Besser als die Chinesen

Besser als die Chinesen

Das Werk in Aachen ist eröffnet: Bis Ende des Jahres sollen die ersten e.GO Life zu den Kunden rollen. Mit dem E-Auto möchte Professor Günther Schuh die Mobilität in den Städten revolutionieren.

Privat fährt Günther Schuh (59) einen Porsche-Hybrid. Doch wenn es um die Elektromobilität geht, dann sind ihm die traditionellen Autobauer nicht schnell genug. Deshalb hat der Ingenieur und Professor für Produktionssystematik an der RWTH Aachen im Frühjahr 2015 sein eigenes Start-up, die e.Go Mobile AG, gegründet. Das Ziel: ein bezahlbares Elektroauto für die Stadt.

Drei Jahre später trafen sich nun Tausende Gäste aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in Aachen-Rothe Erde, um der Werkseröffnung auf dem ehemaligen Philips-Gelände beizuwohnen. 25,7 Millionen Euro wurden investiert. 2,6 Millionen kamen vom Land. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sprach von einem wichtigen Tag fürs ganze Land. "Endlich findet wieder Automobilproduktion in Nordrhein-Westfalen statt."

Schuh war gerade erst von einer Werbetour durch China zurückgekehrt, wo er seine Vision vorstellen durfte. "Es ist nicht so schwer, ein Elektroauto zu bauen", sagte der Professor. Die Kunst bestehe darin, es günstig zu bauen. Wie das geht, erklärte er am Beispiel seines Stadtflitzers e.GO Life: Das Chassis ist aus Aluminium. "Allein der Werkzeugsatz für ein normales Cassis kostet etwa 120 Millionen Euro. Das ist das 20-fache dessen, was wir ausgeben", sagte Schuh. Die Außenhaut bestehe aus Thermoplast, einem Kunststoff, der bislang lediglich bei Stoßstangen zum Einsatz kam. Außerdem setzt Schuh voll und ganz auf die Industrie 4.0, alles sei miteinander vernetzt. Die Produktionsweise der etablierten Autobauer (ein Modell, das dann vier bis fünf Jahre unverändert gebaut werde) halte er für überholt und unflexibel. Ein e.Go Life brauche 17 Stunden, bis er fertig sei. Jedes Teil werde nur zweimal in die Hand genommen: einmal beim Auspacken und einmal bei der Montage. Die Montage mache lediglich 4,8 Prozent der Produktionskosten aus. "Das", meint Schuh, "schaffen nicht einmal die Chinesen."

Unter diesen Bedingungen kann der Life ab 15.900 Euro angeboten werden. So günstig ist derzeit kein anderes E-Auto. Es gebe bereits 3100 Vorbestellungen. Einziger Wermutstropfen: Der kleinste Life (mit 20 kW-Akkuleistung) habe eine reale Reichweite von gerade einmal 100 Kilometern. Mit dem größten Akku (60 kW) soll der Wagen dann knapp 160 Kilometer weit fahren können, kostet aber auch 19.990 Euro. "Wenn Sie den Fahrspaß eines Tesla haben wollen, aber nicht so viel Geld ausgeben möchten, dann kommen Sie zu uns." An der Ampel entwickle sich der Life zum "Porsche-Killer". Und das geht so, sagte der Professor: "Life 60 kaufen, ESP ausschalten, Sport-Fahrmodus einschalten und von null auf 50 km/h in 3,4 Sekunden beschleunigen. Das bleibt haften, also beim Porsche-Fahrer." Das Design ist eine Mischung aus Mini-Cooper und Smart.

Produktionsstart ist im Herbst. Bis zum Ende des Jahres sollen die ersten 100 Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert werden. Im nächsten Jahr will Schuh dann im Ein-Schicht-Betrieb 10.000 Autos bauen. Im Jahr darauf im Zwei-Schicht-Betrieb 20.0000 und ab 2021 im Drei-Schicht-Betrieb 30.000 und mehr. Am Ende könnten in dem Werk rund 400 Mitarbeiter beschäftigt sein. "Ich halte es nach wie vor für realistisch, dass wir ab 2022 100.000 Fahrzeuge im Jahr produzieren", gab sich Schuh optimistisch. Mit eingerechnet seien dann allerdings auch die e.GO Mover, die mit dem Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen entwickelt werden. Der Elektro-Kleinbus, der an ein fahrendes Aquarium erinnert, bietet Platz für bis zu 15 Personen und könnte schon Ende 2019 ausgeliefert werden. Das Werk dafür soll gleich nebenan entstehen.

Unterdessen tüfteln Schuh und sein Team bereits an der nächsten Idee. "Wir brauchen ein Universalfahrzeug, das auch längere Strecken bewältigen kann." Zurzeit arbeite man an einer Lösung mit Range Extender zur Reichweitenverlängerung. Die Rede ist von einem kleinen Verbrennungsmotor oder einer Brennstoffzelle. "Das wird unsere Überraschung für 2019."

(webe)