Test: Toyota Land Cruiser (2018) - einer für fast alles

Geländewagen im Test: Toyota Land Cruiser - einer für fast alles

SUVs sind ja derzeit schwer angesagt. Auch wenn viele den Eindruck erwecken, Offroad-Talent zu besitzen, hört der Spaß abseits der Straße meist schnell auf. Dafür benötigt man einen echten Geländewagen mit ordentlichem Leiterrahmen. Den Toyota Land Cruiser beispielsweise.

Bei den meisten Autos muss man mit gewissen Einschränkungen leben. Manchen fehlt es an Luxus, an Platz, an Sitzen, oder sie können nur Asphalt, aber nicht Gelände. Toyota hingegen hat mit dem rundum aufgefrischten Land Cruiser eine Allzweckwaffe im Portfolio, die eigentlich alles beherrscht und dem Entdeckertrieb seines Besitzers kaum Grenzen setzt.

Allein, um die schier endlosen Weiten seines Innenraums zu erkunden, muss man sich Zeit nehmen. Der 4,84 Meter lange Fünftürer bietet neben den üblichen zwei Sitzreihen, in denen den Gästen viel Entfaltungsspielraum zur Verfügung steht, im XL-Kofferraum noch eine dritte Reihe. Das Geheimgestühl, auf dem sogar Erwachsene mitreisen können, fährt auf Knopfdruck elektrisch aus dem Kofferraumboden nach oben.

Das bei umgeklappten Fondsitzen über 1800 Liter große Gepäckabteil (beim 5-Sitzer sogar 1934 Liter) schrumpft dann zwar auf etwas über 100 Liter, doch im Gegenzug können sieben Personen mitreisen. Die hinteren fünf haben sogar die Möglichkeit, über ein Entertainment-System Filme zu schauen. Selbst wenn das Heck also voller Kinder sein sollte, lassen sie sich so recht einfach ruhig stellen.

Dann kann man als Fahrer das noble Ambiente vorne genießen, welches die zweithöchste Ausstattung Executive bereits bietet. Die dunkelbraunen Ledersitze sind nicht nur bequem, sondern auch klimatisiert. Über die elektrische Verstellung findet man leicht eine optimale Position. Als Besonderheit verfügt der Land Cruiser in den nobleren Ausstattungsvarianten über eine geräumige Kühlbox in der Mittelkonsole, die auch tatsächlich kräftig runterkühlt. Die Kindergeburtstagsgesellschaft im Fond lässt sich während der Fahrt also nicht nur mit Kinoprogramm, sondern auch mit Kaltgetränken verwöhnen.

Beeindruckender Arbeitsplatz

Ansonsten beeindruckt der Arbeitsplatz mit vorbildlicher Verarbeitung, schicken Materialien und guter Funktionalität. Im Kern handelt es sich ja um einen Geländewagen von altem Schrot und Korn, doch die übersichtliche Kommandozentrale ist modern gemacht. Selbstredend gibt es einen großen Touchscreen für das Infotainment-Navisystem, Dreizonen-Klimaautomatik, Multifunktionslenkrad oder einen Start-Stopp-Knopf für den Motor. Rechts davon befindet sich noch eine Batterie von Schaltern zur Aktivierung der speziellen Offroad-Technik.

Wer entsprechend viel Geld investiert, kann den Land Cruiser kräftig hochrüsten. Es gibt Untersetzungsgetriebe, Sperrdifferential, Bergab- und Berganfahrhilfe oder ein Kamerasystem, das verschiedene Perspektiven ermöglicht und dem Fahrer nicht sichtbare Gefahren anzeigt. Zudem bietet der große Toyota fünf Fahrprogramme, die für fast jedes Terrain Traktion bereitstellen.

Eine per Knopfdruck aktivierbare „Crawl-Funktion“ lässt den 2,4-Tonnen-Kreuzer mit einer vorher eingestellten Geschwindigkeit über Hindernisse kriechen. Voll ausgestattet mutiert der Japaner jedenfalls zum imposanten Bergbezwinger. Etwas Kritik muss aber auch sein: Auf matschigen Passagen kamen die montierten Reifen schnell an ihre Grenzen. Außerdem dürften die recht langen Karosserieüberhänge auf steileren Strecken Probleme bereiten. Immerhin kann man dank Luftfederung das Niveau per Knopfdruck verändern und sich so mehr Bodenfreiheit verschaffen.

Der Land Cruiser lässt sich alternativ auch flacher legen. Vor allem auf Autobahntouren hilft das - unter anderem beim Spritsparen. Als Linksspurexpress eignet sich die robuste Leiterrahmenkonstruktion zwar nicht, dennoch schlägt sich der Allradler auf Fernwegen durchaus wacker. Zumindest geradeaus, denn Kurven sind nicht unbedingt sein Ding. Im per Knopfdruck aktivierbaren Sportmodus liegt das Dickschiff jedenfalls ruhig und satt selbst bei hohem Tempo auf dem Asphalt.

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Diverse Assistenzsystem sind an Bord

Laut Tacho erlaubt der an eine sanft schaltende Sechsgang-Automatik gekoppelte Dieselantrieb abgeregelte 190 km/h. Bei Vollgas-Etappen klettern die Verbrauchswerte des 130 kW/177 PS starken 2,8-Liter-Vierzylinders deutlich in zweistellige Regionen. Offiziell liegt der Verbrauch bei 7,2 Liter, praktisch wird man gut zwei Liter mehr verfeuern. Den Tankwart belästigt man dennoch eher selten, da immerhin 87 Liter in den Spritbehälter passen.

Als entspannter Langstrecken-Cruiser eignet sich Toyotas Allrad-Flaggschiff unter anderem auch dank einiger Helferlein. Mit der im Frühjahr gestarteten Neuauflage haben unter anderem Spurhalte- und Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung, Kollisionsverhinderer und ein Abstandstempomat Einzug gehalten.

Dank Onlineanbindung kann das Navi den Fahrer zudem mit Echtzeitverkehrsinformationen versorgen. Und das sind nur einige Beispiele einer langen Ausstattungsliste. Die Fünftürer-Basis mit manuellem Sechsgang-Getriebe startet übrigens bei 43.590 Euro. Rund 62.500 Euro kostet die von uns getestete Version Executive. Wer keine Kompromisse eingehen will, muss weitere 5.000 Euro für die Topausstattung Tec-Edition drauflegen.

Toyota Land Cruiser - Technische Daten

Fünftüriger, fünf- oder siebensitziger Geländewagen, Länge: 4,84 Meter, Breite: 1,86 Meter, Höhe: 1,85 Meter, Radstand: 2,79 Meter, Kofferraumvolumen: 107 – 1.833 Liter

2,8-Liter-Turbodiesel, 130 kW/177 PS, maximales Drehmoment: 450 Nm bei 1.600 - 3.000 U/min, permanenter Allradantrieb, Sechsgang-Automatik, Vmax: 175 km/h, 0-100 km/h: 12,1 s, Normverbrauch: 7,2-7,5 l/100 km, CO2-Ausstoß: 190-197 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: C–B

Preis: ab 43.590 Euro

Hier geht es zur Bilderstrecke: Toyota Land Cruiser (2018) - eine eierlegende Wollmichsau

(csr/SP-X)