Düsseldorf: So funktioniert die Rettungsgasse

Aktion "Leben retten" in Düsseldorf: So funktioniert die Rettungsgasse

Wenn Polizei und Feuerwehr unterwegs zu einem Einsatz sind, zählt häufig jede Sekunde. Da ist es wichtig, dass die Straße frei ist. Doch das Bilden einer Rettungsgasse funktioniert nicht immer gut. Hier steht, was man beachten muss.

Das Problem Auch wenn jeder Fahrschüler lernt, wie er sich während eines Rettungseinsatzes zu verhalten hat, geht das Wissen im Laufe der Jahre meist verloren. Viele sind unsicher und wissen nicht, wie sie reagieren sollen und was erlaubt ist oder nicht. Oder aber sie reagieren einfach zu spät. Zusätzlich fehlt bei vielen Menschen der Respekt gegenüber Rettungskräften, Pöbeleien und Missachtung sind an der Tagesordnung.

Die Konsequenzen Bei den Einsätzen der Rettungsmannschaften geht es oft um Menschenleben. Sind Blaulicht und Martinshorn eingeschaltet, geht es um jede Sekunde. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand beispielsweise sinkt die Überlebenschance des Patienten mit jeder verstrichenen Minute um zehn Prozent. Auch bei Brandeinsätzen ist Eile geboten. Schon eine zweiminütige Verspätung kann dazu führen, dass eine Wohnung komplett in Flammen steht. Die Löscharbeiten erschweren sich und Menschenleben sind in Gefahr.

Allgemeine Tipps Die Grundvoraussetzung für den Straßenverkehr ist die volle Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer. Wer sich nicht ablenken lässt, Abstand hält und vorausschauend fährt, kann besser reagieren. Gerade in Wohngebieten behindern falsch geparkte Autos häufig die Rettungseinsätze. Parker sollten bedenken, dass die Feuerwehr eine Durchfahrtsbreite von drei Metern braucht. In Kurven sind es sogar fünf Meter, die die großen Wagen zum Rangieren brauchen. Jedem sollte bewusst sein, dass er selber einmal in die Lage kommen könnte, schnelle Hilfe zu brauchen.

Das richtige Verhalten auf der Autobahn Schon bei stockendem Verkehr (rund 50 km/h) sollte an die Bildung einer Rettungsgasse gedacht werden. Was nur nach einem Stau aussieht, kann auch immer ein Verkehrsunfall sein. Zur Veranschaulichung der richtigen Gassenbildung hilft die "Rechte-Hand-Regel". Fahrzeuge auf der Spur ganz links (der Daumen) halten sich am linken Rand. Die Wagen auf allen anderen Spuren (die restlichen Finger) halten sich rechts. Auch der Standstreifen darf bei der Bildung einer Rettungsgasse genutzt werden. Die Fahrer sollen auf einer Spur bleiben und mindestens eine Fahrzeuglänge Abstand zum Vordermann halten, damit es noch Ausweichmöglichkeiten gibt. Die entstandene Gasse muss so breit sein, dass auch große Rettungswagen durchkommen. Ziel der Rettungskräfte ist es, nicht nur Menschenleben zu retten, sondern auch die Autobahn möglichst schnell wieder frei zu bekommen, da Staus neue Unfälle verursachen können. Wichtig ist es auch, die Rettungsgasse nicht sofort wieder zu schließen, denn es könnten noch weitere Einsatzfahrzeuge angefordert werden.

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In der Stadt Für die Stadt gibt es keine Patentregel, um eine freie Bahn zu schaffen. Dort sollten die Fahrer mit Besonnenheit die Situation analysieren. Wichtig ist es, bei blauem Blinklicht und Einsatzhorn die Umgebung zu beobachten, denn die Fahrzeuge könnten aus allen Richtungen kommen. Gibt es geeignete Lücken, sollte die Straße freigeräumt werden. Geht das nicht, sollte man nicht in Panik verfallen und bremsen, sondern vor den Einsatzwagen herfahren, bis es eine Möglichkeit gibt, Platz zu machen. Unnötige Bremsmanöver kosten die Rettungskräfte Zeit. Kreuzungen sind freizuhalten. Gerade wartende Autos an roten Ampeln bereiten Probleme. Gibt es keinen Platz, um auszuweichen, ist es erlaubt, vorsichtig die rote Ampel zu überfahren. Auch Stoppschilder und durchgezogene Linien dürfen mit Umsicht überfahren und Sperrzonen oder Gehwege befahren werden. Sollte ein Verkehrsteilnehmer geblitzt werden, ist es empfehlenswert, Datum, Uhrzeit und Art des Einsatzfahrzeuges zu notieren, um Einspruch gegen den Bußgeldbescheid einlegen zu können.

In unserem Video sehen Sie, wie eine Rettungsgasse richtig gebildet wird.

Bußgelder Am 19. Oktober 2017 wurden die Bußgelder vom Gesetzgeber drastisch erhöht. Statt mit 20 Euro müssen Verkehrsteilnehmer, die bei stockendem Verkehr auf der Autobahn keine Rettungsgasse bilden, jetzt mit mindestens 200 Euro und zwei Punkten rechnen. Werden die Rettungsfahrzeuge dabei behindert, sind es 240 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Bei Gefährdung anderer erhöht sich die Strafe auf 280 Euro, zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot. Verursacht ein Fahrer dabei einen Verkehrsunfall mit Sachschaden, wird er mit 320 Euro, zwei Punkten und einem Monat Fahrverbot zur Kasse gebeten. Die gleichen Beträge fallen in der Stadt an, wenn ein Einsatzfahrzeug mit eingeschaltetem blauen Blinklicht und Martinshorn behindert wird. Streifenwagen sind mit Kameras ausgestattet. So haben sie die Möglichkeit, Gefährder aufzunehmen und nachträglich zu sanktionieren.

(RP)