Test im neuen Opel Ampera: Ein umweltfreundliches Vergnügen

Test im neuen Opel Ampera : Ein umweltfreundliches Vergnügen

Düsseldorf (RPO). Der neue Opel Ampera ist ein rundum durchdachtes Auto mit Elektroantrieb und einem Range Extender, der die Reichweite auf das von herkömmlichen Autos bekannte Maß erweitert. Das hat allerdings seinen Preis. 42.900 Euro müssen Interessenten auf den Tisch legen.

Elektroauto fahren ist ein besonderes Vergnügen: Der kräftige Schub beim Beschleunigen und die lautlose Fortbewegung üben einen hohen Reiz aus. Nach gut 50 scharf gefahrenen Kilometern im neuen Opel Ampera ist allerdings Ebbe im Akku. Die verbleibende Reichweite nähert sich null Kilometern - und das auf freier Strecke.

Bei einem reinen Elektroauto hieße es jetzt, schleunigst eine Steckdose zu finden - und notgedrungen eine Bleibe für viele Stunden, bis die Batterien wieder aufgeladen sind. Nicht so beim jüngsten Spross aus Rüsselsheim: Kaum merklich springt ein Vierzylinder-Benzinmotor an, der als Generator fungiert. Der Ampera wird weiterhin von dem 111 kW/150 PS starken Elektromotor angetrieben.

Argument gegen E-Autos entfällt

Mit diesem Antriebs-Arrangement entfällt eines der Hauptargumente gegen Elektroautos: Die geringe Reichweite, die sie zu reinen Stadt- und Drittfahrzeugen degradiert. Denn das Leben mit einem reinen Elektroauto ist voller Unwägbarkeiten - ein Stau oder widrige Wetterverhältnisse können die schöne Reiseplanung zerstören und die Batterie schneller als erwartet entladen.

Andererseits sind rund 80 Prozent aller Fahrten kürzer als 60 Kilometer, sagt nicht nur Opel. Und diese Distanz lässt sich bei normaler Fahrweise mit dem Ampera problemlos rein elektrisch bewältigen.

Sprintstarker Antrieb

Dabei braucht in keiner Weise Verzicht geleistet zu werden. Mit einem maximalen Drehmoment von 370 Nm, das vom Start weg zur Verfügung steht, und der Leistung von 111 kW/150 PS spurtet der immerhin 1732 kg schwere Viertürer in nur 9 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 161 km/h abgeregelt - und zwar deutlich spürbar. Der Antrieb hätte noch Reserven für deutlich höhere Geschwindigkeiten, aber mit Vmax-Exzessen würde der Effizienzgedanke des Ampera ad absurdum geführt. Wer die linke Spur beherrschen will, sollte sich auch weiterhin an die starken Diesel halten.

Zur Gelassenheit erzogen

Erfahrungswerten bei Opel zufolge erzieht der Ampera ohnehin zur Gelassenheit. So sei unter den Ingenieuren ein Wettbewerb um die größten Reichweiten und die niedrigsten Verbräuche entbrannt. Und tatsächlich lässt sich auf dem Zentralbildschirm trefflich verfolgen, wie die Energieströme verlaufen, wie viele Kilowattstunden Strom aufgezehrt werden und welche Kraftstoffmenge in die Brennräume des Range-Extender-Motors befördert wird.

Und das ist normalerweise recht wenig: Auf den ersten 50 bis 70 Kilometern wird normalerweise überhaupt kein Benzin verbraucht, und selbst bei vollem Dauereinsatz des Generators übersteigt der Verbrauch kaum sieben Liter auf 100 Kilometern.

Futuristische Formensprache

Der große Digitalbildschirm passt übrigens gut zur ausgesprochen futuristischen Formensprache des Ampera, die sich durch das Interieur zieht, welches identisch mit dem des Schwestermodells Chevrolet Volt ist. Außen gibt es hingegen einige Ampera-spezifische Merkmale - unter anderem die vertikal angeordneten Frontscheinwerfer-Einheiten sowie die horizontale Chromspange zwischen den Rückleuchten.

Die weitgehende Baugleichheit bedeutet übrigens nicht, dass es sich beim Opel lediglich um einen umetikettierten Chevrolet handelt. Vielmehr wurden Ampera und Volt von Anfang an als Parallelmodelle entwickelt.

Bequeme Sitze

Technisch werden viele Komponenten der Astra- und Zafira-Plattform verwendet, die intern auf den Namen Delta hört. Und auch das Raumangebot entspricht weitgehend dem Astra: Vorn sitzt man bequem, hinten könnte allerdings etwas mehr Platz sein. Der Ampera ist übrigens als reiner Viersitzer ausgelegt. Praktisch ist der große Kofferraum, der sich trotz der Stufenheck-Form unter einer Heckklappe und einer leider recht billig wirkenden, flexiblen Abdeckung verbirgt.

Das Privileg, eines der ersten Elektroautos zu fahren, ist nicht billig: Der Ampera kostet bereits in der Basisausführung 42.900 Euro, eine Sonderedition zur Einführung der Baureihe reißt gar ein Loch in Höhe von 48.200 Euro in die Kasse. Kein Wunder, dass Opel auf Subventionen für Elektroautos hofft. Allerdings ist die Basisausstattung schon recht komplett. Sie beinhaltet beispielsweise bereits ein Navigationssystem, Ledersitze, eine Rückfahrkamera, ein Telefonmodul und ein schlüsselloses Bediensystem.

Wer sein Umweltgewissen im Hinblick auf die fossile und atomare Stromerzeugung, die weiterhin Bestandteil des europäischen Stromnetzes ist, besänftigen will, dem bietet Opel in Zusammenarbeit mit einigen Energieversorgern übrigens verbilligte Bezugsmöglichkeiten für Öko-Strom an. Öko hin oder her: Das Fahrerlebnis im Ampera ist so faszinierend und die Form so aufregend, dass es schwerfällt, nicht in den Bann des neuen Modells gezogen zu werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 2011: Der neue Opel Ampera im Test

(SP-X)
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