liefern lassen. Das Pedelec kommt bereits fertig montiert in einem den Kunden persönlich begrüßenden Karton an. Nach dem Auspacken muss man lediglich mit dem beigelieferten Werkzeug Pedale anschrauben sowie Lenker und Sattel justieren. Bereits fünf Minuten später kann man losstromern.

Ganz billig ist das 3300 Euro teure Elby nicht, doch angesichts des durchdachten Konzepts, hochwertiger Anbauteile und einer insgesamt vorbildlichen Verarbeitung erscheint dieser absolut angemessen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Elby E-Bike - ein großer Wurf

(csr)
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